«Finanzierung muss gesichert sein»

«Mister Neat» Werner Marti sagt, wie man die Gefahr bannt, dass Infrastrukturprojekte versanden.

So soll die unterirdische Metro funktionieren. (Video: Cargo sous terrain)

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Als Präsident des Verwaltungsrats der Alptransit Gotthard kennen Sie sich mit grossen Infrastrukturprojekten aus. Wird es die geplante Cargo sous Terrain je geben?
Das Projekt ist spannend, zukunftsgerichtet, aber nicht futuristisch. Meines Erachtens bestehen durchaus Chancen, dass Cargo sous Terrain realisiert wird.

Was macht Sie so optimistisch?
Mit Optimismus hat das wenig zu tun. Technisch sind die Risiken überschaubar. Das geplante Tunnelsystem ist viel einfacher ausgestaltet als die Neat. Es werden nur Güter und keine Personen transportiert, der Tunneldurchmesser ist kleiner, die Transporttempi tiefer. Kommt dazu, dass die geologischen Verhältnisse im Mittelland absehbarer sind als am Gotthard.

Das ist die technische Seite. Wie aber sieht es mit der Wirtschaftlichkeit aus. Stimmt diese auch?
Das wird die grosse Herausforderung sein: Lässt sich das Projekt je rentabilisieren?

Die Initianten sagen Ja und verweisen auf eine Machbarkeitsstudie.
Solche Studien sind eine erste Standortbestimmung. Die grosse Frage ist jeweils, ob sich die Rahmenbedingungen, die man annimmt, in 30 Jahren auch bewahrheiten werden. Auf eine solch lange Frist gesehen ist das immer schwierig.

Darin sollen in Zukunft Güter transportiert werden: Cargo-Container der Firma Logplay. Visualisierung: Loglay, Nitin Design (Keystone)

Das wird sich also nie rechnen?
Das kann ich so nicht sagen. Wenn man davon ausgeht, dass der Güterverkehr weiter steigen wird und die bestehenden Verkehrsträger immer stärker ans Limit geraten, stehen die Chancen gut, dass Cargo sous Terrain auf genügend hohe Volumen kommen kann. Dies auch, weil es um die Verteilung direkt in die Zentren geht. Es bestehen also durchaus Chancen, dass das Projekt sich lohnen wird.

Dann müssten sich auch problemlos Investoren für das 3-Milliarden- Projekt finden lassen. Solche sind aber noch nicht in Sicht.
Im momentanen Stadium des Projekts erstaunt es mich nicht, dass noch keine Geldgeber existieren. Es handelt sich um eine grosse Investition. Ich finde es aber richtig, dass das Projekt von privaten Investoren angestossen werden soll.

Wer kommt als Geldgeber infrage?
Das können Kunden oder Dienstleister sein, zum Beispiel Detailhändler oder Logistikunternehmen.

Es wäre das erste Mal, dass ein so grosses Infrastrukturprojekt ausschliesslich privat finanziert wird.
Ursprünglich hat man auch bei der Neat damit gerechnet, dass sie sich selbst finanziert. Es zeigte sich dann aber später, dass diese Annahmen zu optimistisch waren, weshalb mit der Finöv-Vorlage 1998 eine stabile Finanzierung für diese öffentliche Infrastruktur geschaffen wurde. Auch bei Cargo sous Terrain muss sich die öffentliche Hand die Frage stellen, ob es Sinn macht, dem Projekt neben der politischen auch finanzielle Unterstützung zu gewähren.

Umfrage

Wird die Schweiz in 15 Jahren eine Cargo-Metro haben?

Ja, das Projekt wird realisiert

 
53.4%

Nein, das Projekt scheitert an den Finanzen

 
22.1%

Nein, das Projekt scheitert an der Politik

 
24.5%

3729 Stimmen


Sie fordern Bundesgelder für das Projekt?
Nein, aber die grösste Gefahr bei Infrastrukturvorhaben ist, wenn Private meinen, der Bund wird einspringen, und der Bund meint, private Geldgeber tragen die Investitionen selbst. Dabei besteht die Gefahr, dass solche Projekte schnell versanden. Bessere Chancen bestehen bei einem Mix aus privater und öffentlicher Hand.

Es gab bereits mehrere ähnliche Pläne. Keiner wurde realisiert. Besteht in der Schweiz überhaupt die Mentalität für solche Projekte?
Die Neat lehrt uns, dass, wenn man ein Konzept, eine gesicherte Finanzierung und eine klare Projektorganisation hat, man auch Erfolg hat.

Aber die Neat hat auch eine schwierige Vergangenheit. Es ist noch nicht allzu lange her, dass in dem Zusammenhang Ausdrücke wie «Geld verlochen» fielen.
1998 wurde mit der Finöv-Vorlage der Grundstein für die Finanzierung gelegt.    Und mit dem Finanzierungsbeschluss des Parlaments 2008 die Ausfinanzierung definitiv geregelt. Wir konnten Vertrauen schaffen, indem wir die Kosten einhalten. Das ist nicht einfach. Es braucht eine straffe Projektorganisation, Disziplin, langfristiges Denken und eben  eine gesicherte Finanzierung. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.01.2016, 20:42 Uhr

Werner Marti

Der Jurist ist Verwaltungsratspräsident der Alptransit Gotthard AG. Diese ist Bauherrin der neuen Eisenbahn-Alpentransversale (Neat).

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