Banken reden Kunden ins Gewissen

Zwei von drei Bankkunden haben sich bereits mit nachhaltigen Anlagen beschäftigt. Banken wie LGT und Sarasin sagen wie nachhaltig ihr Portfolio ist.

Mit Herstellern kontroverser Waffen wie Landminen wollen mehrere Banken nichts zu tun haben: Minenfeld in Israel.<p class='credit'>(Bild: Colourbox)</p>

Mit Herstellern kontroverser Waffen wie Landminen wollen mehrere Banken nichts zu tun haben: Minenfeld in Israel.

(Bild: Colourbox)

Mischa Stünzi

Es ist noch nicht lange her, dass der «Bund» berichtet hat, die Pensionskasse der Stadt Bern habe in «erheblich kontroverse» Aktien investiert, etwa aus dem Rüstungsbereich. Genau solche Schlagzeilen möchten viele grosse Vorsorgeeinrichtungen und Staatsfonds tunlichst vermeiden. Das sagte Prinz Philipp von und zu Liechtenstein, Präsident der Fürstenbank LGT in Bern.

Die Bank aus Vaduz hat deshalb eine leicht verständliche Nachhaltigkeitsnote für Aktien, Anleihen und Fonds eingeführt. Bewertet werden die Wertschriften nach 23 Umwelt-, sozialen und Unternehmensführungs-Kriterien, wobei die Bank auf eigene Analysten und externe Datenanbieter, etwa die Schweizer Gesellschaft Inrate, setzt.

Konkret werden bei der Analyse verschiedene Fragen beantwortet, etwa: Wie viel Energie und sonstige Ressourcen verbraucht ein Unternehmen? Wie viele Treibhausgase stösst es aus? Wie sind die Arbeitsbedingungen? Gibt es unabhängige Aufsichtsgremien? Am Ende resultiert ein Sterne-Rating: von einem Stern für ungenügend bis fünf Sterne für exzellent.

Das Notensystem werde auf Kundenwunsch schon heute in der Beratung eingesetzt, sagt Beat Buri, Leiter der LGT-Niederlassung Bern. Derzeit sei man daran, die Bewertung auch auf Stufe des gesamten Kundenportfolios einzuführen. Ab April werde die Sternennote dann für jedes Portfolio standardmässig ausgewertet – nicht nur für institutionelle, sondern auch für Privatkunden. Längerfristig, ist Buri überzeugt, sei bei nachhaltig agierenden Unternehmen auch die Performance besser. Das zeigten Auswertungen.

BEKB lobt die Konkurrentin

Dass nachhaltiges Anlegen im Trend liegt, belegt eine Studie der privaten Fachhochschule Kalaidos aus dem Jahr 2012. In einer Befragung gaben zwar nur 3 Prozent der Bankkunden an, ausschliesslich nachhaltig zu investieren. Gleichzeitig sagten aber fast zwei Drittel, sie hätten sich bereits mit nachhaltigen Investments beschäftigt. Die Umfrage verdeutlicht auch, dass es in Sachen Beratung noch Nachholbedarf gibt. Denn 70 Prozent der Befragten meinten, es würde ihre Anlageentscheide beeinflussen, wenn sie über das Thema Nachhaltigkeit besser informiert wären.

Wie also gehen andere Banken auf dem Platz Bern mit dem Thema um? Welche Informationen zur Nachhaltigkeit der Anlagen bieten sie ihren Kunden? Aktuell scheint nur J. Safra Sarasin ihren Kunden standardmässig ein vergleichbares Nachhaltigkeitsreporting zu bieten. Man habe dieses vor einem Jahr eingeführt und sehr positive Rückmeldungen von den Kunden erhalten. «Auf Verlangen können wir die Berichterstattung ausdehnen auf eine tiefere Detailebene wie zum Beispiel den CO2-Fussabdruck oder ein Kontroversenrating», teilt die Bank mit.

Alex Tobler, bei der BEKB verantwortlich für nachhaltige Geldanlagen, lobt den Vorstoss der LGT. «In ganz vielen anderen Bereichen gibt es längst Nachhaltigkeitslabels – bei den Lebensmitteln etwa oder beim Holz. Es gibt keinen Grund, warum es das bei Anlagen nicht geben sollte.» Noch habe die Kantonalbank zwar kein vergleichbares, standardisiertes Rating. Aber es sei geplant, ein solches einzuführen, stellt Tobler in Aussicht, ohne schon Konkretes sagen zu können. Auf Nachfrage würden dem Kunden bereits heute Informationen zur Nachhaltigkeit seiner Anlagen geliefert.

