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Warum die CS ihren Teilverkauf beerdigt

Die Credit Suisse behält ihre Schweizer Bank. Wie aus einer bahnbrechenden Idee eine Notlösung wurde.

Der Teilverkauf wird abgeblasen: Im Oktober 2015 kündigte Tidjane Thiam den Teilbörsengang der CS Schweiz an. Nun braucht es ihn nicht mehr.
Der Teilverkauf wird abgeblasen: Im Oktober 2015 kündigte Tidjane Thiam den Teilbörsengang der CS Schweiz an. Nun braucht es ihn nicht mehr.
Walter Bieri, Keystone

Am Paradeplatz wurde in den letzten Tagen bis in die Nacht gearbeitet. Sogar am Sechseläuten brannten bei der Credit Suisse noch bis in die Nacht die Lichter. Man musste sich auch auf Gewichtiges vorbereiten. Die Bank sollte sich mit ihrem Quartalsergebnis zwei Tage vor der Generalversammlung von ihrer besten Seite zeigen. Und: Eine der spannendsten Pläne der Schweizer Bankenbranche sollte beerdigt werden. Die Credit Suisse verzichtet auf einen Teilverkauf ihrer Schweizer Bank.

Als der neue CS-Chef Tidjane Thiam im Oktober 2015 seine Pläne für die Grossbank vorstellte, hielt er sich an das Branchendrehbuch. Die Bank sollte kleiner und profitabler werden. Dazu wurden die Kosten gesenkt und viele Stellen gestrichen. Zudem sollte das Vermögensverwaltungsgeschäft gestärkt werden. Doch brauchte die Bank auch frisches Kapital. Denn die Aufsichtsbehörden fordern, dass die Banken für Krisenzeiten über ein dickeres Polster verfügen. Um diesen Anspruch zu erfüllen, sollte ein Teil der Schweizer CS an der Börse verkauft werden. Mit dem Geld sollte auch noch die eine oder andere Übernahme finanziert werden.

Rekordbusse sorgt für Abbruch

Doch für Thiam gab es noch einen weiteren wichtigen Vorteil: Durch einen Börsengang werde der wahre Wert der Schweizer Bank erst erkannt, lautete ein wichtiges Argument des Chefs. Ihr Wert wird auf 15 bis 20 Milliarden Franken beziffert. Würde die Bank 20 bis 30 Prozent davon über einen Börsengang verkaufen, hätte sie das Kapital beisammen. So könnte sie ohne weiteres 2 bis 4 Milliarden Franken einspielen.

Bilder: CS mit verlustreichem Jahr 2016

11,9 Millionen Franken Lohn für 2016: Tidjane Thiam, CEO der Credit Suisse Group, spricht an der Universität Lausanne. (19. Mai 2016)
11,9 Millionen Franken Lohn für 2016: Tidjane Thiam, CEO der Credit Suisse Group, spricht an der Universität Lausanne. (19. Mai 2016)
Jean-Christophe Bott, Keystone
Musste bereits letztes Jahr einen Verlust ankündigen: Credit Suisse-CEO Tidjane Thiam an einer Pressekonferenz am 10. Mai 2016.
Musste bereits letztes Jahr einen Verlust ankündigen: Credit Suisse-CEO Tidjane Thiam an einer Pressekonferenz am 10. Mai 2016.
Ennio Leanza, Keystone
Setzt das Sparprogramm fort, 2017 will er 5500 Stellen abbauen: CS-CEO Tidjane Thiam an einer Panel-Diskussion am WEF in Davos. (Archiv)
Setzt das Sparprogramm fort, 2017 will er 5500 Stellen abbauen: CS-CEO Tidjane Thiam an einer Panel-Diskussion am WEF in Davos. (Archiv)
Gian Ehrenzeller, Keystone
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Schon bald kamen Zweifel an der Idee auf. Der Aufwand für den Börsengang der Schweizer Bank sei sehr hoch, so Experten. Die ohnehin schon anspruchsvollen Abläufe in der Grossbank würden noch komplexer. Der Teilverkauf würde Juristen viel Arbeit bescheren, und für die Informatikabteilung wäre er kaum zu bewerkstelligen. Dennoch hielt die CS daran fest. Im Verlauf dieses Jahres sollte der Verkauf stattfinden.

Ironischerweise sorgte eine Rekordbusse dafür, dass die Bank den Börsengang nun abblasen konnte. Die CS erhielt im Dezember von den US-Behörden für ihre Vergehen im US-Hypothekenmarkt eine Strafe von insgesamt mehr als 5 Milliarden Franken aufgebrummt. Doch war das weniger, als zunächst befürchtet worden war. Das Kapitalpolster litt nicht so stark, wie die Credit Suisse antizipiert hatte. Plötzlich änderte die Bank auch ihre Kommunikationsstrategie: Der Börsengang war nur noch eine «Option».

Hitzige Debatte an der GV erwartet

Die Option wird nun nicht mehr gebraucht. Die Bank sammelt 4 Milliarden Franken über eine Kapitalerhöhung ein. Das ist für die Aktionäre eigentlich keine gute Nachricht, denn auf den Wert der Aktie sollte sich das zwischenzeitlich negativ auswirken.

Video: CS-Chef Tidjane Thiam über das Geschäftsjahr 2016

Die Credit Suisse fährt 2016 einen Verlust von 2,71 Milliarden ein und will weitere 5500 Stellen abbauen. (Video: Tamedia)

Doch gab es für sie auch ein Trostpflästerchen und darum kletterte am Morgen der Kurs der CS-Aktie. Nach deutlichen Verlusten oder sehr klein ausgefallenen Gewinnen in den letzten Quartalen wollte die Chefetage der CS ein solides Ergebnis vorlegen. Das gelang ihr. Mit einem Quartalsgewinn von fast 600 Millionen Franken weist die Bank ein ansehnliches Resultat aus. Ein positives Quartal nach zwei schwachen Jahren wird aber nicht ausreichen, um die Debatte um die Saläre der CS-Spitze zu beruhigen. Man darf eine hitzige Debatte an der Generalversammlung von diesem Freitag erwarten.

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