Zum Hauptinhalt springen

Der Sparer ersetzt die Bank

Crowdlending kann mehr sein als ein gutes Geschäft für beide Seiten. Es bietet Anlegern die Chance, eine persönliche Beziehung zu einem Unternehmen aufzubauen.

Ein IT-Unternehmen sucht derzeit 120'000 Franken für einen neuen Standort in Bern. Eine Pharmafirma will 100'000 Franken aufnehmen, um sich eine neue Anlage zu beschaffen. Beide Unternehmen gehen ­dafür nicht zur Bank. Sie versuchen, das Geld übers Internet bei privaten Investoren einzusammeln. Diese sollen sich mit einigen Tausend Franken an den Projekten beteiligen. Dafür erhalten sie einen Zins von ­etwas mehr als 2 Prozent bei der Pharmafirma oder gegen 6 Prozent beim IT-Unternehmen. Das scheint für die Investoren attraktiv genug. Beide Firmen sind auf gutem Weg, das Geld über Crowdlending-Platt­formen zusammenzubringen.

Noch ist die Bedeutung dieser Plattformen ­gering. Doch sie wachsen rasant. Die Crowdlender ­bedrängen damit die Banken in ihrem ureigensten ­Geschäft. Sie nehmen überschüssige Gelder von Kleinsparern und vergeben diese als Kredit an Kleinfirmen. Und das ist gut so. Denn viele Firmen hätten bei der Bank kein Geld erhalten. Dies, weil das Institut nicht daran glaubt, dass es das Geld von der Firma wieder zurückbekommt. Oder weil es sich für die Bank nicht ­gelohnt hätte, so kleine Kredite zu verleihen. An diesem Missstand tragen nicht nur die Banken Schuld. Strengere Vorschriften haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass für sie der Aufwand bei der Kreditvergabe steigt. Kleine Kredite bringen ihnen nur eine kleine Marge. Das wird für viele KMU zum Problem.

Crowdlending bietet einen Ausweg. Die neue Form des Geldverleihs kann mehr sein als ein gutes Geschäft für beide Seiten. Wer sich durch die Portale klickt, lernt viel über die KMU. Die kreditsuchenden Firmen geben einiges von sich preis, um an das Geld zu kommen. Ein Investor könnte über die Laufzeit des Kredits eine persönliche Beziehung zum Unternehmen aufbauen. Er sieht direkter als bei einer Aktie eines Grosskonzerns, welche Wirkung seine Investition entfaltet. Er ist ein Stück weit dabei, wenn die Firma den neuen Standort eröffnet oder die neue ­Anlage in Betrieb nimmt – aber auch, wenn sie Konkurs anmeldet. Denn auch das kann zum Lebens­zyklus eines Unternehmens dazugehören.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch