Postfinance-Pläne schüren Angst vor Hypothekenblase

Ökonomen und Politiker von links und rechts warnen davor, der Postbank den Einstieg ins Kreditgeschäft zu erlauben.

Kosten sparen: Die Postfinance plant den Abbau von 500 Stellen. Foto: Peter Schneider (Keystone)

Kosten sparen: Die Postfinance plant den Abbau von 500 Stellen. Foto: Peter Schneider (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Überraschung war perfekt: Selbst Postfinance-Chef Hansruedi Köng will erst kurz vor Veröffentlichung der Medienmitteilung erfahren haben, dass der Bundesrat seinen Wunsch erfüllen will: der Posttochter den Einstieg in den Kredit- und Hypothekarmarkt zu erlauben. Damit soll Postfinance eine neue Gewinnquelle bekommen, um zusätzliches Eigenkapital aufzubauen. Gleichzeitig will der Bundesrat das Aktionariat der Postfinance öffnen, die Post soll aber Mehrheitseigner bleiben.

Der Entscheid stellt eine Kehrtwende der Regierung dar. Noch im April hatte sich Doris Leuthard, deren Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation federführend ist, sich skeptisch gegenüber ­dieser Zeitung zu einem Einstieg der Postfinance in das Kreditgeschäft geäussert. Eine Sprecherin erklärte den Sinneswandel damit, dass sich das wirtschaftliche Umfeld für die Postfinance weiter negativ entwickelt habe.

Politischer Gegenwind

Ausser Postfinance-Chef Köng überzeugt diese Erklärung niemanden. Der Verband der Kantonalbanken erklärte, der plötzliche Meinungswechsel sei «irritierend». Ebenso lehnen die Parteien den Vorstoss überwiegend ab. «Eine solche Ausbreitung soll erst dann erlaubt werden, wenn der Staat bei der Postbank keine Mehrheitsbeteiligung mehr hat», sagt SVP-Nationalrat Thomas Aeschi (ZG). Es gehe nicht an, dass die bereits bedrängten Banken vom Staat noch zusätzlich unter Druck gerieten. Eine privatisierte Postbank soll deshalb ohne Staats­garantien und mit vollem Risiko am Markt auftreten, ergänzt die Partei in einer Stellungnahme. Auch FDP-Nationalrat Hans-Peter Portmann (ZH) fürchtet Wettbewerbsverzerrungen.

Der Schweizer Hypothekarmarkt wächst seit Jahren und ist auf rund eine Billion Franken angestiegen:

Wer hat am meisten Anteile im Land? Diese Grafik zeigt die Stärke der Raiffeisen:


(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.09.2018, 21:44 Uhr

Artikel zum Thema

Eine Verzweiflungstat des Bundesrats

Kommentar Warum es keinen Sinn ergibt, dass die Post Hypotheken finanziert. Mehr...

«Wir kommen nicht mit dem Hammer»

Wie Postfinance-Chef Hansruedi Köng den möglichen Einstieg ins Hypotheken- und Kreditgeschäft einschätzt. Mehr...

Drei Fragen zum Postfinance-Paukenschlag

Warum die Kehrtwende des Bundesrats bei der Bank der Post? Wer sind die Verlierer? Antworten zum überraschenden Entscheid aus dem Bundeshaus. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Abo

Das digitale Monatsabo Light für Leser.

Nutzen Sie den «Bund» digital im Web oder auf dem Smartphone. Für nur CHF 19.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Golfen für Frühaufsteher: Südwestlich von Paris versammeln sich die Zuschauer um die Probeschüsse der Profis am 42. Ryder Cups auf dem Le Golf National Course mitzuverfolgen. (26. September 2018)
(Bild: Franck Fife) Mehr...