Wo Sie am längsten zur nächsten Post brauchen

Die Post will jede zweite Filiale dicht machen. Eine neue Regel könnte sie dabei jedoch einschränken. Diese Regionen sind betroffen.

90 Prozent der Schweizer Bevölkerung sollte innerhalb von 20 Minuten eine Poststelle erreichen können: Eine Filiale im Kanton Graubünden.

90 Prozent der Schweizer Bevölkerung sollte innerhalb von 20 Minuten eine Poststelle erreichen können: Eine Filiale im Kanton Graubünden. Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Fast die Hälfte aller Poststellen wolle sie schliessen, kündigte die Post vor eineinhalb Jahren an. Im Konzernjargon ist zwar nicht von Schliessungen die Rede, sondern von einem «Ausbau an Zugangspunkten». Der Grund: Viele Poststellen werden nicht ersatzlos gestrichen, sondern durch sogenannte Postagenturen ersetzt. Durch einen Volg-Laden beispielsweise, der Post-Dienstleistungen anbietet, oder auch eine Gemeindeverwaltung oder eine Metzgerei. Trotz des Ersatzes: Poststellenschliessungen sind ein Leistungsabbau. Denn Agenturen bieten nicht sämtliche Dienstleistungen an. So kann dort etwa kein Bargeld einbezahlt werden.

Was der Staatsbetrieb schon seit langem nicht mehr gemacht hat, ist die Eröffnung einer neuen Poststelle. Doch genau dazu könnte sich die Post bald genötigt sehen. Denn eine von Bundesrätin Doris Leuthard eingesetzte Arbeitsgruppe möchte der Post bei deren Filialnetz schärfere Vorgaben machen. Die Post hätte dann beim Schliessen von Poststellen weniger Freiraum. Und: Sie würde die verschärften Kriterien schon heute nicht überall erfüllen.

Wenn die Post in Städten und Agglomerationen ein sehr dichtes Poststellennetz unterhält, kann sie die Randregionen vernachlässigen.

Die Post geht daher davon aus, dass sie in einzelnen Kantonen «neue Zugangspunkte» aufbauen müsste, wie es im gestern publizierten Bericht der Arbeitsgruppe heisst. Grob geschätzt rechnet die Post mit 15 Poststellen oder -agenturen, die sie neu eröffnen müsste. Wo sich diese befänden, kann die Post noch nicht genau sagen. Möglich ist, dass sie in den Kantonen Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, Freiburg und Obwalden zu liegen kämen. Denn in diesen vier Kantonen würde die Post die verschärften Kriterien nicht erfüllen, wenn sie ihren Filialabbau wie geplant umsetzt.

Infografik: Erreichbarkeit von Postfilialen Grafik vergrössern

Dasselbe gilt für Einsiedeln im Kanton Schwyz. Bislang handelt es sich bei den verschärften Kriterien erst um Empfehlungen. Diese gehen nun an den Bundesrat, der im Sommer darüber entscheiden wird. Die Empfehlungen haben aber gute Chancen, wie vorgeschlagen umgesetzt zu werden. Denn die Gruppe, die sie erarbeitet hat, ist breit abgestützt. Sie umfasst neben Vertretern des Bundes als Eigentümer der Post auch Vertreter der Berggebiete, der Städte und auch der Post selbst. Die Post trage die Empfehlungen der Arbeitsgruppe mit, auch wenn sie zu zusätzlichen Kosten führten, wie das Unternehmen gestern mitteilte. Werden sämtliche Empfehlungen umgesetzt, rechnet die Post mit Kosten von 10 bis 40 Millionen Franken verteilt über fünf Jahre. Allein die Errichtung neuer Filialen könnte bis zu 30 Millionen kosten, sofern keine Partner für Agenturlösungen gefunden werden.

In 20 Minuten zur Post

Um was geht es bei den verschärften Vorgaben? Schon heute muss die Post sogenannte Erreichbarkeitskriterien erfüllen. Diese besagen, dass 90 Prozent der Schweizer Bevölkerung innerhalb von 20 Minuten zu Fuss oder mit dem öffentlichen Verkehr (ÖV) eine Poststelle oder -agentur erreichen können müssen. Das Problem bei dieser Regelung: Wenn die Post in Städten und Agglomerationen ein sehr dichtes Poststellennetz unterhält, kann sie die Randregionen vernachlässigen. Denn da dort weniger Leute leben als in den dicht besiedelten Regionen, fällt es kaum ins Gewicht, wenn Personen aus einigen abgelegenen Dörfern lange Wege bis zur nächsten Post zurücklegen müssen.

Bilder: Post baut Filialen ab

Daher schlägt die Arbeitsgruppe vor, die Erreichbarkeit künftig auf Stufe Kanton zu messen. Das hiesse, dass in jedem einzelnen Kanton 90 Prozent der Bevölkerung innerhalb von 20 Minuten eine Poststelle oder -agentur erreichen können müssten. Die Post könnte damit eine schlechte Erschliessung in ländlichen Kantonen nicht mehr mit einem dichten Filialnetz in städtischen Kantonen kompensieren. Allerdings: Die Post könnte solche Kompensationen nach wie vor innerhalb eines Kantons vornehmen. Möglich ist das vor allem in grossen Kantonen mit starken Zentren und sehr abgelegenen, bevölkerungsarmen Gebieten. Dort dürfte es reichen, Postfilialen nur in den Zentren zu betreiben, um das Erreichbarkeitskriterium zu erfüllen.

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Die Vorschläge der Arbeitsgruppe sollen auch gegen eine Ausdünnung des Filialnetzes im dicht besiedelten Raum wirken. Denn von einer Agglomerationsgemeinde gelangt man in manchen Fällen problemlos innert 20 Minuten per ÖV zur Postfiliale in der nächsten Stadt. Im Extremfall könnte die Post in einem städtischen Einzugsgebiet also nur noch eine einzige zentrale Poststelle betreiben. Um das zu verhindern, soll eine neue Vorgabe definiert werden: Sie besagt, dass in allen städtischen Gebieten sowie pro 15'000 Einwohner oder Beschäftigte mindestens eine Poststelle oder -agentur bestehen muss.

Agenturen sollen die gleichen Dienstleistungen anbieten wie Poststellen.

Einen Unterschied zwischen Poststelle und Postagentur macht die Arbeitsgruppe bei den Erreichbarkeitskriterien jedoch nicht. Die Post wird also wie bis anhin richtige Filialen schliessen und durch Agenturen ersetzen können. Allerdings fordert die Arbeitsgruppe, dass die Attraktivität der Agenturen verbessert werden müsse. So soll das Personal besser geschult werden. Zudem wird gefordert, dass Agenturen die gleichen Dienstleistungen anbieten wie Poststellen. Für Bareinzahlungen wird jedoch eine Ausnahme gemacht: Mittlerweile habe auch die Politik anerkannt, dass das unter anderem wegen Geldwäschereibestimmungen nicht möglich sei, heisst es in dem Bericht.

Dafür soll eine andere Regelung verschärft werden: Auch der nächste Standort der Post, an dem eine Bareinzahlung möglich ist, soll für 90 Prozent der Bevölkerung innert 20 Minuten erreichbar sein. Bislang gilt hier eine Zeitvorgabe von 30 Minuten. Wo dies nicht gegeben sei, soll die Post Bareinzahlungen per Briefträger ermöglichen. An einigen Orten ist das bereits heute möglich. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.05.2018, 06:45 Uhr

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