Es braucht mehr als nur ein Köpferollen

Das neue Management muss ein Umdenken erreichen, die Opferhaltung abstreifen und den moralischen Kompass des Konzerns neu einstellen.

Bei Postauto hat es zu den buchhalterischen Tricks kein Unrechtsbewusstsein gegeben. Stattdessen sieht sich die Post auch als Opfer, das unter den harten Vorgaben leidet.

Bei Postauto hat es zu den buchhalterischen Tricks kein Unrechtsbewusstsein gegeben. Stattdessen sieht sich die Post auch als Opfer, das unter den harten Vorgaben leidet. Bild: Adrian Moser

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Der Verwaltungsrat der Post und der Bundesrat haben einen radikalen Schnitt gemacht. Das ist wichtig und richtig. Dass Susanne Ruoff monatelang überzeugt war, sie könne sich trotz immer neuer Enthüllungen im Postauto-Skandal an der Konzernspitze halten, zeugt von einer eigenartigen Wahrnehmung. Selbst wenn ihr nach aktuellem Wissensstand nicht vorgeworfen wird, die illegalen Buchungen aktiv vertuscht zu haben, gehört es zu den Kernaufgaben einer Chefin, hinzuschauen und unangenehme Fragen zu stellen. Sie trägt nicht nur die Gesamtverantwortung im Konzern, sondern hätte die Praktiken bei Postauto aktiv aufdecken müssen. Weil Ruoff das nicht machte, war sie am falschen Platz.

Auch Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller musste einräumen, er habe 2016 einen internen Bericht zu Postauto zu wenig kritisch gelesen. Der Verwaltungsrat müsse in Zukunft besser hinschauen. Für den Bundesrat hat sich Schwaller damit nicht disqualifiziert als Post-Präsident. Bundesrätin Doris Leuthard stellt sich schützend vor ihn. Er dürfte sich allerdings nicht beschweren, wäre die Regierung zu einem anderen Schluss gekommen.

Bei Postauto hat es zu den buchhalterischen Tricks kein Unrechtsbewusstsein gegeben. Stattdessen sieht sich die Post auch als Opfer, das unter den harten Vorgaben leidet: Auf der einen Seite will der Eigner einen satten Gewinn, auf der anderen Seite fordern die Kantone immer tiefere Offertpreise. Die Opferhaltung ist fehl am Platz. Denn es ist nicht das erste Mal, dass die Post zu fragwürdigen Kniffen greift, um ihren Gewinn zu maximieren. Ende 2017 wurde das Unternehmen etwa für ihr Rabattsystem bei der Briefpost von der Wettbewerbskommission gebüsst. Dem gelben Riesen wurde damals eine Strafe von über 22 Millionen Franken aufgebrummt.

Solange sich der Konzern so gebärdet, nützen alle Führungswechsel nichts. Das neue Management muss ein Umdenken erreichen, die Opferhaltung abstreifen und den moralischen Kompass des Konzerns neu einstellen. (Der Bund)

Erstellt: 11.06.2018, 17:32 Uhr

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