Coop, SBB und Swisscom lehnen Investment in U-Bahn für Güter ab

Bei der Medienkonferenz des Grossprojekts waren die Firmenchefs dabei, Geld sprechen sie nun aber nicht.

Mit solchen Wagen sollen Waren unter der Erde transportiert werden. Visualisierung: Cargo sous Terrain

Mit solchen Wagen sollen Waren unter der Erde transportiert werden. Visualisierung: Cargo sous Terrain

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Es war ein Auftritt mit illustren Namen: Coop-Chef Joos Sutter, Swisscom-CEO Urs Schaeppi, SBB-Cargo-Chef Nicolas Perrin und der Zürcher Stadtrat Filippo Leutenegger waren mit von der Partie, als Cargo sous Terrain im Januar den Medien vorgestellt wurde. Die Anwesenheit der Manager sollte demonstrieren, dass es sich bei diesem gigantischen Tunnelprojekt nicht um eine Fantasterei ­handelt – sondern um ein ernsthaftes Vorhaben, hinter dem die Schweizer Wirtschaft steht.

Cargo sous Terrain will Güter von Genf bis St. Gallen (mit Abstechern nach Basel, Luzern und Thun) unterirdisch transportieren. Vollautomatisch und rund um die Uhr. Allein die erste Etappe von Härkingen/Niederbipp nach Zürich kostet 3,5 Milliarden Franken. Finanzieren soll dies nicht etwa der Staat, sondern die Privatwirtschaft. Etliche Firmen engagieren sich denn auch im Verein Cargo sous Terrain (CST). Die Mitgliedschaft ist dort bereits ab einem einmaligen Förderbeitrag von 10'000 Franken zu haben. Ab 100'000 Franken darf man an Medienkonferenzen teilnehmen, und mit 300'000 Franken sitzt man im Vorstand.

Von allen Partnern, die an der Medienkonferenz teilnahmen, schliesst einzig Rhenus Alpina ein Investment (noch) nicht aus.

Für den Bau des Tunnelsystems sind nun aber ganz andere Summen gefragt. CST rechnet mit 33 Milliarden Franken fürs vollständige Netz. In einem ersten Schritt müssen die Verantwortlichen 100 Millionen Franken auftreiben, um das Projekt bis zur Baubewilligung vorantreiben zu können. Damit wird sich jetzt zeigen, wer wirklich an die Gütermetro glaubt und auch bereit ist, viel Geld zu riskieren.

«Nicht unser Geschäft»

Die Firmenchefs, die an der Medienkonferenz teilnahmen, sehen sich weniger als Investoren. «Das ist nicht unser ­Geschäft», hält Swisscom-CEO Urs ­Schaep­pi fest. Man habe Cargo sous Terrain unterstützt, weil man sich für gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Nachhaltigkeit einsetze. Überdies könne sich Swisscom vorstellen, die Rolle eines Technologiepartners zu übernehmen. Jetzt seien aber Investoren gesucht.

Dazu zählt sich auch Coop nicht. Der Grossverteiler werde «das Projekt und die Vision weiterhin ideell unterstützen, sich aber nicht finanziell beteiligen», teilt die Medienstelle mit. Ebenso wenig sehen sich die SBB als Geldgeberin – zumindest während der Bauphase. Dies könne sich allenfalls ändern, wenn die Gütermetro in Betrieb gehe, erläuterte SBB-Cargo-Chef Nicolas Perrin dem TA bereits im Januar. Damals liess Filippo Leutenegger noch offen, ob sich die Stadt Zürich beteiligt. Jetzt teilt sein Sprecher Mike Sgier mit: «Die Stadt investiert nicht.»

Von allen Partnern, die an der Medienkonferenz teilnahmen, schliesst einzig das Logistikunternehmen Rhenus Alpina ein Investment (noch) nicht aus. Es seien bislang keine Entscheide gefallen, sagt Sprecherin Claudia Bracher.

Bund schliesst Beteiligung aus

Springt am Ende womöglich der Bund ein? Auf keinen Fall, heisst es beim Bundesamt für Verkehr. Die Gütermetro werde nur bewilligt, wenn ihre Finanzierung durch die Privatwirtschaft gewährleistet sei. Gegenwärtig klärt man in Bern ab, wie gross der volkswirtschaft­liche Nutzen der Gütermetro ist. Eine entsprechende Studie soll bis Ende Jahr vorliegen.

Bis dann will Cargo sous Terrain auch einen Businessplan bereit haben. Danach hätten potenzielle Investoren ein paar Monate Zeit, um sich zu entscheiden, sagt Daniel Wiener, der bei CST für die Investor-Relations zuständig ist. Laut ihm hat bis jetzt noch niemand un­terschrieben. Gespräche mit interes­sierten Finanzinvestoren und Anlagefonds ­hätten allerdings bereits stattgefunden und seien vielversprechend ­verlaufen.

Namen will Wiener noch keine nennen. Ihn erstaune aber nicht, dass die an der Medienkonferenz vertretenen Partner nicht investierten. «Das haben wir auch nicht erwartet», so Wiener. Dafür konnte Cargo sous Terrain kürzlich Hyperloop One als neues Vereinsmitglied gewinnen. Das Hightechunternehmen, das in Kalifornien eine ultraschnelle Luftkissenbahn plant, sieht sich als technischer Partner. Davon versprechen sich beide Seiten einen Know-how-Austausch. Das grosse Geld ist aber auch von Hyperloop One nicht zu erwarten.

«Wir sind im Zeitplan»

Verhalten positive Signale sendet dagegen die Mobiliar. «Wenn Cargo sous Terrain sich als sichere Anlage mit nachgewiesener Rendite behaupten kann und gleichzeitig Vorteile für Logistik und Umweltschutz bringt, ist es für uns interessant», sagt Sprecherin Patricia Blättler.

In einem Jahr wird man mehr wissen. Bis dann müssen die ersten 100 Millionen Franken zugesichert sein. Sonst verzichtet der Bund auf ein Gesetz, das den Bau des Tunnelsystems ermöglicht. Daniel Wiener gibt sich zuversichtlich: «Wir sind im Zeitplan.» Bleibt es dabei, kann die erste Etappe der Gütermetro 2030 in Betrieb genommen werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.07.2016, 21:15 Uhr

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