Donald Trump und die grosse Jobshow

Unternehmen übertreffen sich gegenseitig mit Ankündigungen zum Job-Aufbau in den USA. Eine eindrückliche Liste ist so entstanden. Doch ist das alles nur Show?

Verspricht 1 Million Jobs in den nächsten fünf Jahren: Alibaba-Gründer Jack Ma (r.) vor dem Handshake mit Donald Trump.

Verspricht 1 Million Jobs in den nächsten fünf Jahren: Alibaba-Gründer Jack Ma (r.) vor dem Handshake mit Donald Trump.

(Bild: Reuters Mike Segar)

Matthias Pfander@MatthiasPfander

Der südkoreanische Automobilkonzern Hyundai will innerhalb der nächsten fünf Jahre 3,1 Milliarden Dollar in den USA investieren. Das ist 50 Prozent mehr als ursprünglich angekündigt, wie heute bekannt wurde. In der Nacht auf heute stellte zudem Autobauer General Motors in Aussicht, eine Milliarde in den US-Markt reinzubuttern und damit 1000 Jobs zu schaffen oder zumindest zu sichern.

Beide Unternehmen beeilten sich, zu präzisieren, dass die Entscheidungen nicht aus politischen Gründen getroffen worden seien. Zuvor hatte Donald Trump in einem Interview erneut mit hohen Einfuhrzöllen gedroht, wenn Autohersteller in anderen Ländern produzierte Fahrzeuge in den USA verkaufen wollten. Und auf Twitter verbreitet er: «Autofirmen und andere müssen ihre Produkte wieder hier produzieren, wenn sie in unserem Land Geschäfte machen wollen.»

Ein Mittel gegen den Twitter-Sturm?

Die beiden Versprechen von General Motors und Hyundai sind nur die jüngsten Beispiele von diversen Verlautbarungen in den letzten Wochen. Eine nur annähernd so grosse Häufung solcher Ankündigungen im Umfeld einer US-Präsidentenwahl hat es noch nie gegeben, wie Martin Naville, Chef der schweizerisch-amerikanischen Handelskammer Amcham sagt: «Viele dieser Ankündigungen basieren auf soliden betriebswirtschaftlichen Entscheiden und wären in vielen Fällen sowieso gemacht worden. Zum Teil sind es aber auch nur Ankündigungen, die dann später nicht oder teilweise umgesetzt werden.»

Trump nehme zur Genugtuung seiner Anhänger einzelne Firmen als «Exempel» in sein Twitter-Visier. Die Firmen versuchten nun alle, mit Ankündigungen dem Twitter-Sturm zu entkommen, so Naville. Er hofft, dass mit den «sehr soliden Wirtschaftsvertretern, die im Kabinett Einsitz nehmen», etwas Ruhe einkehre, wenn die neue US-Regierung ihre Arbeit offiziell aufnehme.

Seit Trump mit seinen Plänen hausiert, wie er die US-Wirtschaft voranbringen will, debattieren Ökonomen darüber, wie effektiv die Pläne sein werden. Auch Befürchtungen über das Abgleiten in eine Rezession machten die Runde.

In der jüngsten Konjunkturprognose des Internationalen Währungsfonds (IWF), die gestern veröffentlicht wurde, wird nun vorerst aber mit einem positiven Effekt durch die von Trump angekündigten Steuersenkungen und Infrastrukturprojekte gerechnet. Für die US-Wirtschaft erwartet der IWF 2017 ein Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent und im Folgejahr 2,5 Prozent. Das entspricht einem um 0,5 Prozentpunkte höheren Wachstum als bisher angenommen.

Bei den Jobs ging der Ankündigungsreigen bereits kurz nach der Wahl von Donald Trump los. Seither versuchen sich Konzerne mit Versprechen zu übertreffen, wie viele Jobs sie in den kommenden Jahren in den USA schaffen wollen. Die wichtigsten Ankündigungen im zeitlichen Verlauf:

Carrier Corporation, 1.12.2016: Der Hersteller von Klimaanlagen gab gegenüber Trump das Versprechen ab, 1100 Jobs in den USA zu erhalten. Allerdings ist bei 300 dieser Jobs eine Verlagerung gar nie zur Diskussion gestanden, wie später bekannt wurde. Und gleichwohl wird das Unternehmen 1300 Jobs nach Mexiko verlagern.

Apple, 6.12.2016: Apple-Chef Tim Cook stellte in Aussicht, dass in diesem Jahr eine Mac-Produktlinie exklusiv in den USA hergestellt werde. Gleichzeitig rühmte Cook sich und sein Unternehmen, in den USA 600'000 Jobs geschaffen zu haben.

