Ein gutes Jahr für Mieter

Die Mietzinse sind unter Druck. Dieser Trend wird in den kommenden Monaten anhalten. Weiterhin steigend sind die Preise für Wohneigentum, wie ein neuer Marktbericht zeigt.

In den kommenden Monaten werden in der Schweiz diverse Projekte für Neubauten und Ersatzneubauten abgeschlossen. Das hält den Druck auf die Mieten aufrecht.

In den kommenden Monaten werden in der Schweiz diverse Projekte für Neubauten und Ersatzneubauten abgeschlossen. Das hält den Druck auf die Mieten aufrecht.

(Bild: Urs Jaudas)

Matthias Pfander@MatthiasPfander

Das Jahr 2017 könnte als ein besonders mieterfreundliches in die Annalen eingehen. Das Klima entwickelt sich weiter zugunsten der Mieter. Aufgrund des grossen Angebots sei der Kampf der Vermieter um die Mieter härter geworden, schreibt die Beratungsfirma Wüest & Partner in ihrem heute veröffentlichten Immo-Monitoring.

Die Entwicklung beeinflusst auch die Häufigkeit der Umzüge. Die Schweizer Bevölkerung ist laut Wüest & Partner derzeit sehr umzugsfreudig: 13,3 Prozent wechseln mindestens einmal pro Jahr die Wohnung. Und es gibt weitere Gründe, die den Wohnungsmarkt in den nächsten Monaten zugunsten der Mieter beeinflussen. Eine Übersicht:

  • Anhaltender Preisdruck: Laut den Auswertungen von Wüest & Partner spreizt sich besonders in Agglomerationsgemeinden die Schere zwischen den angebotenen Mieten und der Zahlungsbereitschaft. Deshalb geht das Beratungsunternehmen davon aus, dass besonders in solchen Gemeinden die Preise weiter unter Druck geraten. Aus gesamtschweizerischer Optik wird für das laufende Jahr mit einem Rückgang um 0,9 Prozent bei den Mieten von ausgeschriebenen Objekten gerechnet.
  • Sinkender Referenzzinssatz: Der vierteljährlich erhobene durchschnittliche Zinssatz der Schweizer Hypotheken lag am 31.12.2016 bei 1,64 Prozent und damit 0,03 Prozent tiefer als bei der letzten Erhebung am 30.9.2016, wo er bei 1,67 Prozent lag. Wenn der Durchschnittssatz unter die Marke von 1,625 Prozent sinkt, wird der Referenzzinssatz um eine Stufe nach unten auf 1,5 Prozent angepasst. Aktuell steht er bei 1,75 Prozent. Die Chancen stehen gut, dass diese Richtschnur für die Mietverhältnisse in diesem Jahr weiter sinkt. Bei einer Anpassung des Referenzzinses nach unten können die Mieter ihren Anspruch auf eine Mietzinssenkung durch den Vermieter prüfen lassen.
  • Zunehmendes Angebot: Im vergangenen Jahr sind Bewilligungen für den Bau von 30'000 Wohnungen erteilt worden. Die Zahl der erteilten Baubewilligungen bleibt auf hohem Niveau relativ stabil. In der zweiten Jahreshälfte 2016 ist das Angebot an ausgeschriebenen Mietwohnungen zwar um 4,7 Prozent zurückgegangen. Der Rückgang sei aber saisonal bedingt, heisst es im aktuellen Immo-Monitoring. Zudem werden in den kommenden Monaten diverse Projekte für Neubauten und Ersatzneubauten abgeschlossen. Deshalb rechnen die Experten damit, dass in diesem Jahr aufgrund des zusätzlichen Angebotes die Leerstandsquoten wieder steigen werden.

Gebietsweise Unterschiede

Gesamtschweizerisch sind die Mieten Ende 2016 im Durchschnitt gegenüber dem Vorjahr um 1,3 Prozent zurückgegangen. Bei genauerer Betrachtung einzelner Regionen ergeben sich erwartungsgemäss grosse Unterschiede. Am stärksten ist der Rückgang im Kanton Genf ausgefallen. Dort beläuft er sich auf Minus 5,2 Prozent.

In der gesamten Westschweiz sind die Mieten hingegen um 1,9 Prozent gestiegen – eine Ausnahmeerscheinung, denn in allen übrigen Regionen sind die Mietzinse im Jahresvergleich günstiger geworden. In der Region Zürich etwa um 3,3 Prozent, während in der Stadt Zürich bei separater Betrachtung der Rückgang 2 Prozent beträgt. Am schwächsten ist der Rückgang in der Region Bern ausgefallen mit 0,1 Prozent.

Eigenheime werden im Schnitt teurer

Bei den Eigentumswohnungen lagen die Preise Ende 2016 insgesamt 1,2 Prozent höher als im Vorjahr. Es gebe zwar weiterhin preiswerte Angebote für Eigentumswohnungen. Doch befinden sich diese in Gebieten, die nicht nachgefragt sind. An beliebten Standorten nimmt das Angebot teurer Eigentumswohnungen zu. Im gehobenen Segment sind die Preise allerdings zurückgegangen.

Die Nachfrage sei weiterhin stark, stellt Wüest & Partner fest. Im Februar habe etwa die Zahl der Suchaufträge für Stockwerkeigentum gegenüber der Vorjahresperiode um 20 Prozent zugenommen. «Doch oft dürften Angebot und Nachfrage aufgrund der unterschiedlichen Preisvorstellungen nicht zueinanderfinden», schätzen die Immobilienexperten die Lage ein. Der Grund: «Viele Projektentwickler kennen zwar das Potenzial von Eigentumswohnungen, doch wegen der sehr hohen Baulandpreise lassen sich häufig keine preiswerten Objekte realisieren, weshalb das erschwingliche Angebot auch künftig bescheiden bleiben dürfte.»

Insgesamt rechnet Wüest & Partner bei den Eigentumswohnungen im laufenden Jahr schweizweit mit einem Preisanstieg von durchschnittlich 0,5 Prozent.

Gefragte Einfamilienhäuser

Speziell bleibt die Lage bei den Einfamilienhäusern. Ein gewöhnliches Haus mit 6 bis 6,5 Zimmern kostet im Schnitt deutlich über 1 Million Franken, in oder in der Nähe der Wirtschaftszentren an guten Lagen gegen 2 Millionen.

Das Angebot an solchen Objekten ist vergleichsweise klein. Das Interesse an Einfamilienhäusern bleibt hingegen gross. Diese Faktoren führten dazu, dass die Preise weiter anziehen, besonders bei Einfamilienhäusern mit konventionellem Ausbaustandard legten sie deutlich zu. Im gehobenen Segment sind die Preise hingegen stark rückläufig.

Auch bei den Einfamilienhäusern rechnen die Immobilienexperten von Wüest & Partner insgesamt mit weiterhin steigenden Preisen. Im laufenden Jahr gehen sie schweizweit von einem Plus um 0,8 Prozent aus.

DerBund.ch/Newsnet

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