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Das Warenhaus muss entstaubt werden – oder es stirbt aus

Auch in der Zeit des Online-Handels kann Manor überleben, findet Wirtschaftsredaktor Mischa Stünzi – Grund ist das Einkaufserlebnis.

Es wird sicher nicht leicht für Manor an der Kramgasse.
Es wird sicher nicht leicht für Manor an der Kramgasse.
Adrian Moser

Dass die Warenhauskette Manor nach Bern kommen will, klingt wie ein Anachronismus. Die Institution Warenhaus hat etwas Angestaubtes. Diese überdimensionierten Krimskramsläden, in denen die Kunden alles finden sollen und eben gerade deswegen das Gesuchte oft nicht finden. Weil zwischen Fingerhüten, Trinkflaschen, Babypuppen und Seidenstrümpfen nicht auch noch Platz war für genau jene Krawatte, die so gut zum Lieblingsanzug passen würde.

Viel praktischer ist da doch jenes Warenhaus mit dem schier endlosen Sortiment, dessen Pforten rund um die Uhr geöffnet sind: das Internet. Anbieter wie Amazon und Galaxus haben das Einkaufen per Knopfdruck dank gewieften Suchalgorithmen zum Kinderspiel gemacht. Nicht selten bieten sie zudem tiefere Preise als die Konkurrenten aus Stahl oder Sandstein.

Hat das Warenhaus ausgedient? Nein, keineswegs. Denn das Warenhaus kann etwas, was die Anbieter aus Bits und Bytes selten zustande bringen: Es kann die Sinne ansprechen und im besten Fall Emotionen wecken. Ein Kunde kauft viel eher teuren Wein, wenn er ihn zuvor im Laden probieren konnte. Der Anzug darf ruhig etwas mehr kosten, wenn man sich von der Stoffqualität selber überzeugen konnte. Und wenn einem dann an der Bar in der Herrenabteilung noch ein Espresso serviert wird, während man auf den Berater wartet, wird aus dem Einkaufen schnell einmal ein Erlebnis. Das ist es, was das moderne Warenhaus erreichen muss. Shoppen können die Kunden auch online, erleben nur offline.

Was Manor in Bern genau vorhat, ist noch nicht bekannt. Die Basler wollen erst jetzt mit der Detailplanung beginnen. Die Erfolgsaussichten lassen sich deshalb nur schwer abschätzen. Eines ist aber gewiss: Leicht wird es Manor nicht haben. Bern hat nicht auf Manor gewartet, und auch etablierte Berner Händler setzen auf Erlebnisse und investieren dafür Millionen. Sie profitieren zudem von ihrer Stammkundschaft – einem Vorteil, den sich der Neuling erst erarbeiten muss.

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