Fairphone 1 nur noch für Bastler

Der holländische Pionier für nachhaltige Handys stellt den Support für das erste Modell ein. Das aktuelle Fairphone 2 soll von dieser Sparmassnahme nicht betroffen sein.

Verbessertes Modell: Auch das Fairphone 2 ist modular aufgebaut, um Langlebigkeit zu ermöglichen. Das erste Modell hielt sein Versprechen nicht. Foto: Fairphone

Verbessertes Modell: Auch das Fairphone 2 ist modular aufgebaut, um Langlebigkeit zu ermöglichen. Das erste Modell hielt sein Versprechen nicht. Foto: Fairphone

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Es sollte ein Handy fürs gute Gewissen sein: Zinn und Tantal aus Minen im Kongo, die nicht in die blutigen Konflikte im afrikanischen Land involviert sind. Die Herstellung in einer chinesischen Fabrik, die ihre Arbeitenden einigermassen anständig behandelt. Und dem Produkt sollte – anders als bei der Konkurrenz Apple und Samsung – ein langes Leben beschieden sein. Reparieren statt wegwerfen, lautete die Devise der niederländischen Firma Fairphone, die Mitte 2013 das gleichnamige Gerät auf den Markt brachte. Dafür gab viel Lob und zahlreiche Umweltpreise. Bis Ende 2014 konnten immerhin 60'000 Stück abgesetzt werden.

Die Devise, die bis heute gilt, hat nun einen argen Kratzer erhalten. In diesen Tagen informierte die Firma ihre Klientele, dass es für die Modelle Fairphone 1 und Fairphone 1U, die seit dreieinhalb respektive zweieinhalb Jahren auf dem Markt sind, keine Ersatzteile mehr gebe. «Diese sehr schwierige Entscheidung ist vor allem finanziell begründet», schreiben die Holländer. Die Lieferanten hätten die meisten Originalersatzteile zurückgezogen. Um für Abhilfe zu sorgen, sei nicht genügend Kapital vorhanden. Eingestellt wurde auch die Weiterentwicklung der Software.

Seit 2015 ist das Fairphone 2 auf dem Markt. Eine deutlich verbesserte Version des ersten Modells, das schwer hinter der Konkurrenz her hinkte. Und wie schon bei der Nummer eins gilt auch jetzt der Slogan: «Ein Telefon, das Jahre halten soll», wie die Holländer auf ihrer Website werben. Das Gerät ist modular aufgebaut. Geht was kaputt, soll der Nutzer einfach zum Schraubenzieher greifen und das defekte Teil selber auswechseln können.

Bei Swisscom im Sortiment

Womit sich natürlich die Frage aufdrängt: Droht auch hier demnächst das Aus für die Lieferung von Bestandteilen? Fairphone-Mediensprecherin Judith Werdin weist solche Spekulationen zurück. Der Fokus des Unternehmens liege klar auf diesem Modell. Es solle noch langlebiger werden. Demnächst werde ein neues Modul mit Kameras auf der Front- und Rückseite ausgeliefert. Auch eine Swisscom-Sprecherin erklärt auf Anfrage, dass das Fairphone 2 nicht von der Einstellung des Supportes betroffen sei. Nach Schätzungen dürften in der Schweiz einige Tausend Personen mit Fairphone telefonieren. Der Telekomkonzern Swisscom führt das Fairphone 2 im Sortiment. Beim Vorgängermodell standen die Schweizer noch an der Seitenlinie. Wer das nachhaltige Handy hierzulande kaufen wollte, wurde von Swisscom an Elektronikhändler verwiesen. Man habe das Gerät nicht ins Sortiment aufgenommen, weil der Service «ungenügend aufgebaut war in der Schweiz», begründet die Sprecherin den damaligen Entscheid. Das Handy kostete auf dem Schweizer Markt 400 Franken.

In der Tat mussten Fairphone-Käufer, denen der Sinn ganz nach Sozial- und Umweltverträglichkeit steht, ein gutes Nervenkostüm aufweisen. Das zeigten zahlreiche Nutzerberichte in den sozialen Medeien, in denen die Macken des politisch korrekten Smartphones en détail beschrieben wurden.

Auch bei den Geräten der zweiten Generation erweist sich ein guter Draht zum Supportteam in den Niederlanden nach wie vor als äusserst wichtig. Das dürfte mit dafür gesorgt haben, dass das holländische Smartphone bis heute ein Nischenprodukt geblieben ist. Seit dem Start sind laut Medienberichten weltweit 130 000 Fairphones verkauft worden. Allein Apple und Samsung verkaufen jährlich 500 Millionen Smartphones.

Neuer Produzent in China

Auf der Suche nach einem Hersteller für ihr Handy taten sich die holländischen Entwickler anfänglich sehr schwer, wie sie in ihrem Blog offen kommunizierten. Sie fanden schliesslich doch noch ein chinesisches Unternehmen, aber sie mussten erfahren, dass einige Tausend Handys für den Auftragsproduzenten eine uninteressanteMenge ist. Das gleiche dürfte für die Komponentenlieferanten gelten.

Für das Modell 2 hat man laut der Fairphone-Sprecherin aus den Erfahrungen mit dem Startgerät sehr viel gelernt. So wurde der Produzent in China gewechselt. Gleichzeitig könne man heute die Lieferkette besser beeinflussen und die Beziehungen zu den Lieferanten sei enger geworden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.07.2017, 20:51 Uhr

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