Berufswunsch: Profi-Gamer

Was haben Mesut Özil und der TCS gemeinsam? Beide setzen auf E-Sport. Welche Perspektiven die Disziplin in der Schweiz bietet, zeigen neue Zahlen.

Es winken Preisgelder von total 240'000 Franken: E-Sportler messen sich im Wettkampf. Foto: Keystone

Es winken Preisgelder von total 240'000 Franken: E-Sportler messen sich im Wettkampf. Foto: Keystone

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Mehrere Firmen kündigten dieses Jahr ein Engagement im elektronischen Sport oder kurz E-Sport an. Dazu gehören Postfinance und die Schweizer Ländergesellschaft des französischen Fruchtsnack-Herstellers Andros. Das sorgt für zusätzliche Bewegung im Markt. Swisscom stellt bereits Überlegungen für eine neue E-Sport-Liga an, da Konkurrentin UPC auf dem eigenen Sportkanal Mysports regelmässig über die internationale Szene berichtet. Auch im Ausland ist das Interesse an E-Sport gross: Fussballer Mesut Özil gab nach seinem Ausstieg aus der deutschen Nationalmannschaft bekannt, er werde eine E-Sport-Mannschaft gründen.

In der Schweiz fanden in den vergangenen zwölf Monaten über 127 Turniere statt, bei denen professionelle und halbprofessionelle Spieler angetreten sind. Die E-Sport-Agentur MYI Entertainment aus Kirchlindach BE hat für DerBund.ch/Newsnet alle Wettbewerbe analysiert. Die Ergebnisse erlauben Einblicke in einen Markt, zu dem es wenig detaillierte Zahlen und Fakten gibt. Ein Grund dafür ist, dass die Szene zersplittert ist.

Steigende Preisgelder

Schweizer Turniere schütteten im untersuchten Zeitraum von August 2017 bis Juli 2018 Siegprämien im Wert von insgesamt rund 240'000 Franken aus. «Die Tendenz ist steigend, denn die Spieler erwarten von den Organisatoren attraktivere Bedingungen», sagt Manuel Oberholzer, Mitgründer von MYI Entertainment. Im Vergleich mit den Nachbarländern liegt die Schweiz eher im Mittelfeld. In Deutschland werfen die Veranstalter Preisgelder in Millionenhöhe auf. In Österreich sind eher Sachpreise an der Tagesordnung.

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Aus Sicht der Profispieler ist hierzulande die Disziplin des Fussballvideospiels am lukrativsten. Die Siegprämien für «Fifa», inzwischen eine feste Grösse im E-Sport, beliefen sich total auf 56'000 Franken. Das hat damit zu tun, wie die meisten «Fifa»-Wettkämpfe organisiert sind. Ähnlich wie bei Pokerturnieren müssen sich die Spieler mit einer Geldsumme einkaufen, um überhaupt teilnehmen zu können. In der Schweiz verlangen die Organisatoren bis zu 30 Franken. Dafür fliesst ein Teil dieses sogenannten Buy-in ins Preisgeld. Das erklärt den Unterschied zu den Summen, wie sie für Echtzeit-Strategiespiele oder Taktik-Schiessspiele zusammenkommen.

Populäres «Counter-Strike»

Mit einer durchschnittlichen Teilnehmerzahl von 152 Spielern pro Wettkampf ist «Counter-Strike: Global Offensive» der beliebteste Titel im Schweizer E-Sport. Er gehört zu den Taktik-Schiessspielen und ist wegen der dargestellten Gewalt erst ab 18 Jahren erlaubt. In dieser Disziplin treten Mannschaften zu je fünf Spielern gegeneinander an. Die Gamer bewegen sich in einer frei begeh­baren virtuellen Welt und bekämpfen aus der Ich-Perspektive mit einer Schusswaffe andere Gegner. Wahlweise spielen sie Terroristen oder eine Spezialeinheit. «‹Counter-Strike› ist anspruchsvoll und bietet ein intensives Spielerlebnis. Deshalb ist es so beliebt», sagt Oberholzer. Um bei der Schiesserei erfolgreich zu sein, seien eine ausgeklügelte Spielweise, gute Koordination unter den Mitgliedern des Teams sowie schnelle Reaktion gefragt.

Die meisten Spieler mit je320 Teilnehmern lockten die Turniere «Myinsanity Counter-Strike: Go Summer Cup» und «Blick E-Sports Cup» an. Hinter «Myinsanity» steht MYI Entertainment. Der Anlass wurde nur im Internet ausgetragen. Der «Fifa»-Wettkampf der Boulevardzeitung fand hingegen in der realen Welt statt, im Congress Center Basel. Die Massentauglichkeit der Spiele kommen beiden Anlässen zugute. «Counter-Strike» ist seit 1999 auf dem Markt. «Fifa» gehört zu den bestverkauften Titeln in der Schweiz.


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Die in der Schweiz aktiven Spieler sind im Schnitt zwischen 16 und 35 Jahre alt, gut ausgebildet und gut verdienend. Zudem ist die Bereitschaft in der Gemeinschaft hoch, für Inhalte zu be­zahlen. Nicht zuletzt aus deisem Grund engagieren sich zunehmend auch namhafte Firmen als Sponsoren in der einheimischen E-Sport-Szene.

MYI Entertainment zählt rund 50 Betriebe, die finanziell zu Wettbewerben, Preisgeldern und Teams beitragen. Ein Viertel der Unterstützer stammt aus der Hardwarebranche, womit diese Industrie am stärksten repräsentiert ist. Es engagieren sich beispielsweise Firmen wie Logitech, Asus und Samsung.

Alleine in diesem Jahr sind sechs Firmen und Organisationen in den E-Sport eingestiegen. Eine davon ist der Touring-Club Schweiz. Mit seinem Engagement will der TCS ein junges Publikum ansprechen. Dazu gründete er eine eigene Liga für das Videospiel «Rocket League». Die Spieler müssen dabei einen Ball mithilfe von Autos ins gegnerische Tor befördern. Der Vorteil aus Sicht des TCS: Das Game kommt ohne Gewalt aus.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.08.2018, 15:53 Uhr

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