Die Migros weiss, was Sie kaufen möchten

Beim Pilotprojekt «My Migros» analysiert der Detailhändler das Kaufverhalten von Berner Kunden und baut daraus einen individuellen Onlineshop für jeden einzelnen Kunden.

In der Migros-Filiale im Shoppyland werden die Onlineeinkäufe aus dem neuen Shop zusammengestellt und verschickt.

In der Migros-Filiale im Shoppyland werden die Onlineeinkäufe aus dem neuen Shop zusammengestellt und verschickt.

(Bild: Christian Pfander)

Mischa Stünzi

Nehmen wir an, ein Kunde kauft bei der Migros jeden Samstag ein Päckchen Rauchlachs für den Frühstückstisch am Sonntagmorgen. Da wäre es doch praktisch für ihn, eine Verkäuferin würde ihm den Fisch jeweils samstags direkt beim Eingang zur Filiale in die Finger drücken. So in etwa funktioniert der neue Onlineshop der Migros mit dem Namen «My Migros». Dort wird unserem Beispielkunden bei seinem Kaufverhalten rasch einmal jeweils am Samstag ganz zuoberst im Sortiment der Rauchlachs angezeigt.

«My Migros» ist ein neues Pilotprojekt der Migros Aare im Bereich Onlineshopping und derzeit nur für rund 200 ausgewählte Kunden im Raum Bern verfügbar, wie das Fachportal Etailment.de berichtet. Grundlage für die Plattform ist die individuelle Einkaufsroutine der Kunden, gemessen an den Cumulus-Daten. Insofern ist der neue Shop auch ein weiterer Versuch der Migros, die Cumulus-Daten zu monetarisieren.

Schneller einkaufen

Auf «My Migros» werden den Kunden aber nicht nur jene Produkte prominent angezeigt, die sie häufig einkaufen. Der Algorithmus schätze auch ab, wann die Produkte benötigt würden, und sortiere diese daraufhin im Onlineshop dementsprechend, sagt Andrea Bauer, Sprecherin der Migros Aare. Ein Beispiel: Wenn jemand Toilettenpapier einkauft, prognostiziert das System, wie lange die gekaufte Packungsgrösse in etwa reicht. Nach Ablauf dieser Frist zeigt es Toilettenpapier im Onlineshop automatisch wieder weiter oben an. Produkte, die der Kunde kaum je kauft, müssen wie im gewöhnlichen Onlineshop über eine Suchfunktion gefunden werden.

Ziel des Projekts, das seit August läuft, bisher aber nicht öffentlich kommuniziert wurde, ist es, dem Kunden das Einkaufen zu vereinfachen. Die Migros wirbt mit einem «blitzschnellen» Einkauf, der in nur 10 Minuten erledigt sei. Das soll neue Kunden in den Onlinesupermarkt locken und bestehende Kunden binden. Getestet wird derzeit vor allem die Kundenakzeptanz, wie Bauer sagt.

Details zu den gemachten Erfahrungen will die Migros in den nächsten Wochen bekannt geben. Diese sollen letztlich nicht nur der in den Kantonen Bern, Aargau und Solothurn agierenden Migros Aare zugutekommen, sondern der ganzen Migros-Gruppe. Aus diesem Grund versteht die Migros Aare ihr Projekt auch nicht als Konkurrenz zum bestehenden Onlineshop Le Shop. Weil man die Idee hinter «My Migros» rasch habe testen wollen und das Projekt dabei flexibel und agil bleiben sollte, habe man sich entschieden, es als eigenständige Lösung zu testen, erklärt Bauer.

Erste Erkenntnisse sind positiv. Laut Bauer nutzt über die Hälfte der Erstbesteller den Onlineshop erneut. Bereits sind die Neuerungen teilweise bei der Plattform Amigos eingeflossen. Amigos nennt die Migros ihr Programm, bei dem Privatpersonen den Migros-Kunden ihre Einkäufe nach Hause bringen. Dort lassen sich seit neustem, analog zu «My Migros», Lieblingsprodukte wählen, die dann beim Einkauf prominenter angezeigt werden.

Schneller ausliefern

Zusammengestellt und verpackt werden die «My Migros»-Einkäufe in der Shoppyland-Filiale – weil dort ein umfangreiches Sortiment zur Auswahl steht. Von Schönbühl aus werden sie in eine Zentrale in Bern gebracht und gelangen dann per Velokurier zu den Kunden.

Für den Transport per E-Cargobike habe man sich nicht nur aus umwelttechnischen Gründen entschieden, so Bauer. Es gehe auch darum, Erfahrungen mit neuen Zustellmodellen auf der letzten Meile zu sammeln. So können die Kunden beispielsweise ein Zeitfenster festlegen, in dem das Paket zugestellt wird.

Der Versand per E-Cargobike eigne sich natürlich vor allem für städtische Gebiete, räumt Bauer ein. Wie die Einkäufe in ländlichen Regionen zum Kunden kämen – sollte das Angebot dereinst grossflächig ausgerollt werden –, lässt sie noch offen.

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