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Doris Leuthard kritisiert die «unverschämten» Davoser Preise

Der Davoser Landammann und die WEF-Direktion überlegen sich Massnahmen gegen überteuerte Hotelbetten, Lokale und Essen.

Mindestens während des WEF ein teures Pflaster: Blick auf Davos mit dem Kongresszentrum (15. Januar 2017). Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)
Mindestens während des WEF ein teures Pflaster: Blick auf Davos mit dem Kongresszentrum (15. Januar 2017). Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Die Preise in Davos seien unverschämt, vor allem von Hotels. Dies sagte Bundespräsidentin Doris Leuthard gestern am WEF in Davos. «Ihr tut damit nichts Schlaues», sagte sie dazu dem Lokaljournalisten. In Genf existiere dasselbe Problem: Da würden teilweise «unverschämte» Hotelpreise verlangt. Das bereite dem gesamten Bundesrat Sorgen. «Die Schweiz ist schon sonst sehr teuer.»

Aber es sind nicht nur die Davoser Hotelpreise, die schockieren: 2500 Franken die Nacht in einem überpinselten 3-Stern-Hotel, das heute mit 5 Sternen wirbt. Es sind auch die Event-Lokale und die Wohnungen. 500'000 Franken blätterte Microsoft letztes Jahr für seine Event-Räume gleich vis-à-vis dem Kongresshaus hin, schrieb die «Sonntags­Zeitung». Dieses Jahr war Microsoft trotzdem wieder da. Die «Aargauer Zeitung» ihrerseits hat den teuersten Hamburger von Davos entdeckt: 59 Franken kostet der.

Davos im Bild - Promis und Panels am WEF:

Das Afghanische Frauenorchester spielt an der Schlussfeier. (20. Januar 2017)
Das Afghanische Frauenorchester spielt an der Schlussfeier. (20. Januar 2017)
Gian Ehrenzeller, Keystone
Auf Einladung von Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann trafen sich 29 WTO-Vertreter zu informellen Gesprächen: WTO-Generaldirektor Roberto Azevèdo sprach sich gegen Protektionismus aus. (20. Januar 2017)
Auf Einladung von Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann trafen sich 29 WTO-Vertreter zu informellen Gesprächen: WTO-Generaldirektor Roberto Azevèdo sprach sich gegen Protektionismus aus. (20. Januar 2017)
Laurent Gillieron, Keystone
Im Vergleich zum letzten Jahr wurden die Polizeipräsenz rund um Davos und die Personen- und Verkehrskontrollen etwas erhöht.
Im Vergleich zum letzten Jahr wurden die Polizeipräsenz rund um Davos und die Personen- und Verkehrskontrollen etwas erhöht.
Keystone
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Nun hat auch Tarzisius Caviezel, der Landammann von Davos, genug. «Wir können die Preis-Exzesse nicht einfach hinnehmen. So machten einige wenige die gute Arbeit von sehr vielen kaputt, sagt er. «Exzesse gibt es beim Essen – ein Hamburger für 59 Franken, das kann man einfach nicht erklären –, eventuell bei Hotelbetten und vor allem bei Wohnungen und bei Event-Räumen.» Genug hat auch das WEF von den Übertreibungen, wie Alois Zwinggi, Managing Director des WEF, bestätigt.

«Darum wollen wir Alternativen schaffen», sagt der Landammann. «Wir können keine Preisvorschriften erlassen. Darum sind wir mit dem WEF zusammen daran, Ideen zu entwickeln, wie wir mittels Containern zusätzliche Wohnungen und Event-Räume anbieten können.» Vor allem geht es darum, dass darin wenigstens die WEF-Mitarbeiter untergebracht werden können und Firmen, denen der Umbau von Lokalen schlicht zu teuer geworden ist.

Technisch sei das heute kein Problem. Bei Weltcuprennen gebe es das ­bereits. Die Unterkünfte hätten ein 3-Stern-Niveau. Die Gemeinde würde ihren Anteil dazu beisteuern, das Land zu finden, um die Alternativen anzubieten. Betreiben würden die Wohnungen und die Konferenzräume Private, sagt Caviezel.

WEF bestätigt Pläne

Noch ist nichts definitiv. Laut Caviezel soll ein Entscheid im Frühling fallen – nach der Lagebesprechung mit dem WEF. Eine solche hat allerdings schon letztes Jahr stattgefunden, aber offensichtlich nichts gebracht. Laut Zwinggi ist es mit den vielen Trittbrettfahrern noch schlimmer geworden. Noch mehr Ladenbesitzer seien weich geworden und hätten während des Forums ihre Räume für viel Geld zur Verfügung gestellt. Eine Ausnahme gab es: die Besitzerin eines Souvenirladens. Sie schaffte es sogar in den «Blick». Zwinggi hat sie besucht und ihr Blumen gebracht.

Für Davos ist es wichtig, dass die Exzesse aufhören, weil sonst das Image leidet, was für den Tourismus verheerende Folgen haben könnte. Denn ausserhalb der WEF-Zeit ist Davos keine Luxusdestination, sondern ein Skiort, der auf den Mittelstand angewiesen ist. Und der bleibt weg, wenn die Preise zu hoch sind. Darum geht der Landammann mit den schwarzen Schafen in seiner Gemeinde hart ins Gericht. «Das sind die inneren Feinde von Davos, genauso wie jene, die Immobilienspekulation betreiben. Das sind Faktoren, die wir im Gegensatz zur Frankenstärke oder dem Klimawandel selber beeinflussen können», sagt Caviezel.

Wie hinter den Kulissen zu hören ist, übt das WEF einigen Druck aus, dass jetzt wirklich etwas geschieht. Es hängt die Drohung in der Luft, dass das WEF auch andernorts stattfinden könnte. Caviezel: «Ich glaube allerdings, dass, wenn das WEF beispielsweise nach Montreux ziehen würde, was ein Plan B sein soll, es dort genauso zu Preisexzessen käme.» Darum rechnet er nicht mit dem Schlimmsten. Aber: «Wenn denn das WEF einmal wegziehen würde, dann wären wegen dieser inneren Feinde alle betroffen.» Es brauche bei einigen in Davos mehr Gemeinsinn.

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