Einfach Bank? Von wegen

Die Valiant will sich von der Regionalbank zur Finanzdienstleisterin mausern.

Auch beim Anlagegeschäft müsse man über die Bücher, sagt der designierte Bankchef Ewald Burgener.

Auch beim Anlagegeschäft müsse man über die Bücher, sagt der designierte Bankchef Ewald Burgener.

(Bild: Samuel Schalch)

Mischa Stünzi

«Wir sind einfach Bank.» Seit mehreren Jahren wirbt die Valiant mit diesem Slogan. Womöglich muss sie sich aber schon bald etwas Neues einfallen lassen. Denn die grösste Regionalbank der Schweiz will ihr Geschäftsmodell ausweiten und mehr als nur Bankdienstleistungen anbieten. So umriss am Mittwoch Valiant-Präsident Jürg Bucher die neue Strategie 2024, die derzeit erarbeitet werde. Zum «umfassenden Finanzdienstleister» soll die Bank werden, wie Bucher sagte.

Wagt die Valiant also ein neues Allfinanz-Abenteuer und verkauft bald nicht nur Fonds und Hypotheken, sondern auch Lebensversicherungen und Krankenkassen? Nein, präzisiert Bankchef Markus Gygax auf Nachfrage, solche Experimente seien nicht geplant. Vielmehr wolle man neue Wege finden, um die Bedürfnisse der Bankkunden zu befriedigen.

Arbeit für den Neuen

Zwei Beispiele für diese neuen Wege nannte Bucher am Mittwoch. Einerseits baut die Bank in der Ostschweiz aktuell einen neuen Hypotheken-Vergleichsdienst auf. Für diesen sucht sie Partner, deren Hypotheken die Valiant-Berater dann den Kunden vorlegen könnten. Einfache Finanzierungen, so der Plan, würden dann gegen Gebühr dem externen Partner vermittelt – etwa einer Pensionskasse –, komplexere weiterhin bei der Valiant abgeschlossen.

Zudem hat sich die Valiant am digitalen Maklerbüro Agent ­Selly beteiligt. Dank dem Start-up sollen Kunden einfacher Liegenschaften kaufen und verkaufen können. Die Valiant erhofft sich von der Kooperation zusätzliche Hypotheken-Abschlüsse.

Die Feinarbeiten an der neuen Strategie gehören zu den Aufgaben, die auf den designierten Bankchef Ewald Burgener zukommen. Der aktuelle Finanzchef wird im Mai die Nachfolge von Gygax antreten, der dann – so der Plan – in den Verwaltungsrat gewählt wird. Details zur Strategie wird Burgener im Herbst präsentieren.

Höhere Marge, mehr Gewinn

Es ist nicht die einzige Herausforderung für den neuen Chef. Nicht zufrieden könne man mit dem Anlagegeschäft sein, meinte Burgener am Mittwoch. Den Kommissions- und Dienstleistungserfolg konnte die Bank im letzten Jahr nicht steigern.

Beim Zinserfolg dagegen sei der Bank ein «Kunststück» gelungen, frohlockte Gygax. Anfang 2018 habe er gehofft, dass die Valiant die Zinsmarge knapp halten könne. Nun wurde sie sogar leicht gesteigert. Ermöglich haben das tiefere Zinskosten: Die Valiant konnte ihre Kredite unter anderem dank dem Herausgeben von hypothekarisch besicherten Obligationen (sogenannten Covered Bonds) günstiger refinanzieren als im Jahr davor.

Unter dem Strich blieb der Bank letztes Jahr ein Gewinn von 120,3 Millionen Franken – knapp 1 Prozent mehr ist als im Vorjahr. Für das laufende Jahr erwartet die Valiant erneut ein leichtes Plus. So dürfte auch die Dividende weiter wachsen, die dieses Jahr um 10 Prozent auf 4.40 Franken pro Titel angehoben werden soll.

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