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Experten: Gipfelbeschlüsse nur ein Weg in die richtige Richtung Kein Befreiungsschlag gelungen Analyse

Trotz der weltweiten Erleichterungsrallys an den Börsen ist das Massnahmenpaket der Euro-Länder zur Beilegung der Schuldenkrise nach Ansicht von Experten in der Schweiz erst ein Schritt in die richtige Richtung.

Ein Befreiungsschlag zur Lösung der Schuldenkrise sei nicht gelungen, befanden befragte Bankanalysten und -ökonomen unisono. Auf dem Sondergipfel vom Mittwoch sei nichts Substanzielles beschlossen worden, das die Krise nachhaltig lösen würde, sagte UBS- Ökonom Daniel Kalt am Donnerstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Die griechische Schuldenquote von derzeit 165 Prozent solle bis zum Jahre 2020 lediglich auf 120 Prozent sinken. Aber nicht umsonst würden die Maastricht-Kriterien eine Grenze von 60 Prozent vorschreiben, was als einigermassen tragbares Schuldenniveau gelte. «Ich sehe nicht, dass die Krise gelöst wäre», sagte Kalt. Der jetzt vereinbarte Verzicht der privaten Gläubiger auf die Hälfte ihrer Schuldenausstände gegenüber Griechenland sei an der unteren Grenze sagte Julius Bär-Chefökonom Janwillem Acket: «Wir haben eher für 70 Prozent plädiert.» Ähnliche Ansichten vertraten auch andere Analysten. Zu wenig Der freiwillige Verzeicht reduziere das griechische Schuldenniveau um rund 20 Prozent, sagte UBS-Ökonom Kalt. Das sei zu wenig: Man müsste alle griechischen Schulden um 70 Prozent senken, damit die Hoffnung bestehe, dass Griechenland innerhalb von zwei bis vier Jahren wieder kapitalmarktfähig werde. Die derzeitige Einigung von Europas Staats- und Regierungschefs in der Schuldenkrise sei zwar ein beträchtlicher Fortschritt, sagte Credit Suisse-Chefökonom Martin Neff. Allerdings hätten sie dieselben Beschlüsse schon im vergangenen Mai treffen können. «Dann hätte man viel Geld gespart.» Es sei bereits damals unmöglich gewesen, dass sich Griechenland in irgendeiner Form durchmogeln und sich vor dem Schuldenschnitt sträuben könne, sagte Neff. Zahlungsausfall erwartet Nun würden die Sorgen bald wieder die Finanzmärkte ereilen. Im März müsse Athen rund 20 Milliarden Euro refinanzieren. «Dann rechnen wir mit einem vollständigen Zahlungsausfall Griechenlands», sagte Kalt. Die Vergrösserung des Rettungsschirms EFSF von 440 Milliarden auf 1000 Milliarden Euro reiche nicht aus, sagte Bär-Ökonom Acket. Die fünf Problemländer Griechenland, Portugal, Irland, Spanien und Italien hätten einen Schuldenberg von 3300 Milliarden Euro. Das seien drei Mal mehr als der Rettungsschirm habe. Es gebe nur eines: Die Staaten müssten vormachen, dass sie haushälterisch mit Geld umgehen könnten, sagte Acket: «Es kann nicht sein, ständig Geld in einen Fass mit Löchern zu schütten, nur um den Pegel stabil zu halten.» Rezession unausweichlich Es brauche eine schmerzhafte Anpassungsrezession in Griechenland. Nötig sei eine Verwaltungsreform, ganze Berufsgruppen müssten von der Überregulierung befreit werden. «Eine Wirtschaft kann nicht wachsen, wenn man sie aktiv behindert», sagte Acket. Zudem sei eine Reform der korrupten Steuerverwaltung nötig, damit der Staat seine Einnahmen wieder bekomme. Für ein Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone plädiert Acket nicht. Die «alternativlosen» Anpassungen seien auch innerhalb der Euro-Zone möglich. Dies sieht Credit Suisse-Chefökonom Neff anders: «Ich sehe nicht, wie mit einem harten Euro, den jetzigen Lohnstückkosten und der gegenwärtigen Wettbewerbsfähigkeit Griechenland wieder auf Beine kommen soll.»

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