Die Plastikfabrik von Ostermundigen

Um sich auf dem Markt zu behaupten, expandiert das Familienunternehmen Semadeni Plastics Group unter anderem nach Ostdeutschland und Griechenland.

Pellets und fertige Schächtelchen des Holz-Kunststoffs von Semadeni in Ostermundigen.

Pellets und fertige Schächtelchen des Holz-Kunststoffs von Semadeni in Ostermundigen. Bild: Manu Friederich

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Griechenland ist derzeit nicht der Standort, den man einem Schweizer Unternehmen als neuen Markt anpreisen würde. Patrick Semadeni widerspricht: «Das Land erholt sich langsam wieder von der Schuldenkrise, trotz der hohen Arbeitslosigkeit.» Semadeni ist Verwaltungsratspräsident und Chef der Semadeni Plastics Group in Ostermundigen. Das Familienunternehmen hat in der Nähe von Thessaloniki eben einen neuen Ableger gegründet. Es handelt sich um ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem griechischen Kunststoff-Produzenten.

Die neu gegründete Hellas Packaging funktioniert als reine Handelsgesellschaft. Sie wird besonders die Lebensmittelbranche beliefern: Gefragt sind Plastikverpackungen für griechisches Joghurt, Feta und andere Milchprodukte.

Was in Griechenland verkauft wird, kommt aber nicht aus der Semadeni-Fabrik aus Ostermundigen, sondern aus Bosnien und weiteren südosteuropäischen Ländern. Semadeni ist eine Zwischenhändlerin. Insgesamt kann das Berner Unternehmen rund 7000 Kunststoff-Artikel liefern – darunter sowohl selbst hergestellte wie eingekaufte. Mit dieser Strategie konnte Patrick Semadeni seine Position im Markt halten. Doch die Konkurrenz und der Preisdruck in der Branche sind gross.

Material für die Pharmaindustrie

So stellt das Unternehmen in Ostermundigen, wo 100 der insgesamt 150 Angestellten arbeiten, vor allem hochwertige Produkte her, insbesondere für Labors und für die Medizinaltechnik. So beispielsweise Pipetten, Einwegspritzen oder Messzylinder – sie unterliegen strengen Qualitätsvorschriften. Abnehmer ist vor allem die Pharmaindustrie in der Schweiz, aber auch in Deutschland und Österreich.

Diese Produktpalette unterscheidet Semadeni von der Emmentaler Mopac, die in der Schweiz unter anderem Lebensmittelverpackungen herstellte und vor drei Jahren zahlungsunfähig war und zwei Drittel der Angestellten entlassen musste. «In Ostermundigen haben wir gut ausgebildetes Personal mit einer hohen Produktivität», sagt Semadeni. Zudem sei der Spritzguss-Prozess automatisiert und benötige wenig Handarbeit. So lasse sich auch hierzulande profitabel arbeiten.

Ein weiterer Faktor sind die Energiekosten für die Industrie: Diese sind laut Semadeni in der Schweiz tiefer als im umliegenden Ausland, insbesondere als in Deutschland. «Das ist ein Standortvorteil.» Infolge des starken Frankens sah sich aber auch Firmenchef Semadeni gezwungen, in den letzten Jahren «selektiv» Stellen abzubauen. Damit Semadeni eine grössere Palette an Produkten anbieten kann, hat das Unternehmen 2015 die Firma Logo-Plastic in Pratteln bei Basel übernommen – und 2016 die ostdeutsche Firma PET Sachsen. In diesen Werken stellt Semadeni Verpackungen für Konsumgüter her – etwa für Duschgel oder für Putzmittel.

Plastik aus dem Meer und aus Holz

Dass der allgegenwärtige Kunststoff grösstenteils aus Erdöl hergestellt wird, ist kein Geheimnis. Recycling ist zwar ein grosses Thema – doch für viele Produkte wird, unter anderem aus Qualitätsgründen, vor allem neu hergestelltes Material verwendet. Semadeni hat inzwischen einige Produkte im Sortiment, die zu 100 Prozent aus wiederverwertetem PET bestehen – in diese füllen die Kunden unter anderem Scheibenreiniger für Autos ab. In den kommenden Wochen wird sich Semadeni an einem Projekt der belgischen Organisation Waste Free Oceans beteiligen: Diese sammelt in den Weltmeeren Plastikabfall ein und lässt diesen zu Kunststoffgranulat verarbeiten, mit dem wieder neue Produkte hergestellt werden können.

Für medizinaltechnische Produkte eignet sich solches Material aber nicht, wie Patrick Semadeni sagt. Das gilt auch für ein anderes Recycling-Produkt des Unternehmens: ein Kunststoff, der zur Hälfte aus Holzspänen aus Sägereien besteht. Sowieso sei dieser Stoff ein Nischenprodukt geblieben – auch weil er teurer sei als normaler Kunststoff.

Grossvater kam aus Graubünden

Die Semadeni Plastics Group erzielt einen Jahresumsatz von rund 40 Millionen Franken. Patrick Semadeni führt das Ostermundiger Unternehmen bereits in der dritten Generation. Sein Grossvater Andrea Semadeni kam über Umwege aus dem Graubünden nach Bern und gründete das Unternehmen 1952. Vor 15 Jahren übernahm der heutige Chef das Unternehmen von seinem Vater Georges Semadeni – und startete die Expansion ins Ausland. (Der Bund)

Erstellt: 13.01.2018, 08:05 Uhr

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