Ähnlich klingt es bei der Privatbank Von Graffenried. Laut Bankchef Marcel Eggimann wird bei seinem Institut zwar kein eigenes Nachhaltigkeitsrating für Anlagen eingesetzt. Dafür stütze man sich auf die Analysen von Drittanbietern. Auf Wunsch könnten solche Bewertungen in den Anlageprozess integriert werden.

Berücksichtigt wird das Thema auch bei Julius Bär. Die Bank nutzt Nachhaltigkeitsratings im Anlageprozess, wie sie auf der Website schreibt. Ihr geht es dabei weniger um moralische Fragen, sondern um «finanziell materielle Risiken», die es zu minimieren gelte. «Ausserdem erstellt das Fondsteam eingehende Analysen, die als Julius Bär Responsible Investment Fund Rating in das Marketingmaterial für die empfohlenen Fonds einfliessen», so die Bank weiter.

Bei der Valiant heisst es, man prüfe laufend Massnahmen im Bereich nachhaltiges Anlegen. Auch ähnliche Lösungen wie jene von LGT zur Bewertung von einzelnen Anlagen oder ganzen Portfolios seien ein Thema. Im Moment bietet die Bank aber keine vergleichbare Lösung an.

Die Grossbanken UBS und Credit Suisse haben die Fragen des «Bund» nicht beantwortet. Sie scheinen ihren Privatkunden jedoch kein Nachhaltigkeitsrating anzubieten. Auf ihren Websites finden sich einzig verschiedene nachhaltige Anlageprodukte. Andere Banken erteilen der Idee eine unmissverständliche Abfuhr: Nachhaltiges Investieren stehe derzeit nicht im Fokus, heisst es bei der Privatbank Notenstein.

Waffen werden gemieden

Unterschiedlich ist auch, ob und wie die Institute das Thema Nachhaltigkeit bei der Definition des Anlageuniversums berücksichtigen. Als Anlageuniversum versteht man die Gesamtheit der möglichen Anlagen, die eine Bank aktiv empfehlen oder in ihre Fonds und Vermögensverwaltungsmandate aufnehmen kann.

Bei Julius Bär werden Unternehmen mit einer schlechten Nachhaltigkeitsbewertung nicht ausgeschlossen; stattdessen suche man das Gespräch mit ihnen. Die Valiant dagegen schliesst bei ihren Anlagevehikeln Unternehmen aus, die Waffen und Kriegsmaterial herstellen. Zudem würden Unternehmen gemieden, die in «kontroversen» Geschäftsfeldern wie Alkohol und Glückspiel aktiv seien, sagt Sprecher Marc Andrey. Bei den Empfehlungen an die Kunden gebe es dagegen keine fixen Ausschlusskriterien.

Die BEKB wiederum schliesst aus ihrem Anlageuniversum Hersteller kontroverser Waffen wie Streubomben und Landminen konsequent aus. «Aktien oder Anleihen solcher Unternehmen werden von uns weder empfohlen noch kommen sie in unseren Fonds oder Vermögensverwaltungsmandaten vor», sagt Tobler. Auch die 2015 gegründete Berner Privatbank Zähringer kennt klare Ausschlusskriterien: «Bei der Selektion von Anlagen schliessen wir gewisse Geschäftszweige wie Waffen, Glücksspiel und Tabak von vornherein aus», so Bankchef Martin Schenk. Solche Branchen haben auch bei Von Graffenried keinen Platz. Der Kunde könne auch weitere Ausschlusskriterien wünschen, betont Eggimann.

Und wie nachhaltig investiert eigentlich das liechtensteinische Fürstenhaus sein eigenes Vermögen? «Wir achten speziell auf Nachhaltigkeit», sagt Prinz Philipp. Wie viele Sterne die fürstliche Anlagestrategie von der LGT erhalte, wisse er aber erst im April, wenn das Rating von der Bank eintreffe.

Der Bund

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