Das sonderbare Jahr der UBS

Der Gewinn der Schweizer Grossbank ist im vergangenen Jahr auf die Hälfte eingebrochen. Dennoch machte die UBS vieles richtig.

Für die Grossbank bleibt vieles in der Schwebe: UBS-Chef Sergio Ermotti. Foto: Eric Tschaen (Laif)

Für die Grossbank bleibt vieles in der Schwebe: UBS-Chef Sergio Ermotti. Foto: Eric Tschaen (Laif)

Jorgos Brouzos@jorgosbrouzos

Mehr als 4 Prozent verloren die Aktien der UBS gestern. Der Kurseinbruch überrascht. War es doch der grössten Schweizer Bank mit ihrem Jahresergebnis gelungen, die Erwartung der Analysten deutlich zu übertreffen. Der Jahresgewinn fiel mit mehr als 3 Milliarden Franken wesentlich höher aus, als von den Experten im Vorfeld erwartet worden war. Doch das von Sergio Ermotti geführte Institut schaffte es nicht, an das erfolgreiche Jahr 2015 anzuknüpfen. Damals hatte der Gewinn mehr als 6 Milliarden Franken betragen.

Das Geschäft der Bank hat sich in den letzten Monaten aber nicht wesentlich schlechter entwickelt. Für den Gewinnrückgang sind Sondereffekte ausschlaggebend. Im letzten Jahr profitierte das Institut von gegen 2 Milliarden Franken Steuergutschriften aufgrund früherer Verluste, einmaligen Einnahmen aus Immobilienverkäufen und vorteilhafteren Buchführungsregeln. Dieses Jahr fielen diese Faktoren kleiner aus, und damit sank auch der UBS-Gewinn.

Dennoch war es für die UBS kein enttäuschendes Jahr. Das US-Geschäft wuchs deutlich. Noch vor einigen Jahren hätte die Bank in den USA Geld verloren, nun erzielt sie dort einen Vorsteuergewinn von mehr als 1 Milliarde Franken. In der Schweiz scheint die Grossbank ohnehin nichts falsch machen zu können. Sie legt im Heimmarkt seit Jahren zu. Im letzten Jahr so stark wie nie mehr seit der Finanzkrise 2008. Doch hat die Bank auch mit unerwarteten Problemen zu kämpfen. Denn mit dem Vermögensverwaltungsgeschäft harzte jüngst das eigentliche Prunkstück der UBS. Die Schwäche dürfte Ermotti Kopfzerbrechen bereiten. Denn aus diesem Geschäftsbereich sollte eigentlich das künftige Wachstum kommen.

Verzicht auf Neugeld

So musste die UBS in wichtigen Wachstumsmärkten in den vergangenen Monaten deutliche Einbussen hinnehmen. Die Bank konnte etwa in Asien nicht mehr zulegen und verzeichnete in den aufstrebenden Schwellenländern Vermögensabflüsse. Gerade bei Kunden aus Südamerika spielte es nach wie vor eine Rolle, dass ihre Gelder noch nicht bei den Steuerbehörden gemeldet waren. Dieser Effekt sollte, sobald der automatische Informationsaustausch greift, schwächer werden.

Insgesamt sind der UBS in diesem Jahr immerhin 40 Milliarden Franken Neugelder zugeflossen. Im laufenden Jahr soll wieder mehr Geld zur Bank strömen, doch nicht um jeden Preis. «Wenn wir wollten, könnten wir mehr Neugeld anziehen, doch nicht jedes Vermögen bringt der Bank Einnahmen, daher verzichten wir», so Ermotti. Denn die tiefen Zinsen und die unsichere Wirtschaftslage halten die Kunden davon ab, ihr Geld zu investieren. Bleibt das Geld nur auf dem Konto liegen, fallen bei der Bank keine Einnahmen an.

UBS-Chef Ermotti erkennt, zumindest in den USA, Anzeichen einer Trendwende. Offenbar könnten es sich die vermögenden Kunden in den Vereinigten Staaten wieder vorstellen, ihre Gelder in riskantere Anlagen zu investieren. Sollten die UBS-Kunden ihre Pläne auch tatsächlich umsetzen, würden die Erträge der Bank steigen. Enttäuschend schnitt jedoch die Investmentbank ab. Besonders im Vergleich zu den US-Konkurrenten wie J. P. Morgan oder Goldman Sachs, wo die Gewinne in dieser Sparte wieder sprudeln. Der UBS dies als Schwäche vorzuhalten, wäre aber unfair. Das Geschäft ist starken Schwankungen und hohen Risiken unterworfen und wurde daher in den letzten Jahren von der UBS-Spitze bewusst zurückgefahren. Die aktuell hohen Gewinne der US-Konkurrenten könnten sich bald wieder in bedeutende Verluste verwandeln.

Unklare Folgen des Brexit

Diplomatisch zeigte sich Ermotti, was das politische Umfeld betrifft. So vermied er eine klare Position, welche Folgen die neue Regierung um den US-Präsidenten Trump für die Banken haben werde. Genauso liess er offen, welche Konsequenzen der Brexit für die UBS haben könnte. Die Bank bereite sich auf das Schlimmste vor, aber sie gehe davon aus, dass der Worst Case nicht eintreten werde, so Ermotti. In den kommenden Monaten werde die Bank entscheiden, wie es für sie in London weitergehe. Für die UBS bleibt vieles in der Schwebe. Es liege mehr drin für die Bank, so Ermotti. Offenbar hat das Institut aber wenig Einfluss darauf. Denn erst müssten die wichtigsten Rechtsfälle gelöst werden und die Notenbanken ihre Politik ändern. Bis dahin ist ein Ende der Sondereffekte nicht in Sicht.

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