Die schönsten Produkte-Flops

Ein Parfüm von Harley-Davidson, der iPhone-Vorläufer Apple Newton oder eine Fleischlasagne der Zahnpasta-Marke Colgate: Ein neues schwedisches Museum zeigt gescheiterte Produkte.

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Mit viel Lärm werden sie angekündigt, doch bei den Kunden kommen sie nicht an. Und schon nach kurzer Zeit verschwinden sie wieder aus den Geschäften. Gefloppte Produkte haben oft eine kurze Lebensspanne. Ein neues schwedisches Museum will nun dafür sorgen, dass sie nicht vergessen gehen.

Grosse Firmen produzierten viele Flops, so West. Das koste sie Milliarden und berge das Risiko, dass sie pleitegehen könnten, sagt Museumsgründer Samuel West gegenüber dem schwedischen Portal «thelocal.se». Doch nur so kommen sie weiter. Innovation brauche Fehler, erklärt West auf der Internetseite des Museums. Erst so entstehe Fortschritt. «Firmen sollen nicht so tun, als seien sie nicht passiert», so West. Er ist Psychologe und Innovationsforscher. Die Exponate stammen aus seiner Sammlung.

Grosskonzerne mit teuren Flops

Keine Branche ist vor Fehlschlägen gefeit, und auch die grössten Konzerne der Welt leisten sich ab und an ein Produkt, das nicht verkauft wird. Coca-Cola Blak war ein Mix aus Cola und Kaffee. Damit wollte der Konzern den Erfolg der Energydrinks kontern. Geklappt hat das nicht. Das Getränk verschwand schnell wieder. Das gilt auch für das durchsichtige Pepsi Crystal. Es erlebte zu Beginn der Neunzigerjahre nur eine kurze Karriere. Immerhin soll es dieses Jahr vom Getränkekonzern wiederbelebt werden.

Auch der fast schon unheimlich erfolgreiche IT-Konzern Apple erlebte Misserfolge: Der vielleicht Grösste ist der Apple Newton. Bald nachdem Firmengründer Steve Jobs zum Unternehmen zurückgekehrt war, zog er dem iPhone-Vorgänger den Stecker. Vielleicht war es für den Newton einfach noch zu früh: So funktionierte etwa die Handschrift-Erkennung des 1993 lancierten Geräts nicht richtig. Aber viele Ideen des Geräts flossen später in andere Produkte ein.

Kugis für Frauen, Lasagne mit Zahnpasta-Flair

Einige Exponate des Museums zeugen aber auch von wenig Hirnschmalz bei den Firmen. So ist etwa der Bic-Schreiber speziell für Frauen. Er wurde damit beworben, dass er bequem in die Hand einer Frau passen soll. Erhältlich war er in den Farben Pink und Violett. Ebensowenig beliebt bei den Kunden war die Fleischlasagne des Zahnpasta-Herstellers Colgate. Der Museumsgründer Samuel West findet besonderen Gefallen an einer furchteinflössenden Kosmetikmaske oder einem Scannerstift, der Links zu Internetseiten erfassen kann. Er findet es deutlich komplizierter, einen Link mit dem Stift zu erfassen, als ihn abzutippen.

Wenig erfolgreich war auch das 1996 lancierte Harley-Davidson-Parfüm. Die beinharten Fans des Motorrads wollten keinen Herrenduft, der das Logo ihrer Maschinen trug. Auch das Nokia N-Gage scheiterte grandios. Das Gerät war eine Mischung aus Handy und mobiler Spielkonsole. Das Konzept ging nicht auf. Das N-Gage war kein besonders gutes Telefon, und auch beim Spielen zeigte es Schwächen.

Einige Produkte seien von Grund auf falsch konzipiert worden, sagt West gegenüber «thelocal.se». Andere seien schlecht designt gewesen, oder das Marketing habe versagt. Es sei immer möglich, ein Produkt in den Sand zu setzen. Am besten sei es, möglichst früh zu scheitern, dann koste es die Firma weniger Geld, so West.

Das Museum öffnet im Juni

Die Schweizer Hersteller sind ebenfalls nicht gefeit vor Flops. Ein berühmtes Beispiel ist das Erfrischungsgetränk Rivella Gelb. 2008 wurde es mit viel Pomp lanciert, 2012 verschwand das Getränk mit Sojaserum wieder aus den Regalen. Entmutigen lässt sich Rivella vom Misserfolg aber nicht. Als sogenannte Limited Editions bringt der Schweizer Getränkeproduzent immer wieder neue Geschmacksrichtungen auf den Markt. Jüngst lancierte Rivella die Geschmacksrichtung Mango.

Wests Ausstellung tourt derzeit durch Schweden, Deutschland und die Niederlande. Am 7. Juni öffnet dann sein Museum die Tore am Standort in Helsingborg. In den Wochen nach der Eröffnung sollen Veranstaltungen rund um das Scheitern stattfinden. Dazu gehören etwa Verköstigungen mit gefloppten Produkten oder sogenannte Fuck-up Nights. An diesen Events erklären Firmengründer, wieso ihre Unternehmen gescheitert sind. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.04.2017, 20:23 Uhr

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