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Estland führt am 1. Januar als 17. Land den Euro ein Hintergrund

Tallinn Mitten in der Euro-Krise führt Estland am 1.

Januar 2011 die europäische Gemeinschaftswährung ein. Die Regierung in Tallinn steht trotz vielen negativen Schlagzeilen rund um den Euro hinter der neuen Währung - mit Rückenwind aus der Bevölkerung. Zuletzt sprachen sich 52 Prozent der Esten für den Euro aus. Nur 39 Prozent lehnten ihn in einer von der Regierung in Auftrag gegebenen Umfrage ab. In einer unabhängigen Erhebung war der Abstand zwischen Befürwortern und Gegnern zwar etwas geringer. Doch auch da begrüssten 49 Prozent der Befragten die europäische Währung. 43 Prozent wollten an der estnischen Krone festhalten. Auch die Regierung knüpft grosse Erwartungen an den Beitritt zur Euro-Zone. Bis zu ein Prozent mehr Wirtschaftswachstum pro Jahr werde der Euro dem Land bringen, sagt der estnische Wirtschaftsminister Juhan Parts. Er beruft sich dabei auf Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF). «80 Prozent unseres Aussenhandels wickeln wir innerhalb der Europäischen Union ab. Der gemeinsame Markt bringt Vorteile für alle von uns.» Ministerpräsident Andrus Ansip streicht die die Stabilität und den Schutz vor Spekulanten hervor, die der Euro-Beitritt mit sich brächten. Der Wechselkurs der Krone ist bereits seit 2002 an den Euro gekoppelt. Die Regierung in Tallinn hofft zudem darauf, durch den Euro neue ausländische Investoren anzulocken. Der Euro-Beitritt ist für das 1,3 Millionen Einwohner zählende nordeuropäische Land ein weiterer Schritt in Richtung Westen - heraus aus der Umklammerung des mächtigen Nachbarn Russland. Gegner sehen schwarz Die Gegner der Euro-Einführung befürchten allerdings, dass Estland durch die Gemeinschaftswährung Schaden nehmen wird. «Wie lange kann ein System, dessen Mitglieder die Stabilitätskriterien nicht einhalten, noch bestehen?», sagt etwa der Anti Poolamets, Chef einer estnischen Anti-Euro-Bewegung. Ausserdem beklagt er den Verlust der Kontrolle über die Währungspolitik. Während der fast fünf Jahrzehnte mit dem sowjetischen Rubel hätten die Entscheidungsmöglichkeiten bei null gelegen, sagt Poolamets. «In der Euro-Zone wird es genauso sein.» Ruf des «baltischen Tigers» Estland ist nach Slowenien und der Slowakei das dritte osteuropäische Land, das den Euro einführt. Nach der Unabhängigkeit von der Sowjetunion 1991 stellte die damalige Regierung radikal von der Plan- auf die Marktwirtschaft um. Estland erwarb sich dank seines beeindruckenden Wirtschaftswachstums den Ruf des «baltischen Tigers». 2004 folgte die EU-Mitgliedschaft. Bereits 2007 versuchte die Regierung in Tallinn den Beitritt zur Euro-Zone, scheiterte aber, weil die boomende Wirtschaft damals die Inflation zu stark nach oben getrieben hatte. Die Wirtschafts- und Finanzkrise erwischte auch Estland kalt. Die Wirtschaftsleistung brach 2009 um 14,1 Prozent ein, einer der stärksten Rückgänge weltweit. 2010 wächst die estnische Wirtschaft dagegen Schätzungen zufolge wieder um 2,5 Prozent. Auch für 2011 wird mit einer stabilen Konjunktur gerechnet. Musterschüler der Euro-Staaten Bei der Haushaltsdisziplin hat sich Estland in der Vergangenheit als Musterschüler erwiesen - und dürfte damit im Kreise der Euro- Staaten das auf eine Sparpolitik pochende Lager unterstützen. Während einige Euro-Staaten 2009 zweistellige Defizite einfuhren, lag der Fehlbetrag im estnischen Budget mit 1,7 Prozent des Bruttoinlandprodukts deutlich unter der erlaubten Marke von drei Prozent. Zwischen 2002 und 2007 erwirtschaftete Estland sogar Haushaltsüberschüsse, ab 2013 soll das Budget laut den Zielen der Mitte-rechts-Regierung erneut schwarze Zahlen ausweisen. Andrus Saalik, hochrangiger Mitarbeiter im estnischen Finanzministerium, sieht sein Land daher als Vorbild. «Die aktuelle Situation zeigt, dass viele andere EU-Staaten einen Sparkurs wie Estland fahren müssten», sagt Saalik. Angesichts der EU-Hilfen für Griechenland und Irland und der problematischen Haushaltslage in Ländern wie Portugal oder Spanien dürften diese Töne in der Euro-Zone gerne gehört werden. Die Stimme Estlands, das gerade einmal 1,3 Millionen Einwohner zählt, dürfte im Club der Gemeinschaftswährung aber kaum ins Gewicht fallen.

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