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Der Satz, der 925 Millionen Euro kostete

Die Deutsche Bank muss den Erben von Medienmogul Leo Kirch Hunderte Millionen zahlen. Alles nur wegen eines Satzes in einem Fernsehinterview.

Machte die Deutsche Bank für die Pleite seines Unternehmens verantwortlich: Der 2011 verstorbene Medienunternehmer Leo Kirch. (25. März 2011)
Machte die Deutsche Bank für die Pleite seines Unternehmens verantwortlich: Der 2011 verstorbene Medienunternehmer Leo Kirch. (25. März 2011)
Reuters

Die Deutsche Bank hat nach zwölf Jahren einen Schlussstrich unter das Kapitel Leo Kirch gezogen. Heute einigte sich die Bank auf einen Vergleich mit den Erben des mittlerweile verstorbenen Medienunternehmers, wie die Bank in Frankfurt am Main mitteilte. Die Bank zahle 775 Millionen Euro plus Zinsen und pauschaler Kostenerstattung. Nach Informationen der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» beläuft sich die Gesamtsumme auf 925 Millionen Euro.

Und das alles nur wegen eines Satzes in einem Fernsehinterview: Am 4. Februar 2002 war der damalige Vorstandsvorsitzende der Bank, Rolf Breuer, im Nachrichtensender Bloomberg zur Situation von Kirchs Medienunternehmen befragt worden. Breuer zweifelte die Kreditwürdigkeit Kirchs an, kurz darauf gaben die Banken diesem kein Geld mehr und Kirch verlor seinen Konzern.

«Erschossen hat mich der Rolf»

Kirch, zu dessen Medienimperium die Sender Sat 1, Prosieben und Premiere (heute Sky) und eine gigantische Filmbibliothek gehörten, kreidete seine Pleite bis zu seinem Tod im Jahr 2011 dem damaligen Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer an. «Erschossen hat mich der Rolf», sagte Kirch und verklagte die Bank. Seine Erben führten den Prozess fort. Der Rechtsstreit zog sich über elf Jahre, die Bank geriet dabei immer mehr in Bedrängnis. Der Vorwurf: Die Bank habe Kirch bewusst in die Insolvenz getrieben, um an einer Zerschlagung des Konzerns zu verdienen. Die Bank bestreitet das.

Ein bereits ausgehandelter Vergleich scheiterte im März 2012. Der scheidende Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte mit den Erben vereinbart, dass die Bank 775 Millionen Euro plus Zinsen zahlt. Der Bank-Vorstand stimmte dem Vorschlag aber in letzter Minute nicht zu. Kurz vor Weihnachten 2012 hatte das Oberlandesgericht München die Deutsche Bank dann prinzipiell zu Schadenersatz verurteilt. Gutachter waren bereits damit beauftragt worden, die genaue Höhe des Schadens zu bestimmen. Die Kirch-Erben forderten über zwei Milliarden Euro.

Staatsanwaltschaft ermittelt weiter

In den vergangenen Wochen tauchten in Medienberichten immer wieder Informationen aus internen Bankdokumenten auf, die teilweise die Sicht der Bank stützten, Kirch sei zum Zeitpunkt des Interviews bereits pleite gewesen. Der Grossteil der Informationen belastete aber die Deutsche Bank schwer und stützte die Kirch-Sicht, die Deutsche Bank habe an einer Pleite verdienen wollen.

Nun stimmte die Bank einem Vergleich über die gleiche Summe wie beim ersten Vergleichsvorschlag zu. «Mit der heutigen Vereinbarung legen wir einen altbekannten und langjährigen Rechtsstreit bei», erklärten die beiden Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen und Anshu Jain. Dies liege im besten Interesse der Aktionäre. Das Oberlandesgericht hat den Eingang des Vergleichs bereits bestätigt, die Klagen Kirchs sind zurückgenommen.

Ganz ausgestanden ist das Thema Kirch für die damaligen Verantwortlichen bei der Bank aber noch nicht. Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt weiter gegen die Ex-Vorstände Breuer und Ackermann wegen Prozessbetrugs, erklärte ein Sprecher der Behörde. Auch der jetzige Co-Vorsitzende Fitschen muss eine Anklage befürchten, weil er im Prozess «bewusst unwahre Angaben» gemacht haben soll. Fitschen wie auch Breuer und Ackermann bestreiten die Vorwürfe.

AFP/ldc

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