Für die Blocher-Töchter ist heute Zahltag

Firmen schütten so hohe Dividenden aus wie noch nie – zur Freude einiger Familien.

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Generalversammlungen sind vielerorts eher dröge Veranstaltungen. Grau und schwarz gewandete Aktionäre vorwiegend männlichen Geschlechts arbeiten die Traktandenliste mehr oder weniger speditiv ab.

Nicht so in Ems. Am letzten Samstag erhielten die 2329 Aktionäre im Festzelt auf dem Gelände der Ems-Chemie ein Spektakel geboten. Ein Ensemble der Schlossoper Haldenstein sorgte mit der «Entführung aus dem Serail» für den kulturellen Input. Der Motocrossfahrer Alex Zanetta dröhnte auf seiner mit Ems-Materialien ausgerüsteten Rennmaschine durchs Zelt auf die Bühne. Und Magdalena Martullo, die wahre Chefin im Zelt und oberste Verantwortliche der Ems-Chemie Holding, rekapitulierte das erfolgreiche Geschäftsjahr. Dann gings zum dreigängigen Mittagessen. Sicherlich in beschwingter Stimmung, denn pro Aktie wird es eine Dividende von 17 Franken geben, 2 Franken mehr als im Vorjahr. Es ist die fünfte Dividendensteigerung in Folge.

Infografik: Familienaktionäre mit hohen DividendenGrafik vergrössern

Zahltag ist heute Donnerstag. Fast 400 Millionen Franken fliessen in die Taschen der Ems-Chemie-Aktionäre. Für die allermeisten Teilnehmenden der samstäglichen Festgemeinde ist es ein schöner Zustupf, was in diesen Zeiten ultraniedriger Zinsen keineswegs zu verachten ist. Der Löwenanteil allerdings, nämlich 277 Millionen Franken, fliesst auf die Konten von Magdalena Martullo-Blocher und ihren beiden Schwestern Rahel Blocher und Miriam Baumann-Blocher. Sie kontrollieren knapp 70 Prozent der Ems-Chemie.

Mit dieser Rekorddividende katapultieren sich die Töchter von Christoph Blocher in diesem Jahr auf Platz drei der grössten Dividendenbezüger in den von Familienclans beherrschten börsenkotierten Firmen in der Schweiz. Sie überholten die Landolts, Abkömmlinge des Gründers der Basler Sandoz. Seit der Fusion von Sandoz mit Ciba-Geigy zu Novartis gehört die Familie Landolt über ihre Sandoz-Stiftung mit 3,3 Prozent zu den grössten Aktionären des Pharmakonzerns. In diesem Jahr flossen ihr 249 Millionen Franken von Novartis zu.

66 Millionen für Maja Oeri

Von diesen Änderungen gänzlich unberührt sind die Herrschaften an der Spitze der Dividendenbezüger: die Familien Oeri und Hoffmann, Erben der Gründerfamilie von Roche. Sie besitzen etwas mehr als 50 Prozent der Stimmen am Pharmakonzern. Rund 657 Millionen Franken flossen ihnen in diesem Jahr zu. Davon entfallen 66 Millionen auf Maja Oeri. Die Kunstmäzenin hatte 2011 den Familienpool verlassen. Stimmrechte und die Entwicklung des Pharmamultis sorgen dafür, dass die Familien seit langem unangefochten den Spitzenplatz einnehmen. Roche gehört zusammen mit Nestlé zu den grössten Dividendenzahlern unter den Börsengrössen. Das Kopf-an-Kopf-Rennen der beiden Konzerne um die höchste Ausschüttung führt dazu, dass die Dividenden praktisch jedes Jahr ansteigen.

Umfrage

In der Schweiz fliessen dieses Jahr 48 Milliarden Franken Dividenden in die Taschen der Aktionäre. Was halten Sie davon?





Im Windschatten der Roche-Erben segelt der deutsche Unternehmer Klaus-Michael Kühne, der den Logistikkonzern Kühne + Nagel mit Sitz in Schindellegi SZ kontrolliert. Seiner Familienstiftung fliessen in diesem Jahr 366 Millionen Franken zu. Im letzten Jahr rangierte er noch auf Platz drei der Dividendenbestenliste.

Den zweiten Rang hatte ihm damals der russische Oligarch Viktor Vekselberg weggeschnappt, indem er sich 437 Millionen Franken Gewinnausschüttung zukommen liess. Der russische Investor kontrolliert die Industriekonzerne Sulzer und OC Oerlikon, die Immobilienfirma Züblin sowie das Stahlunternehmen Schmolz + Bickenbach. Der Grossteil des Geldes floss ihm 2016 in Form einer Sonderdividende aus den Mitteln von Sulzer zu. Als Mehrheitsaktionär konnte er diese Ausschüttung durchdrücken, obwohl der Konzern in der Krise steckte. In diesem Jahr fliessen Vekselberg knapp 120 Millionen zu.

Weniger Reingewinn, ergo tiefere Dividende: An diese Logik halten sich dagegen einige andere Grossaktionäre. So hat der Hayek-Clan als Grossaktionär von Swatch in diesem Jahr erneut die ­Dividendenbezüge gesenkt. Grund: die Absatzflaute beim weltgrössten Uhrenhersteller. Dies gab Richemont die Gelegenheit, den Erzkonkurrenten zu toppen. Der Südafrikaner Johann Rupert mit Teilwohnsitz in Zug, der den Luxusgüterkonzern dank Stimmrechtsaktien dominiert, erhält dieses Jahr eine Dividende von 93,96 Millionen Franken.

Insgesamt schütten die börsenkotierten Firmen in der Schweiz ihren Aktionären rund 48 Milliarden Franken aus – so viel wie noch nie. Fast 38 Milliarden davon entfallen auf die Titel im SMI. Die «Finanz und Wirtschaft» schätzt, dass die Mehrheit der Schweizer Unternehmen die Ausschüttungen für das Jahr 2017 weiter steigern könnte. Über 70 Prozent der Dividenden fliessen an Investoren im Ausland. Auch darunter befinden sich bekannte Familien. So der schwedische Wallenberg-Clan, der von der ABB 176 Millionen Franken erhält. Oder Bill und Melinda Gates, denen ­Givaudan knapp 72 Millionen Franken überweist.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.08.2017, 06:13 Uhr

Familienaktionäre

Schweiz an der Weltspitze

Welche Bedeutung haben familiendominierte Unternehmen? Dieser Frage ging vor einiger Zeit die Uni St. Gallen nach. Sie erstellte eine Liste der weltweit 500 grössten Unternehmen mit Familienaktionären. Zu den Riesen gehören Walmart (Familie Walton), Volks­wagen (Familien Porsche und Piëch) und Berkshire Hathaway der US-Investorenlegende Warren Buffett.

Auffallend ist, dass überdurchschnittlich viele der gelisteten Unternehmen im Sektor Konsumgüterherstellung und Handel tätig sind, gefolgt von der Automobilsparte.

In der 500er-Liste tauchen lediglich 17 Schweizer Firmen auf. Rechnet man deren Umsätze jedoch auf die Bevölkerung des Landes um, so ist die Schweiz Weltspitze. Angeführt wird die Schweizer Liste – wenig überraschend – von Roche, gefolgt von Kühne + Nagel. Gemäss der Erhebung beschäftigten die 17 Firmen weltweit gegen eine halbe Million Arbeitnehmende.

Familiengesteuerte Unternehmen sind wichtige Antreiber der westeuropäischen Wirtschaft. Bezogen auf die Anzahl und die Umsätze hat fast die Hälfte der aufgelisteten Firmen ihren Sitz in Westeuropa. Hohe Konzentrationen weisen Deutschland, Frankreich und Italien auf. (rf)

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