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Die Migros Aare putzt jetzt auch Wohnungen und hütet Kinder

Der Detailhändler experimentiert mit neuen Angeboten und Vertriebskanälen.

Angebote aus dem neuen Projekt Zyt für di der Migros Aare.
Angebote aus dem neuen Projekt Zyt für di der Migros Aare.
zvg

Bloss nicht den Anschluss an die Zukunft verpassen! So lautet die neue Devise der Migros Aare. Deshalb hat die Genossenschaft, die in den Kantonen Bern, Solothurn und Aargau tätig ist, eine Reihe von Versuchsballons gestartet.

Der neuste heisst «Zyt für di» und besteht darin, den Kunden eine Freizeitaktivität zusammen mit einer gleichzeitig stattfindenden Dienstleistung zu verkaufen. Also zum Beispiel einen Wellnesstag im Bernaqua im Westside zusammen mit einer Wohnungsreinigung. Oder einen Kinoeintritt im Cinedome in Muri mit gleichzeitigem Veloservice. Oder einen Shoppinggutschein fürs Westside zusammen mit bis zu vierstündiger Kinderbetreuung.

Zwar lagert die Migros einige Aktivitäten wie das Putzen an Partnerunternehmen aus, doch wird versucht, das meiste innerhalb der Genossenschaft anzubieten, so etwa alle Wellnessangebote, den Veloservice oder auch ein «romantisches Essen» auf dem Gurten.

Zauberwort Design Thinking

Ob «Zyt für di» ein Erfolg wird, ist noch offen – und scheint derzeit auch nicht das Wichtigste zu sein. Die Migros Aare arbeitet derzeit an ihrer neuen Strategie namens Polaaris. In diesem Rahmen will sie das Design Thinking ins Zentrum stellen. Design Thinking ist das neue Lieblingskonzept vieler Unternehmensentwickler – und besteht im Kern aus dem simplen Grundsatz, bei allen Handlungen immer an den Kunden zu denken und die Kundensicht einzunehmen.

Ein weiteres Projekt der Migros Aare ist die «PickMup-Box». Dabei werden Online-Einkäufe nicht nach Hause geliefert (weil Arbeitstätige tagsüber nicht zu Hause sind), sondern in einer Box deponiert, wo sie der Kunde auf dem Nachhauseweg abholen kann. Die Migros hat letzten Herbst drei solche Standorte (einer im Centre Brügg bei Biel, zwei im Aargau) in Betrieb genommen. In den kommenden Monaten sollen weitere Standorte an ÖV-Knotenpunkten, in Quartieren, bei Tankstellen oder vor Bürokomplexen folgen, wie die Migros Aare gestern mitteilte. Wenn sich das Pilotprojekt als Erfolg herausstelle, werde das Abholnetz schweizweit ausgedehnt.

Weiter testet die Migros Aare zurzeit auch mit «My Migros» einem personalisierten Onlineshop («Bund» vom 14. März), der konzernintern den etablierten, aber etwas verschlafenen Le Shop konkurrenziert.

Zudem kurvt seit einigen Monaten der Miacar durch die Gemeinden Ittigen, Muri und Ostermundigen – ein Elektrolieferwagen, der Migros- und Denner-Artikel aus den lokalen Filialen nach Hause liefert.

Home Button wurde beerdigt

Dass solch bunte Projekte auch bald wieder beerdigt werden können, zeigt das 2018 gestartete Projekt «Migros Home Button»: Die Migros Aare liess 100Kunden einen kleinen Scanner zu Hause testen, mit dem per Knopfdruck Haushaltartikel nach Hause bestellt werden konnten. Doch der Home Button «hat sich als nicht genügend Erfolg versprechend erwiesen und wurde deshalb gestoppt», wie Sprecherin Andrea Bauer schreibt. Es habe sich gezeigt, dass die Kunden eine Bestellmöglichkeit am Bildschirm bevorzugten.

Für all die digitalen Projekte benötigt die Migros Aare Geld. Diese Mittel sollen mit dem Sparprogramm Fokus freigeschaufelt werden. Wie der «Bund» Ende Februar publik machte, will die Migros Aare mit Fokus ihre jährlichen Kosten um 100 Millionen Franken senken. Wo und wie gespart werden soll, gibt die Genossenschaft noch nicht bekannt.

Wie aus dem gestern veröffentlichten Geschäftsbericht der Migros Aare hervorgeht, ist der Detailhandelsriese mit seinen 11900 Angestellten stabil unterwegs: Der Umsatz stieg um 2,5Prozent auf 3,4 Milliarden Franken, der Reingewinn nahm auf tiefem Niveau um 15Prozent auf 35 Millionen Franken zu.

Während die Migros-Supermärkte auch teuerungsbereinigt mehr verkaufen konnten, nahmen die Umsätze bei der Gastronomie, den Möbelmärkten und bei der Klubschule ab.

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