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Das Fliegen wird nicht grüner werden

Die Luftfahrt befindet sich in der Krise. Aber eine schnelle Änderung ist nicht in Sicht – denn Fliegen bleibt oft unverzichtbar.

Der Luftverkehr bleibt für die Weltwirtschaft unverzichtbar. Auch wenn er gegenwärtig in der Krise steckt. Foto: Urs Jaudas
Der Luftverkehr bleibt für die Weltwirtschaft unverzichtbar. Auch wenn er gegenwärtig in der Krise steckt. Foto: Urs Jaudas

Für die Luftfahrtindustrie war 2019 ein Horrorjahr. Der zweite Absturz einer Boeing 737 Max innerhalb von fünf Monaten stürzte den US-Flugzeughersteller in die tiefste Krise seiner jüngeren Geschichte. Die ­Unfälle werfen Fragen auf, die die gesamte Branche noch lange ­beschäftigen werden, in erster Linie, was die Automatisierung von Flug­zeugen angeht und wie Piloten für die komplizierten Systeme besser ­geschult werden können.

Vor allem aber ist 2019 das Jahr gewesen, in dem die Luftfahrt in der öffentlichen Diskussion in Europa zum Buhmann, zum angeblichen Klima­killer Nummer eins, geworden ist.

Dass es so weit kommen konnte, ist auch das Ergebnis eines branchen­weiten Versagens. Das Klimaab­kommen von Paris sieht vor, die Netto-Emissionen nicht auf 50 Prozent, sondern auf null zu senken. Die ­Reaktion des Branchenverbands IATA darauf wirkt hilflos. Die Mitglieder sind sich uneinig. Die Europäer wollen strengere Vorgaben, die Amerikaner haben daran wenig Interesse, und die meisten asiatischen Airlines sehen dadurch ihr Wachstum gefährdet.

Die Airlines profitieren davon, dass sich die Konsumenten unvernünftig verhalten.

Dazu kommen Billigstflüge, die nicht ansatzweise die Umweltkosten ­abdecken. Sie sind durch nichts zu rechtfertigen, aber erstaunlich populär. Die Airlines haben bislang davon profitiert, dass sich die Konsumenten unvernünftig verhalten, und den Trend zum schnellen Wochenendtrip ausgenutzt. Sie dürfen sich nicht wundern, wenn immer mehr Staaten eine Kerosinsteuer fordern.

Den Luftverkehr als schlechtes ­Beispiel hervorzuheben, war für Greta Thunberg ein Leichtes und ist auch gerechtfertigt. Bei allen Fehlern, die die Branche gemacht hat, gehört allerdings auch das zur Wahrheit: Die Umstellung auf ökologisch verträglichere Antriebe ist bei Flugzeugen viel schwieriger als etwa bei Autos – ­Batterien mit einer Energiedichte, die für grosse Flugzeuge geeignet wären, sind nicht in Sicht. Nicht einmal die Wissenschaft ist sich einig, auf welche Technologie zu setzen am sinnvollsten wäre.

Die Boeing-Krise erschwert die Lage zusätzlich: Der US-Hersteller steckt derzeit unermesslich viel Geld in die Rückkehr der 737 Max. Und Airbus hat keine Eile, ein nächstes Flugzeug­programm zu starten, wenn schon das aktuelle so erfolgreich läuft.

Die Branche weiss zudem: Der Luftverkehr ist für die Weltwirtschaft unverzichtbar. Überall, wo es gute Fluganbindungen gibt, sind die Voraussetzungen für Wachstum und Prosperität gegeben. Und wer wollte in Zeiten des Neonationalismus ernsthaft bezweifeln, wie wichtig kultureller Austausch ist, und sei es als Folge eines Urlaubs in der Ferne? Wenig deutet daher darauf hin, dass die Luftfahrt in Kürze ökologischer wird.

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