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Die Migros Aare startet ein 100-Millionen-Sparprogramm

Die Genossenschaft startet ein umfassendes Sparprogramm. So will sie der Konkurrenz aus dem Internet begegnen.

Auch im Berner Einkaufscenter Welle 7 kämpft die Migros als Gebäudeeigentümerin mit tiefen Kundenströmen – zumindest in den unteren Stockwerken.
Auch im Berner Einkaufscenter Welle 7 kämpft die Migros als Gebäudeeigentümerin mit tiefen Kundenströmen – zumindest in den unteren Stockwerken.

Die Migros schwimmt im Geld – das galt jahrelang. Mit Einkaufstourismus, deutschen Discountern und der Konkurrenz aus dem Internet ist der orange Riese jedoch gleich von drei Seiten unter Druck geraten.

Fabrice Zumbrunnen, der neue Chef des Migros-Genossenschafts-Bunds, hat letztes Jahr ein umfassendes Sparprogramm angekündigt. Nun zieht die grösste der zehn regionalen Migros-Genossenschaften nach: die Migros Aare, die sich über die Kantone Bern, Aarau und Solothurn erstreckt.

Das Programm heisst schlicht Fokus. Das Ziel: Kosten in der Höhe von 3 Prozent des Umsatzes der Migros Aare einsparen. Beim 2018 erzielten Umsatz von 3,4 Milliarden Franken also gut 100 Millionen Franken. Bis Ende März überprüft eine Gruppe unter Projektleiter Markus Neumeier jeden Ausgabeposten.

Alle Bauprojekte werden überprüft

«Wir durchleuchten sämtliche Bereiche: in der Betriebszentrale genauso wie an den Standorten und bei Bauprojekten», wird Neumeier in der Mitarbeiterzeitschrift der Genossenschaft zitiert. Für das Sparprogramm wurden auch externe Berater engagiert, wie Sprecherin Andrea Bauer bestätigt.

Die Frage, wie tief die Einschnitte des Sparprogramms ausfallen würden, könne man noch nicht beantworten: «Erst wenn wir die Transparenz über alle Einsparpotenziale haben, werden Massnahmen entschieden und umgesetzt», schreibt Sprecherin Bauer.

Laut der Migros soll jedoch besonders bei Bauprojekten Geld gespart werden. Das macht hellhörig. Denn die Genossenschaft erweitert derzeit im grossen Stil ihre Logistikzentrale in Schönbühl. Und sie plant einen aufwendigen Totalumbau der Migros an der Berner Marktgasse mit neuen Gastroformaten, einem offenem Innenhof und einem Migros-Restaurant über den Dächern der Altstadt. Für den Umbau sind 75 Millionen Franken budgetiert.

Wird die Planung für die neue Migros Marktgasse nun auf Eis gelegt? Jedes Bauprojekt der Migros Aare werde überprüft, schreibt die Genossenschaft auf Anfrage. Im Fall der Marktgasse sei aktuell immer noch vorgesehen, die nötige Überbauungsordnung im Spätsommer abzuschliessen und anschliessend dem Stadtberner Stimmvolk zur Abstimmung zu unterbreiten.

So oder so: Alleine mit der Reduktion ihrer internen Kosten wird die Migros Aare ihr Sparziel kaum erreichen. Denn rund zwei Drittel ihrer Ausgaben machen eingekaufte Waren und Dienstleistungen aus.

So wird die Genossenschaft gehörig Druck auf ihre Lieferanten ausüben, damit diese ihre Preise senken. Dabei arbeitet die Migros Aare mit dem Genossenschafts-Bund zusammen.

Bereits im April solle die Migros-Aare-Belegschaft von ersten Massnahmen des Sparprogramms erfahren, kündigt Projektleiter Markus Neumeier an.

Gleichzeitig mit dem Sparprogramm Fokus läuft bei der Migros Aare das Projekt Polaaris. Dabei geht es um die Erarbeitung der neuen Strategie der regionalen Genossenschaft. Mit den einzusparenden 100 Millionen Franken will sie sich den «benötigten finanziellen Spielraum» schaffen, um den Herausforderungen der Digitalisierung zu begegnen, wie es heisst.

Supermärkte sollen wie Warenhäuser werden

Das Projekt Polaaris soll den Kunden des Internetzeitalters begegnen, die genau die gewünschten Produkte kaufen wollen – und dies zu jeder Uhrzeit. Die Migros-Supermärkte mit ihren oft kleinen bis mittelgrossen Filialen mit beschränkten Öffnungszeiten sind so ziemlich das Gegenteil davon. «Die grosse Herausforderung besteht für die Migros Aare darin, im bisherigen Kerngeschäft weiter erfolgreich zu sein und gleichzeitig neue Geschäftsmodelle voranzutreiben, die uns die Umsätze und Erträge der Zukunft sichern», schreibt die Migros Aare auf ihrer Website.

Aus der im Internet aufgeschalteten Zusammenfassung der Polaaris-Strategie lassen sich bereits einige Veränderungen der Migros herauslesen: So soll das «Kundenerlebnis» gesteigert werden – was bisher die Warenhäuser taten, wird also auch im Supermarkt umgesetzt. Zudem soll das Angebot für die Migros-Kunden künftig mit Angeboten externer Partner ergänzt werden, um die Kundenbedürfnisse besser abzudecken. Und die Kunden werden künftig dank Datenauswertung «personalisiert» bedient. Dabei soll es keine Rolle spiele, ob sie online oder im Laden einkaufen.

Für die Erarbeitung der neuen Strategie hat die Migros einen Ansatz gewählt, der die fast 12000 Angestellten miteinbezieht. Während des letzten Jahres fanden quer durch das Unternehmen Workshops statt, um Ideen zu sammeln.

Der Entwurf der neuen Strategie ist nun auf einer internen Website aufgeschaltet und kann von den Mitarbeitenden kommentiert werden. Die Eckpfeiler der Strategie hat die Migros Aare dabei mit Detailhandels-Superhelden im Comic-Stil versehen. Ihre Superkräfte bestehen etwa aus Kundenorientierung, Agilität und Kenntnissen in Big Data.

Schon ein Drittel aller Angestellten habe sich auf dem Portal registriert, schreibt die Migros Aare in ihrer Mitarbeiterzeitschrift freudig. Doch das Unternehmen zitiert auch kritische Stimmen aus dem Mitwirkungsprozess: So frage eine Kassiererin, was sich für sie konkret ändern werde, und ein Mitarbeiter der Migros-Klubschule wünsche «weniger Schlagworte».

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