Die unbefriedigenden Seitensprünge der Krankenkassen

Vom Einstieg ins Geschäft mit Policen für Haushalte und Autohalter hatten sich die Kassen mehr erhofft. Die Axa kontert nun mit einer eigenen Zusatzversicherung.

Die Krankenkasse Visana bietet seit über 20 Jahren auch Policen für Hausrat, Privathaftpflicht und Gebäudeversicherungen an. Foto: PD

Die Krankenkasse Visana bietet seit über 20 Jahren auch Policen für Hausrat, Privathaftpflicht und Gebäudeversicherungen an. Foto: PD

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Die Ankündigung kommt selbstbewusst daher. «Visana mischt Haushaltversicherungsmarkt auf», teilte die mittelgrosse Krankenkasse mit. Visana bietet indes seit über 20 Jahren Policen für Hausrat, Privathaftpflicht und Gebäudeversicherungen an. Die Ausbeute ist mager. Die 21'700 Policen in diesem Geschäftsbereich haben letztes Jahr ein Prämienvolumen von knapp 4 Millionen Franken generiert. Wie klein das Geschäft der Visana mit Haushaltversicherungen nach zwei Jahrzehnten immer noch ist, zeigt ein Vergleich mit dem Segment Krankenversicherung. Dort erzielte die Visana mit 583'000 Versicherten letztes Jahr ein Prämienvolumen von 2,1 Milliarden Franken. Die beiden Bereiche könne man nicht vergleichen, wendet ein Branchenkenner ein, eine Grundversicherung generiere im Monat mehr Prämie als eine Haushaltversicherung im Jahr.

Warum forciert die Kasse den Bereich mit Haushaltversicherungen dennoch? Diese Produkte seien «sehr rentabel», sagt ein Firmensprecher. «Günstigere Prämientarife» sollen nun mehr Kunden grosser Versicherer wie Axa und Zürich dazu bewegen, zu der Kasse zu wechseln. Als Beleg für ihre Konkurrenzfähigkeit verweist Visana auf einen Bericht des Konsummagazins «Bon à Savoir», wonach Visana in zwei von vier Kategorien den Platz eins einnehme. Selbst dies gilt indes nur bedingt. All jene Interessenten, die bereit sind, eine Haushaltversicherung via Internet abzuschliessen, finden auch in besagten beiden Siegerkategorien jeweils mindestens zwei Angebote von der Konkurrenz, die günstiger sind als Visana, wie das Konsummagazin zeigt. «Einen separaten Tarif für Online-Abschlüsse» gebe es bei Visana nicht, sagt dazu ein Sprecher. Neben der Visana haben weitere grosse Krankenkassen vor Jahren ins Haushaltgeschäft expandiert. Sympany ist 2009 mit einer Offensive in diesen Bereich eingestiegen und bietet zusätzlich auch Auto- und Motorradhaftpflicht an. Der Eindruck, dass es um den Bereich ruhiger geworden ist, sei nicht so falsch, heisst es bei Sympany. Das Geschäft mit Krankenversicherungen sei viel grösser und viel wichtiger für die ganze Gruppe. Zahlen liefert Sympany keine.

Das Kerngeschäft im Fokus

Die CSS bietet seit 1995 Policen für Hausrat und Privathaftpflicht an. Nach einem Relaunch im 2013 kamen Gebäudeversicherungen hinzu. Man sei mit der Entwicklung zufrieden, sagt eine Sprecherin der CSS. Diese Produkte seien eine sinnvolle Ergänzung, um den Kunden möglichst viele Angebote aus einer Hand bieten zu können. Wie gross das erzielte Prämienvolumen in diesem Bereich ist, dazu liefert auch die CSS keine Zahlen. Die Kasse sagt einzig, von den Grundversicherten habe knapp jeder zehnte Haushalt eine Hausratversicherung bei der CSS. Im Fokus stehe jedoch «das Kern­geschäft der Grund- und Zusatzversicherungen» im klassischen Krankenkassenmarkt. Kurz: Die Erwartungen der Krankenkassen, den etablierten Privatversicherern wie Axa Winterthur und Zürich markant Marktanteile bei den Haushalt- und Motorfahrzeugversicherungen abzujagen, erfüllten sich nicht. Die grossen Versicherungskonzerne dominieren diesen Markt weiterhin.

Den umgekehrten Weg geht nun Axa Winterthur. Die grösste Schweizer Versicherung will ab Mitte Jahr den Krankenkassen mit einer Zusatzversicherung Konkurrenz machen. Der Zusatz zur Krankenkasse soll in der ganzen Schweiz vorab Jungen und Familien angeboten werden, die bereits bei der Axa Winterthur versichert sind und weniger Bereitschaft für einen Wechsel der Krankenkasse zeigen. Für diesen neuen Bereich will Axa Winterthur 20 neue Mitarbeitende einstellen. Zum Inhalt des neuen Angebots will der Versicherer noch nichts sagen. Axa Winterthur kann erst starten, wenn die Finma, die Aufseherin des Bundes über den Versicherungsmarkt, die nötige Bewilligung erteilt hat.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.05.2017, 22:46 Uhr

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