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Die SBB planen den anonymen Swiss Pass

Weil Kunden sich um ihre Privatsphäre sorgen: In Zukunft sollen digitale Billette auf eine unpersönliche Karte geladen werden können.

Neu soll der Swiss Pass unpersönlich sein. Bild: Keystone
Neu soll der Swiss Pass unpersönlich sein. Bild: Keystone

Die oberste Vertreterin der ÖV-Branche und Chefin des SBB-Personenverkehrs, Jeannine Pilloud, macht einen Kniefall vor ÖV-Kunden, die nicht wünschen, dass ihre Fahrt aufgezeichnet wird. Im Interview mit Redaktion Tamedia sagt sie: «Diese Sorge müssen wir ernst nehmen.» Als Antwort will die Branche einen anonymen Swiss Pass einführen. Das Projekt stehe in der «frühen Phase der Evaluation». Bis wann dieser eingeführt wird, sei offen. Zuerst müssen alle 244 ÖV-Anbieter die Voraussetzungen schaffen. Beobachter gehen von zwei, drei Jahren aus.

Heute sind rund 2,3 Millionen Swiss Passes im Umlauf, die mit einem persönlichen Abonnement verknüpft sind. Künftig sollen nicht nur Abos, sondern auch digitale Einzelbillette darauf geladen werden. Doch damit erfahren die ÖV-Anbieter, welche Strecken ein Kunde fährt. Die Privatsphäre geht verloren. Noch stärker ist dies mit den neuen ­Billett-Apps Lezzgo und Fairtiq der Fall. Diese zeichnen den Weg auf. Auch die SBB wollen eine solche App anbieten. Mit dem elektronischen Billett ebnen die ÖV-Anbieter das Terrain, um gedruckte Billette abzuschaffen.

Der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte Adrian Lobsiger kennt die Details des anonymen Swiss Pass nicht. Auf Anfrage sagt er: «Ich begrüsse die Möglichkeit, den ÖV auch künftig ohne Preisgabe einer Vielzahl von Daten nutzen zu können.» Wichtig sei, dass alle Kunden entsprechende Varianten nutzen könnten und dass ihnen «keine unnötigen Hürden in den Weg gelegt werden». Sein Wort hat Gewicht. Mit der Einführung des Swiss Pass vor drei Jahren hatten die SBB grossen Ärger mit ihm. Er stellte fest, dass die SBB personenbezogene Kontrolldaten sammelten, «ohne über eine gesetzliche Grundlage zu verfügen».

Lesen Sie das ausführliche Interview mit SBB-Personenverkehrs-Chefin Jeannine Pilloud.

Der Verein Pro Bahn, der Bahnkunden vertritt, gibt sich zurückhaltend. «Solange es gedruckte Billette gibt, sehe ich keinen Kundennutzen», sagt Präsidentin Karin Blättler. Digitale Billettträger hätten den Nachteil, dass man die Details, «etwa wie lange ein Billett gültig ist», nicht überprüfen könne. «Dieses Problem sehen wir bei Bergbahnen, die schon digitale Billette nutzen.» Pilloud sagt, man gehe davon aus, dass «höchstens 10 Prozent der Kunden sich für einen anonymen Swiss Pass entscheiden».

Video – Was der Swiss Pass kann und was nicht

Redaktion Tamedia-Wirtschaftsredaktor-Stefan Eiselin über den Swiss Pass. (Video: Nicolas Fäs)

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