Die Wetten laufen auf Käse

Der Schweizer Vermögensverwalter GAM investiert in exotische Wertpapiere wie Kontrakte auf Käse, Sonnenblumenkerne oder Ethanol. Den Entscheid fällen aber die Computer.

GAM Systematic investiert erfolgreich in Werte, die wenig gehandelt werden: Käseherstellung in Italien. Foto: Giulio Origlia (Getty Images)

GAM Systematic investiert erfolgreich in Werte, die wenig gehandelt werden: Käseherstellung in Italien. Foto: Giulio Origlia (Getty Images)

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Die Börsen spielen verrückt. Jahrelang pumpten die Zentralbanken billiges Geld in die Märkte und machten so die Geldanlage zum Glücksspiel. Milliarden flossen als Folge in die Aktien- oder Anleihenmärkte. In diesem Umfeld die Gebühren einzuspielen, sei fast nicht mehr möglich, beklagen sich viele Vermögensverwalter. Sie suchen daher händeringend nach dem nächsten «heissen Ding», einer Anlage, mit der sie brillieren und bei den Kunden Eindruck schinden können.

Eine Reihe von professionellen Fonds setzt dabei seit einiger Zeit auf die Hilfe von künstlicher Intelligenz. Vor kurzem hat die Grossbank Credit Suisse (CS) angekündigt, sie werde mit der ETH Zürich zusammenarbeiten und ein gemeinsames Unternehmen gründen. Das Ziel der Firma mit dem Namen Systematic Investment Management sei es, neuste wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Physik und der Datenanalyse in Anlagelösungen für professionelle Kunden umzumünzen. Die CS ist nicht der erste Vermögensverwalter, der auf diesen Trend setzt. So sind etwa der Genfer Hedgefonds Systematica, der britische Vermögensverwalter Man oder auch der Schweizer Anbieter GAM in diesem Umfeld aktiv.

Mathematiker und Biologen

150 Milliarden Franken verwaltet GAM insgesamt. Rund 500 Millionen Franken davon steckt er in computerbasierte Investitionen in Nischenmärkte, die derzeit gefragteste Spezialdisziplin der professionellen Geldanleger. Dabei geht es um Zertifikate für Sonneblumenkerne, Käse oder Treibhausgase. Rund 200 schwer zugängliche Märkte haben die GAM-Experten ausfindig gemacht, in denen sie Geld verdienen wollen. Die Konkurrenten stehen dem in nichts nach. Sie setzen beispielsweise auf afrikanische Währungen oder die Strommärkte in Nordeuropa. Die Wetten scheinen aufzugehen: Die computergestützten Fonds erzielten hohe Gewinne.

Anthony Lawler ist Co-Chef von GAM Systematic, jener Abteilung, die auf computerbasierte Anlagen setzt. Er beschäftigt rund 35 Wissenschaftler, die in den Märkten nach besonderen Chancen suchen. Es handelt sich um Biologen, Mathematiker, Ingenieure. Fast alle haben einen Master- oder Doktortitel. Die Büros von GAM Systematic sind in Cambridge, unweit von London. Die Nähe ist bewusst gewählt, denn die dortige Universität bildet gute Mathematiker aus. «Wir bringen unseren Leuten bei, wie die Finanzmärkte funktionieren. Das ist viel einfacher, als ihnen zu erklären, wie Mathematik funktioniert», so Lawler. Die Arbeit bei GAM Systematic habe viel mit Mathematik zu tun, ein gutes Verständnis dafür sei unerlässlich. Finanzmarktexperten würden sich auf ihre Intuition verlassen wollen, das sei aber nicht das, was man bei GAM Systematic suche. «Wir glauben, dass Menschen nicht alle Marktbewegungen im Auge behalten und richtig deuten können», so Anthony Lawler.

Quantitative Vermögensverwaltung höre sich exotisch an, sagt Lawler. Es sei aber relativ einfach. «Wir halten uns an Regeln, indem wir uns Vorgaben setzen, wann wir ein Wertpapier kaufen und unter welchen Umständen wir es verkaufen.» Das habe den Vorteil, dass man sich nicht in ein Wertpapier verliebe, wenn es gut laufe und den Moment ­verpasse, um es zu verkaufen. Die Regeln basieren auf verschiedenen Kriterien. Diese werden dann in einer Programmiersprache umgesetzt.

Zwar würde die Datenanalyse eine Rolle spielen, aber es gehe nicht darum, esoterische Trends zu erkennen. «Wir wollen nicht herausfinden, dass jeden Dienstagnachmittag der Ölpreis steigt», scherzt Lawler. Vielmehr wolle die Firma in Werte investieren, die wenig gehandelt würden und eine Rendite erzielten. Oft sind das Wertpapiere, in die es sich nicht einfach investieren lässt. Das sind Käsekontrakte, Reis-Futures, Ethanol-Papiere, CO2-Emissionen oder auch Energiemärkte. Die Wetten seien fast immer aufgegangen, so Lawler. Doch natürlich gebe es auch einmal einen Monat, bei dem ein Minus resultiere.

Seit einigen Wochen kann auch in die Kryptowährung Bitcoin über spezielle Wertpapiere investiert werden. Ob das auch für GAM Systematic etwas wäre, will Lawler nicht kommentieren. «Unsere Modelle funktionieren dort, wo die Marktteilnehmer rational handeln», sagt Lawler.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.01.2018, 22:16 Uhr

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Die Spekulation auf Nahrungsmittelpreise wird oft kritisiert. Sie sorge für die Verteuerung von wichtigen Rohstoffen und sei damit mitverantwortlich für Hungerkatastrophen in den ärmsten Regionen der Welt.

Bei GAM ist man überzeugt, dass man nicht dafür verantwortlich ist. Es sei nicht die Absicht des Fonds, die Preise für Grund­nahrungsmittel nach oben zu treiben, so Anthony Lawler. Lawler ist Co-Chef von GAM Systematic. «Wir sorgen für einen regen Handel, wollen aber nicht die Preise anheizen», erklärt der GAM-Spezialist. Zudem würden Investitionen in Nahrungsmittel nur einen ganz kleinen Anteil des Fonds aus­machen. Wenn ein Kunde einen bestimmten Rohstoff nicht handeln wolle, dann könne man diesen ausschliessen. (jb)

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