«Bosch hat mitgeholfen, das Bild des gierigen Managers zu prägen»

Das Wirtschaftsgericht des Kantons Bern hat die ­früheren Verwaltungsräte der Krankenkasse KPT zu ­Gefängnisstrafen verurteilt.

Der Präsident und sein Vize: Walter Bosch (rechts) und Bernhard Liechti vor dem Prozessbeginn letzten Montag in Bern. Foto: Peter Schneider (Keystone)

Der Präsident und sein Vize: Walter Bosch (rechts) und Bernhard Liechti vor dem Prozessbeginn letzten Montag in Bern. Foto: Peter Schneider (Keystone)

Adrian Sulc@adriansulc

Er sei «zermürbt und ausgelaugt», sagte Ex-KPT-Präsident Walter Bosch am Mittwoch in seinem Schlusswort vor dem Kantonalen Wirtschaftsstrafgericht. Die vergangenen Jahre seien für ihn bereits Strafe genug gewesen. Auch der frühere Vizepräsident der Berner Krankenversicherung, Bernhard Liechti, bat das Gericht um einen Freispruch.

Die Verteidiger von Walter Bosch und Bernhard Liechti schossen sich derweil auf die Arbeit der Staatsanwaltschaft ein. Sie liessen am Plädoyer von Staatsanwältin Simone Blank kein gutes Haar, Liechtis Anwalt Lorenz Erni nannte die Vorwürfe gegen die beiden «absurd» und «an den Haaren herbeigezogen». Die drei Richter sahen dies jedoch anders. «Die Handlungen der Beschuldigten hätten zu einem Vermögensverlust bei der KPT geführt, wenn es zur Fusion mit der Sanitas gekommen wäre», sagte Gerichtspräsidentin Barbara Lips bei der Urteilsverkündung. Dank der Intervention der Finanzmarktaufsicht (Finma) und dem Scheitern der Fusion mit der Sanitas ist der KPT kein monetärer Schaden entstanden. Trotzdem sprach das Gericht Bosch und Liechti in allen drei Anklagepunkten wegen mehrfacher qualifizierter ungetreuer Geschäftsbesorgung schuldig und verurteilte sie zu 3 Jahren Freiheitsentzug, wobei 6 Monate davon im Gefängnis zu verbringen sind. Es verzichtete aber auf den Antrag der Staatsanwältin, ein fünfjähriges Berufsverbot über die beiden zu verhängen – weil die Finma bereits ein entsprechendes vierjähriges Berufsverbot ausgesprochen hatte. Bosch und Liechti müssen je 57'000 Franken für die Kosten der Untersuchung und die Verhandlung zahlen.

«Herr Bosch hat mit seinem Handeln der KPT-Gruppe und auch der ganzen Branche Schaden zugefügt und hat mitgeholfen, das Bild des gierigen Managers zu prägen», sagte die Gerichtspräsidentin. Sie zeichnete von Bosch das Bild eines Machertyps, der sich über die Regeln hinwegsetzte und egoistisch handelte, um sich als erfolgreichen Fusionierer hinstellen zu können. Bosch sei als Präsident zwar im Rampenlicht gestanden und Liechti nur dessen Vize gewesen, doch dies habe auf das Urteil keinen Einfluss, da die Handlungen beider Täter gleich zu gewichten seien, sagte die Gerichtspräsidentin.

Nicht die eigene Bereicherung sei bei Bosch die Triebfeder des Handelns gewesen, sagte die Gerichtspräsidentin. Bosch habe sich mit Vollgas für die Fusion eingesetzt. Das Gericht ging in diesem Punkt von eventualvorsätzlichem Handeln aus. Bosch und Liechti hätten sich im Zusammenhang mit dem geplanten Aktienrückkauf im Frühsommer 2010 nicht nur strafbar gemacht, weil sie einen überrissenen Preis von 600 Franken festgelegt hätten und damit das Mitarbeiterbeteiligungsreglement der KPT missachteten, das einen Rückkaufpreis von 34.22 Franken vorsah. Sondern auch, weil sie das Aktienrückkaufprogramm ohne gülti- gen Verwaltungsratsbeschluss starteten. Bosch und Liechti hätten den Verwaltungsrat schriftlich über den geplanten Rückkaufpreis von 600 Franken abstimmen lassen. Der Verwaltungsrat und damalige Mobiliar-Chef Urs Berger verweigerte seine Zustimmung und verlangte eine Diskussion darüber. Doch Bosch liess das Rückkaufangebot an die Mitarbeiter bereits versenden.

Weiter sei es für das Gericht «unverständlich», dass Bosch die Warnungen der eigenen Revisionsgesellschaft vor dem hohen Rückkaufpreis ignoriert habe. Auch dass die KPMG die KPT auf ein Reputationsrisiko hinwies, habe Bosch ignoriert. Bosch und Liechti hätte nichts hinterfragt, sondern nur nach Argumenten gesucht, den hohen Rückkaufpreis irgendwie rechtfertigen zu können. So habe Bosch auch den eigenen Verwaltungsrat teilweise falsch informiert.

Die Anwälte von Walter Bosch und Bernhard Liechti meldeten gestern noch im Gerichtssaal Berufung an.

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