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«Finanzkrise ist gut für ein gesundes Wachstum»

Island steht vor dem Bankrott. Grossbritannien muss acht Banken teilverstaatlichen - nur in der Schweiz bleibt die Regierung ruhig. Wirtschaftsexperte Franz Jaeger analysiert die Lage.

Wirtschaftsexperte Franz Jaeger kann der Finanzkrise auch Positives abgewinnen.
Wirtschaftsexperte Franz Jaeger kann der Finanzkrise auch Positives abgewinnen.
Keystone

Herr Jaeger, Island droht der Bankrott. Könnte das auch der Schweiz passieren? Meines Wissens gibt es derzeit keine Schweizer Bank, die gefährdet ist. Aber natürlich, geriete eine Grossbank oder die Swiss Re ins Straucheln, müsste der Bund einspringen. Aber selbst die Schweiz könnte nicht allein für diese Kolosse gerade stehen. Ausländische Notenbanken und Staaten müssten der Schweiz zu Hilfe eilen.

Wie es sich in Island zeigt, helfen andere Staaten nicht ohne weiteres. Das hängt immer von der Wichtigkeit und Vernetzung eines Staates und seiner Finanzinstitute ab. Beim drohenden Einsturz von Weltunternehmen wie der UBS würden andere Staaten der Schweiz schon aus Eigeninteresse zur Seite springen.

Und Island nicht? Heisst das dass Island zu klein und unwichtig ist? Ja, so muss man das wohl sagen. Isländische Banken könnten ohne Hilfe von Drittstaaten wegen ihrer geringen Bedeutung Opfer der Finanzkrise werden.

Die Schweiz kann aber nicht einfach abwarten. Was muss die Schweiz tun? Zusammen mit den anderen Staaten für genügend Liquidität sorgen. Es ist entscheidend, dass die Schweizerische Nationalbank jetzt zusammen mit anderen Zentralbanken den Leitzins gesenkt hat. Die Finanzmärkte reagieren nachhaltiger auf Massnahmen der Notenbanken, weil sie ihnen mehr Vertrauen schenken als den Regierungen.

Die Schweiz muss sich also nicht daran machen, die Spareinlagen zu schützen? Übereiltes Handeln sorgte eher für Verunsicherung. Die Krise zeigt uns aber, dass wir längerfristig einen besseren Schutz der 3a-Konten ins Auge fassen sollten.

Wenn morgen hiesige Banken am Abgrund stünden, könnte die Schweiz handeln? Ja, dazu bräuchte es möglicherweise dringliche Bundesbeschlüsse. Mit diesen würde der Staat befähigt, drohenden Ausfällen der Banken mit Bürgschaften zu begegnen. Und die Nationalbank müsste weitere Liquidität zur Verfügung stellen. Bedenken Sie, Geld ist ein Rohstoff, der theoretisch unbegrenzt vorhanden ist. Zumindest für den Krisenfall. Längerfristig kommen wir ohnehin nicht darum herum uns an «Lawinenverbauungen» zu machen.

Von was für Verbauungen sprechen Sie? Es ist notwendig die Eigenkapitalunterlegung zu erhöhen, damit eine solche Krise sich nicht wiederholt. Und glauben Sie mir, Während sich die Grossbanken in der Schweiz noch gegen diese angebliche Wettbewerbsbehinderung wehren, fassen andere Staaten noch viel weitergehende Regeln ins Auge. Werden die Eigenkapitalregeln weltweit abgestimmt, sind auch unsere Grossbanken nicht benachteiligt. Diese internationale Koordination klappt ja auf der Ebene der Zentralbanken bereits bestens. Nur die Politik tut sich schwer wie Merkels Alleingang zeigt. 1929 und 1987 klappte die Zusammenarbeit noch lange nicht so gut.

Sie können der Krise positives abgewinnen?

Ja, auch wenn es zynisch klingt, ist die Feuerwehrarbeit getan, werden wir feststellen, dass die Ausgangsbedingungen positiv sind für ein gesundes Wachstum: Die Zinsen sind tief und die Preise sind wieder gesunken.

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