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«Für die Wahl des Notenstein-Käufers gab es vier Kriterien»

Raiffeisen-Chef Patrik Gisel erklärt seine Kehrtwende in Sachen Privatbank.

Raiffeisen-Chef Patrik Gisel. Foto: Daniel Ammann
Raiffeisen-Chef Patrik Gisel. Foto: Daniel Ammann

Im Januar haben Sie der «SonntagsZeitung» gesagt, ein Verkauf von Notenstein käme nicht infrage. Jetzt tun Sie es doch. Stehen Sie nicht als Umfaller da?

Der Verkauf ist ein Strategiewechsel. Das ist überhaupt keine Frage. Wir haben diesen Strategiewechsel im Februar bei einer Klausurtagung der Geschäftsleitung eingeleitet. Die Gründe dafür sind schnell erklärt. Wir haben Notenstein mit einer neuen Führung und einem neuen IT-System ausgestattet, von daher stand die Bank gut da. Doch es ist leider nicht gelungen, den Verlust von Kundengeldern und Kundenberatern zu stoppen. Daher haben wir beschlossen, zu prüfen, ob es möglicherweise Käufer für Notenstein gibt. Die Verkaufsentscheidung wurde aber auch gefällt, weil Raiffeisen sich selbst im Anlagegeschäft in den vergangenen zwei Jahren extrem gut entwickelt hat. Allein 2017 haben wir 1,2 Milliarden neue Gelder bekommen.

Trotzdem, beschädigt diese plötzliche Kehrtwende nicht Ihre Glaubwürdigkeit?

Schauen Sie, ein Fussballtrainer muss auch noch in der 94. Minute sagen, dass seine Mannschaft noch gewinnen kann. Hätten wir Zweifel gelassen, ob wir Notenstein behalten, hätten wir noch mehr Kunden verloren. Aber natürlich werden jetzt viele bei Notenstein enttäuscht sein. Das Hauptproblem war jedoch der anhaltende Verlust von Kundengeldern.

Warum konnte Notenstein den Geldabfluss nicht stoppen?

Ich habe mit Kunden und Beratern gesprochen. Am Schluss war der ausschlaggebende Grund für die Abflüsse die anhaltende Verunsicherung über die Zukunft der Bank. Privatkunden wollen nicht bei einer Bank sein, die Kundengelder verliert.

Gab es denn Druck vom Verwaltungsrat oder aus der Raiffeisen-Gruppe, Notenstein zu verkaufen?

Zu Notenstein hat es innerhalb der Gruppe immer viele Meinungen gegeben, der Kauf war nie unumstritten. Aber die strategische Überlegung, einen Verkauf zu prüfen, kam von mir.

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Video: Weshalb Raiffeisen die Notenbank abstösst

«Gisel zieht jetzt die Konsequezen»: Wirtschaftsredaktor Holger Alich über den Notenstein-Verkauf. Video: Kathrin Egolf

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Hat der nun angekündigte Verkauf etwas mit den Vorgängen rund um Ihren Vorgänger Pierin Vincenz zu tun?

Nein, absolut nicht – weder mit der internen Untersuchung zur Ära Pierin Vincenz noch mit der Untersuchung der Staatsanwaltschaft Zürich.

Warum war eine Integration von Notenstein keine Alternative?

Das Projekt wäre schlicht nicht machbar gewesen. Sie können einem Notenstein-Kunden nicht sagen, dass er künftig von einer Raiffeisenbank betreut wird. Ein Private-Banking-Kunde will bei einer Privatbank sein. Hinzu kommt das Problem, wie man die Notenstein-Kunden auf die rund 250 Raiffeisenbanken aufteilen soll.

Insgesamt hat es vier Interessenten gegeben. Wer waren die anderen drei? Und warum hat Vontobel das Rennen gemacht?

Die Namen der anderen Bieter werde ich nicht nennen. Für die Wahl des Käufers waren vier Kriterien ausschlaggebend: der Preis, die Transaktionssicherheit, also die Frage, ob der Deal klappt. So war entscheidend, dass nichts von dem Verkauf vorab nach aussen dringt, in dem Fall wären sofort Beraterteams abgesprungen. Ferner war ein Faktor, dass Notenstein zum Käufer passt, dass man den Kunden den neuen Eigentümer gut verkaufen kann. Das vierte Kriterium war die Unternehmenskultur.

«Ein Private-Banking-Kunde will bei einer Privatbank sein.»

Was passiert mit den Mitarbeitern? Gibt es Jobgarantien?

Nein, das ist nicht möglich. Es gibt in den Verwaltungseinheiten einige Überlappungen, hier wird es einen Abbau von Stellen geben. Wie viele, das muss Vontobel dann sagen.

Was verdient Raiffeisen am Verkauf?

Wir legen nicht drauf, wir machen einen kleinen Gewinn. Ziel des Verkaufs war primär, dass wir keinen Abschreiber vornehmen müssen, und das ist uns gelungen.

Mit Notenstein wollte Raiffeisen die Einnahmebasis verbreitern. Wie wollen Sie nun die Abhängigkeit vom Hypothekengeschäft senken?

Derzeit stammen 15 bis 20 Prozent unserer Erträge nicht aus dem Zinsdifferenzgeschäft. Wir möchten diesen Anteil auf 25 bis 30 Prozent steigern. Wir wollen daher in den nächsten fünf Jahren einen substanziellen Betrag in den Ausbau des Anlagegeschäfts investieren, etwa in neue Systeme, in neue Produkte und in die Anstellung von Beratern.

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