«Da müssen Sie den Gewerbeverband fragen»

Energie BKW-Chefin Suzanne Thoma will weitere Firmen aufkaufen. Die Berner KMU stossen mit ihrer heftigen Kritik auf taube Ohren.

«Wir machen nichts Illegales oder Anrüchiges»: Suzanne Thoma gestern in Bern.

«Wir machen nichts Illegales oder Anrüchiges»: Suzanne Thoma gestern in Bern.

(Bild: Keystone Peter Schneider)

Adrian Hopf-Sulc@adrianhopf

Frau Thoma, die Berner KMU machen seit zwei Jahren eine grosse Kampagne, die sich primär gegen die «Einkaufstour» der BKW richtet. Das scheint Sie ziemlich kalt zu lassen.

Wir bedauern es, dass es diesen Gegenwind gibt. Aber wir können unser Unternehmen nicht nach diesen Befindlichkeiten ausrichten. Unsere Verantwortung gilt dem Unternehmen, den über 7000 Mitarbeitern und den Aktionären. Und wir haben all die Jahre Dividenden und Steuern bezahlt. Darauf sind wir stolz.

Die Kampagne «Fair ist anders» ist also wirkungslos?

Da müssen Sie den Gewerbeverband fragen. Die Argumente der Kampagne sind nicht stichhaltig. Wir machen nichts Illegales oder Anrüchiges, nichts, das unseren Statuten widerspricht. Zudem gibt es viele KMU, die Nachfolgelösungen suchen. Die BKW kann ihnen diese bieten.

Ein finanzkräftiger Staats­konzern konkurrenziert KMU – das kommt verständlicherweise nicht überall gut an.

Die BKW ist kein Staatsunternehmen, sondern eine börsenkotierte Gesellschaft. Wir haben keine Defizitgarantie, keinen Leistungsauftrag, und wir müssen das Geld, das wir investieren, selber verdienen. Die BKW muss sich im Dienstleistungsgeschäft auf die Entwicklungen am Markt ausrichten, und hier sind die Konkurrenten zunehmend grosse ausländische Konzerne mit Zehntausenden Angestellten.

Die Berner KMU werfen der BKW vor, mit den vielen Übernahmen eine «Hochrisiko­strategie» zu fahren. Ist da nicht etwas dran?

Das Risiko bei der BKW liegt im Energiegeschäft und nicht im Dienstleistungsgeschäft. Die Dienstleistungen können mal etwas besser und mal etwas schlechter laufen, aber das Risiko ist über die Branchen und Regionen gestreut. Beim Energiegeschäft sind die Schwankungen wegen des Strompreises viel grösser. Genau um das Risiko zu minimieren, fahren wir ja die Strategie mit den drei Säulen Energie, Stromnetze und Dienstleistungen.

Der Grosse Rat hat 2017 beschlossen, die Mehrheitsbeteiligung des Kantons an der BKW gesetzlich zu verankern. Sie hatten sich im Vorfeld dafür ausgesprochen, dass der Kanton seine Mehrheit abgibt . . .

So, wie Sie es sagen, stimmt das nicht. Wir schätzen den Kanton Bern als langfristig orientierten Aktionär, der sich für das Wohl der BKW interessiert. Es gilt aber zu bedenken, dass man nicht an der Staatsbeteiligung festhalten und sie uns dann gleichzeitig zum Vorwurf machen kann. Darüber muss man sich im Klaren sein.

Als Mehrheitsaktionär könnte der Kanton Bern ja auch ­Einfluss auf Ihre Strategie nehmen, etwa auf die Firmenübernahmen.

Wir müssen das Unternehmen im wirtschaftlichen Interesse aller Aktionäre führen, des Kantons und aller anderen Aktionäre. Bis jetzt standen diese Interessen glücklicherweise nicht im Widerspruch zueinander.

Die BKW zählt inzwischen über 170 Tochterunternehmen. Das heisst auch 170 Chefs, 170 Generalversammlungen, 170 Jahresrechnungen. Wie können Sie als Konzernchefin all diese Firmen führen?

Wir haben eine klare Organisation und klare Verantwortlichkeiten. Wir haben je einen Chef für unsere drei Dienstleistungssparten, und diese führen ihre Firmennetzwerke. Wir wissen bei jeder Firma jeden Monat, wie das Geschäft gelaufen ist. Dank der IT haben wir viel Transparenz. Aber solange es gut läuft, müssen wir uns bei den einzelnen Firmen nicht einmischen.

Fliessen von all den Tochterfirmen Gewinne an die BKW?

Das Dienstleistungsgeschäft ist in der Summe sehr profitabel. Das gilt auch für die Mehrheit unserer Firmen. Natürlich gibt es auch Ausnahmen, aber diese liessen sich bisher innerhalb kurzer Zeit wieder korrigieren.

2019 und 2020 wollen Sie noch weitere Unternehmen kaufen. Streben Sie immer noch die Zahl von 10000 Mitarbeitenden an?

Wachstum ist kein Selbstzweck, es muss profitabel sein. Aber es kann durchaus sein, dass wir Ende 2020 bei dieser Zahl ankommen. Man kann stolz sein auf unser Unternehmen, das sich transformiert und auf das neue Umfeld ausrichtet. In den positiven Jahreszahlen sehen Sie jetzt die Resultate.

DerBund.ch/Newsnet

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