Mieter verloren Wohnung wegen Onlineportal Airbnb

Viele Mieter, die ihre Wohnung untervermieten, holen keine Erlaubnis ein. Einige Immobilienverwaltungen haben fehlbaren Mietern auch schon gekündigt.

Die Aussicht versilbern: Zahlreiche Mieter bessern mit dem Untervermieten ihrer Wohnung das Einkommen auf. Foto: Alamy

Die Aussicht versilbern: Zahlreiche Mieter bessern mit dem Untervermieten ihrer Wohnung das Einkommen auf. Foto: Alamy

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Will ein Mieter seine Wohnung vorübergehend weitervermieten, muss er zuvor den Eigentümer um Bewilligung ersuchen. Das gilt auch, wenn er nur ein einzelnes Zimmer ausschreibt. So steht es im Gesetz. Doch die allerwenigsten, die auf Airbnb oder anderen Internetplattformen inserieren, halten sich daran. Das zeigt eine Umfrage des DerBund.ch/Newsnet bei Liegenschaftsverwaltungen.

«Bis zum heutigen Datum haben wir diesbezüglich keine Anfragen erhalten», sagt Marietta Hersche von Livit, der zweitgrössten Schweizer Immobilienverwaltung. Sie bewirtschaftet 150'000 Mietobjekte. Noch grösser ist mit 215'000 Objekten Wincasa. Aber auch sie wird nicht mit Airbnb-Gesuchen überhäuft. Lediglich zwei seien bislang in diesem Jahr eingegangen, sagt Walter Schärer, Leiter Bewirtschaftung. Das ist typisch für alle Verwaltungen, die der DerBund.ch/Newsnet angefragt hat. Die meisten haben noch nie eine Anfrage erhalten. Dies, obwohl die Unterkunftsvermittlung im Internet boomt.

Vielen Mietern ist nicht bewusst, das sie den Vermieter fragen müssten. Andere wissen es zwar, foutieren sich aber darum. So befinden sich unter den rund 13'000 Airbnb-Anbietern in der Schweiz auch zahlreiche Mieter. Allein in der Stadt Zürich vermittelt das Internetportal 2200 Unterkünfte, in Bern sind es 800. Hinzu kommen weitere Inserate auf konkurrierenden Plattformen wie Wimdu und 9flats. Manch ein Mieter versucht auf diese Weise, sein Einkommen etwas aufzubessern. Der eine offeriert die Wohnung während der Ferien, wenn er sie ohnehin nicht braucht. Der andere nutzt die hohe Nachfrage während einer Messe oder eines Kongresses und zieht in dieser Zeit zur Freundin.

Im Extremfall wird gekündigt

Solche Geschäftstüchtigkeit kann allerdings böse enden. Wer seine Wohnung ohne Erlaubnis untervermietet, riskiert nämlich den Rauswurf. Sowohl Livit als auch Wincasa haben Mietern schon wegen unerlaubter Untervermietungen gekündigt. «In extremen Fällen greifen wir ein», sagt Livit-Marketingleiterin Hersche.

Meist bleibt es jedoch bei Verwarnungen. Solche hat auch die Kornhaus Verwaltungs AG schon in über zehn Fällen ausgesprochen. «Wir möchten wissen, was sich in unseren Liegenschaften tut», sagt Christian Müller, Kornhaus-Chef in der Deutschschweiz. Man kontrolliere daher regelmässig mittels Stichproben, ob Wohnungen auf Airbnb angeboten würden. Auch Wincasa überprüft periodisch Inserate auf den bekannten Plattformen. Bei Schäppi Grundstücke geschieht dies «ab und zu».

Ganz einfach sind die Kontrollen aber nicht. Airbnb gibt nämlich die genaue Adresse der angebotenen Unterkünfte nicht an, lediglich die ungefähre Lage. Will eine Verwaltung ihre Wohnungen anhand der Fotos ausfindig machen, muss sie die Objekte auch von innen her gut kennen. Die meisten Liegenschaftsverwaltungen verzichten deshalb auf regelmässige Kontrollen. Zuweilen melden aber auch Nachbarn oder Hauswarte, wenn die Bewohner eines Appartements auffällig häufig wechseln. Derartigen Hinweisen gehen die Verwaltungen nach, wodurch sie immer wieder unerlaubte Untervermietungen entdecken.

