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Wie Patron Peter Spuhler wirklich tickt

Er ist ein Chrampfer, mit vielen per Du und risikofreudig – was ihn von seinem Freund Christoph Blocher unterscheidet.

Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler im Firmenhauptsitz in Bussnang im Kanton Thurgau. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)
Stadler-Rail-Chef Peter Spuhler im Firmenhauptsitz in Bussnang im Kanton Thurgau. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Eine Firma per Handschlag retten. «Das ist Peter Spuhler», sagt der Unia-Gewerkschafter und SP-Nationalrat Corrado Pardini. Er lernte ihn 2004 kennen. Eine Giesserei in Biel stand vor dem Konkurs. Sie wurde von der maroden Von Roll und später von Franzosen in den Ruin getrieben. 70 Arbeiter sollten ihren Job verlieren. Spuhler war dort Kunde. Wäre sie in Konkurs gegangen, hätte er eine Millionenbusse wegen Lieferverzögerungen zahlen müssen.

«Alles musste sehr schnell gehen. Wir standen unter Zeitdruck und verhandelten alle Details mündlich. Am Ende standen wir auf, gaben einander die Hand. Die Vereinbarung hat er detailgetreu umgesetzt», erinnert sich Pardini. Heute heisst die Firma Stadler Stahlguss, hat 110 Angestellte und beliefert sogar die Stadler-Konkurrenz.

Das Abend-Gymi absolviert

Die Episode illustriert, warum Spuhler nicht nur hier, sondern in 12 Ländern und 21 Stadler-Werken vorankommt. Damals stand Stadler auf halbem Weg zu dem, was es heute ist. Der Konzern erzielt knapp 2 Milliarden Franken Umsatz und beschäftigt 7000 Angestellte. 80 Prozent gehören Spuhler. Gestern sagte er, er verlasse den Chefposten, um als Verwaltungsratspräsident die grossen Linien zu bestimmen: Kunden betreuen, Firmenkäufe und Beteiligungen einfädeln, Ausschreibungen begleiten und strategische Produkte entwickeln.

1989 hatte er die Stadler Rail mit 18 Mitarbeitern von der Familie seiner Ex-Frau gekauft. Die Thurgauer Kantonalbank finanzierte die Übernahme mit 5 Millionen. «Bei ihr hatte er sich das erste Vertrauen erarbeitet», erinnert sich der frühere Thurgauer Regierungsrat und Ständerat Roland Eberle – dessen Sitz Spuhler dereinst erben könnte, sofern er wieder in die Politik einsteigt. Zusammen hatten sie bei der Juventus-Abendschule die Erwach­senenmatur absolviert. «Wir waren in der Parallelklasse des Wirtschaftsgymi.» Danach verloren sie sich aus den Augen, bis ein Anlass des Gewerbeverbandes sie zusammenführte. Eberle verfolgte seinen Werdegang. «Spuhler dachte konsequent betriebswirtschaftlich. So wurde er zum Bahnpionier. Als Erster entwickelte er einen leichten Vorortszug.» Dieser heisst Flirt. Man kennt ihn als Regionalzug. Spuhler verkaufte das Modell über 1200-mal in 14 Länder.

«Er ist einer der Vorzeigeunternehmer der Schweiz»

Spuhler habe «einen unbändigen Charakter», Dinge voranzutreiben, sagt Eberle. «Er ist mit Haut und Haaren engagiert» und habe jahrzehntelang das Kader aufgebaut, das jetzt übernimmt. «Er ist fördernd, respektvoll und schenkt Vertrauen. Schon als Gebirgsgrenadier hat er gelernt, dass man als Gruppe stark ist.» Dass er nach 30 Jahren den Chefposten abgebe, sei «vor allem klug». Man könne das «nicht ewig machen». Im parastaatlichen Bereich gross zu werden, sei nicht leicht. Andere Länder pochen auf Gegengeschäfte. In jedem Vertrag steht, dass ein Teil der Fertigung dort erfolgt, wo man die Züge hinliefert. Deshalb stehen Stadler-Werke auch in Polen, Tschechien, Weissrussland, Algerien oder den USA.

Als Eigentümer sei Spuhler glaubwürdiger als managergeführte Bahnhersteller gewesen. Dafür musste er überall vor Ort sein, etwa für die Übernahmen. Ähnlich beschreibt es Pardini. «Unterwegs im Betrieb ist er mit vielen per Du und kennt die Abläufe im Detail.» Er sei geradlinig und nicht wie viele Manager, die «etwas versprechen und sich später nicht mehr daran erinnern wollen». Dass auch Spuhler auf Abmachungen pocht, zeigt die folgende Episode. 2002 verhandelte er mit der Slowakei. Der dortige damalige Verkehrsminister hintertrieb das Geschäft, indem er mit dem Konkurrenten Alstom im Geheimen ein Päckli schnürte. Spuhler bekam Wind davon und schaltete den damaligen Bundesrat Kaspar Villiger ein. Villiger schrieb dem slowakischen Ministerpräsidenten einen Brief, in dem er auf die Machenschaften hinwies. Dieser handelte umgehend, der fehlbare Verkehrsminister wurde entlassen, und Stadler konnte die Züge liefern.

Den UBS-Flop mitverantwortet

Unternehmer Christoph Blocher sagt, Spuhlers Expansion in Staaten der Ex-Sowjetunion sei beachtlich, aber risikoreich. Er habe sogar Firmen gegründet, das habe sich Blocher nicht getraut. «Ich hätte Angst gehabt, weil diese Staaten sehr instabil sind. Über Nacht kann man aus politischen Motiven eine Produktionsstätte verlieren, oder sie werden zahlungsunfähig.» Spuhler sei ein Unternehmer alter Schule, von denen es noch mehr geben sollte. «Wir haben einander immer wieder mal ins Gilet-Täschli geheult. Das heisst, wir sprachen öfters über unsere Sorgen als Unternehmer, über die staatlichen Interventionen.»

Vorbehalte hat Blocher gegenüber Spuhler als früherem UBS-Verwaltungsrat, weil die Grossbank 2008 vom Staat gerettet werden musste. «Spuhler sah, dass das Geschäften mit den USA sehr schwierig ist. Unter dem Strich haben Schweizer Banken dort nie verdient.»

Spuhlers Ruf hat es nicht geschadet. «Er ist einer der Vorzeigeunternehmer der Schweiz», sagt Arbeitgeberpräsident Valentin Vogt, selbst Unternehmer. Den Chefposten abzugeben, brauche Grösse: «Es ist schwierig, sich von seinem Un­ternehmen zu lösen.» Spuhler möge jetzt hoffentlich mehr Zeit haben für seine Frau und seine Kinder, wünscht ihm Roland Eberle.

Spuhler schliesst ein politisches Comeback nicht aus. (Video: Tamedia/Nicolas Fäs)

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