Foxconn, 8.12.2016: Der Elektronikhersteller produziert für diverse andere Marken Produkte – darunter das iPhone für Apple. Das Unternehmen stellte in Aussicht, 7 Milliarden Dollar zu investieren und 50'000 Jobs zu schaffen.

IBM, 14.12.2016: Kurz bevor Trump diverse Spitzenvertreter aus dem Silicon Valley in New York empfing, gab der IT-Konzern bekannt, über die nächsten vier Jahre 25'000 Stellen aufzubauen. Offen blieb, ob diese Zahl netto, also nach Abzug von Abbaumassnahmen, zu verstehen ist.

Softbank, 21.12.2016: Softbank-Chef Masayoshi Son nahm den Mund etwas voll, wie sich später herausstellen sollte. Er stellte Anfang Dezember 50'000 neue Jobs in Aussicht und eine Investition von 50 Milliarden Dollar. Im Nachgang wurde bekannt, dass die Investition bereits früher beschlossen und bereits im Oktober kommuniziert worden war, dass das Internetunternehmen dazu 25 Milliarden beitragen werde.

Sprint, 28.12.2016: Trump jubelte: «Sie nehmen die Jobs aus anderen Ländern. Sie bringen sie zurück in die USA.» Zuvor hatte der Chef des Mobilfunkkonzerns Sprint bekannt gegeben, dass 5000 Stellen wieder in den USA angesiedelt werden. Im Verkauf und in der Kundenbetreuung. Früher im Jahr hatte Sprint allerdings 2500 Jobs in seinen Callcentern gestrichen.

Ford, 3.1.2017: Der US-Automobilhersteller gab seine Pläne auf, eine neue Fabrik in Mexiko aufzustellen, und will die 700 Millionen Dollar stattdessen in Flatrock, Michigan, verbauen. 700 neue Jobs sollen dadurch entstehen.

Nach scharfer Kritik von Donald Trump streicht Ford eine geplante Rieseninvestition in Mexiko. Video: Reuters

Fiat Chrysler, 9.1.2017: Der italienisch-amerikanische Autohersteller will 1 Milliarde Dollar in den USA investieren und auf diesem Weg bis 2020 rund 2000 Jobs kreieren.

Toyota, 3.1.2017: Über die nächsten 5 Jahre wolle Toyota 10 Milliarden Dollar in den USA investieren, bekräftigte der japanische Autokonzern.

Alibaba, 10.1.2017: Die mit Abstand grösste, gleichsam aber auch absurdeste Zahl schickte Alibaba-Chef Jack Ma ins Rennen. Er stellte den Aufbau von 1 Million Arbeitsplätzen in den USA über die nächsten fünf Jahre in Aussicht. In seine Rechnung floss die Annahme ein, dass amerikanische Kleinunternehmen via seinen Onlinemarktplatz Zugang zum chinesischen Markt erhalten und jede dieser Firmen einen zusätzlichen Mitarbeiter einstellt.

Amazon, 12.1.2017: Amazon-Chef Jeff Bezos und Donald Trump sind sich nicht grün. Schon im Wahlkampf attackierte der nun gewählte Präsident Bezos und warf ihm vor, zu wenig Steuern zu bezahlen. Bezos wählte die Vorwärtsstrategie und liess Amazon verkünden, über die kommenden 18 Monate würden 100'000 neue Jobs geschaffen: «Diese neuen Jobmöglichkeiten stehen Menschen aus dem ganzen Land und mit jeder Art von Erfahrung, Ausbildung und Können offen», verkündete der Onlinehändler in einer Mitteilung.

Lockheed Martin, 12.1.2017: Einer der letzten Wirtschaftsführer, den sich Trump zur Brust nahm, war Marillyn Hewson, Chef des Rüstungs- und Luftfahrtkonzerns Lockheed. Nach dem Treffen versprach Hewson 1800 neue Stellen. Neben einem günstigeren Preis für die Beschaffung des Kampfjets F-35.

Walmart, 17.1.2017: Heute stellte der weltgrösste Detailhändler Pläne vor, wonach er sein Filialnetz ausbauen will. Dadurch sollen 10'000 neue Stellen im Handel entstehen und durch den Ausbau 24'000 Beschäftigte aus dem Baugewerbe Arbeit erhalten. Walmart will über die nächsten zwölf Monate 6,8 Milliarden Dollar dafür investieren.

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