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Die Heuchelei der G-20-Staaten

Trotz ihren Bekenntnissen zum Freihandel haben die G-20-Staaten im letzten Jahrzehnt durchschnittlich alle zehn Stunden eine Massnahme zum Schaden eines Handelspartners ergriffen.

Erneut hat der Handelskrieg zwischen den USA und China in der letzten Woche die Weltpolitik und die Kapitalmärkte in Atem gehalten. Beim Treffen der G-20-Staaten wurde zwar ein vorübergehender Waffenstillstand vereinbart. Glaubwürdig erschien das nicht: Die Sorgen vor einer nächsten Eskalationsstufe haben in den Tagen darauf die Börsen einbrechen lassen.

Eine neue Studie des in St. Gallen lehrenden Ökonomen Simon Evenett und seines Mitarbeiters Johannes Fritz stellt anhand umfangreicher Daten den Konflikt in einen grösseren Zusammenhang. So macht sie klar, dass der Protektionismus in den Handelsbeziehungen nicht erst mit der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten begonnen hat. Trotz ihren steten Bekenntnissen zum Freihandel haben die G-20-Staaten im letzten Jahrzehnt durchschnittlich alle zehn Stunden eine Massnahme zum Schaden eines Handelspartners ergriffen.

Protektionismus zur offiziellen Politik erhoben

Der von Trump losgetretene Handelskrieg vor allem mit China ist schärfer, als es die neu eingeführten Zölle zeigen. Kaum im Fokus sind die weiteren Benachteiligungen von Produkten aus China. Sie eingerechnet, belasten die USA chinesische Exporte im Wert von 369 Milliarden Dollar. Das ist ein Drittel mehr als die Güter, die durch die Zollaufschläge betroffen sind. Im Jahr 2017, noch vor dem Handelskrieg, waren 70 Prozent aller Exporte Chinas in die USA und umgekehrt von Handelsbeschränkungen des jeweils anderen Landes betroffen. Jetzt ist dieser Anteil auf 87 Prozent der Exporte Chinas in die USA und auf 92 Prozent der Exporte der USA nach China angestiegen. Dennoch: Die Zollerhöhungen der beiden Länder machen bloss 22 Prozent aller international ergriffenen Importbeschränkungen aus. Massnahmen zur Förderung der Exporte, um ausländische Konkurrenten zu benachteiligen – zum Beispiel Subventionen –, haben eine noch grössere Bedeutung.

Die wichtigste Neuerung von Trumps Politik besteht darin, dass er den Protektionismus zur offiziellen Politik erhebt, ihn salonfähig macht. Die grosse Gefahr besteht darin, dass auch andere Länder sich dem Beispiel der Supermacht anschliessen und jede noch bestehende Zurückhaltung aufgeben. Es ist politisch einfacher, einen eng verstandenen nationalen Egoismus zu vertreten, selbst wenn er am Ende jedem Land mehr schadet als nützt. Wenn das einmal beginnt Schule zu machen, dann kommt die wahre Katastrophe, wie auch die Studienautoren warnen und wie die Geschichte lehrt.

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