Mietzins ist nach oben begrenzt

Wer keine Schwierigkeiten will, fragt daher besser erst um Erlaubnis, bevor er seine Mietwohnung untervermietet. Idealerweise macht man dies gleich schriftlich, damit man es später auch beweisen kann. Laut Gesetz kann ein Eigentümer die Untervermietung nur in folgenden Fällen verweigern:

  • Wenn der Mieter die Bedingungen der Untermiete nicht offenlegt.
  • Wenn dem Eigentümer aus der Untermiete «wesentliche Nachteile» entstehen. Dies kann etwa bei einer Überbelegung der Fall sein. Oder wenn eine hohe Fluktuation der Gäste dazu führt, dass sich andere Bewohner der Liegenschaft gestört fühlen.
  • Schliesslich kann ein Eigentümer das Weitervermieten der Wohnung verweigern, wenn dafür ein zu hoher Preis verlangt wird. Ohne seine Zustimmung darf der Gastgeber mit der Untermiete nämlich keinen Gewinn erzielen. Konkret bedeutet dies: Wer für seine Wohnung monatlich 1800 Franken zahlt, darf diese für 60 Franken pro Nacht weitervermieten – plus einem kleinen Zuschlag für die Möblierung und das Inkasso.

Relativ unproblematisch ist also, wenn jemand für ein Jahr ins Ausland verreist und während dieser Zeit die Wohnung zum unveränderten Mietpreis untervermietet. Konfliktträchtig ist dagegen, wenn man das Appartement zu einem hohen Preis Touristen oder Messebesuchern überlässt, während man vorübergehend bei einem Freund Unterschlupf sucht. Dem wird der Eigentümer kaum zustimmen. Zwischen diesen Extremfällen ist rechtlich noch vieles unklar. Denn die heutigen Regeln sind auf klassische Untervermietungen während mehrerer Monate zugeschnitten, nicht auf kurzfristige Airbnb-Angebote. Der Bundesrat hat daher einen Bericht in Auftrag gegeben, der den rechtlichen Handlungsbedarf ausloten soll.

Unterdessen verfolgen die Immobilienverwaltungen unterschiedliche Strategien. Grundsätzlich nichts von Airbnb-Untervermietungen will zum Beispiel die Liegenschaftsverwaltung der Stadt Bern wissen. «Der städtische Wohnraum soll der Stadtberner Bevölkerung und nicht Touristen zur Verfügung stehen», heisst es bei Immobilien Stadt Bern. Die wenigen Anfragen werden dort konsequent abgelehnt.

Stadt Zürich hat schon bewilligt

Anders in Zürich. Hier stellt sich die städtische Liegenschaftenverwaltung nicht grundsätzlich gegen Airbnb-Untervermietungen, sofern es sich um Einzelfälle und nicht um gewerbsmässige Beherbergungen handelt. Überdies müssen die mietrechtlichen Vorgaben eingehalten werden. Bis anhin ist allerdings erst eine Anfrage eingegangen. «Da es sich um eine Untervermietung während der Ferien handelte, stimmten wir zu», sagt Direktor Arno Roggo.

Die meisten privaten Immobilienverwaltungen beurteilen aufgrund der geringen Zahl an Gesuchen jedes einzeln. Generelle Bestimmungen kennen die wenigsten. Viele sind aber skeptisch. «In der Regel bewilligen wir Airbnb-Anfragen nicht», sagt Walter Schärer von Wincasa. Auch Herbert Stoop, Geschäftsleiter von Seitzmeir Immobilien, neigt zur Ablehnung. Und er ist überzeugt: «Das ist ein Thema, das uns in Zukunft bestimmt beschäftigen wird.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.10.2015, 20:47 Uhr

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