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BKW zahlt für Solarstrom so wenig wie sonst niemand

Die BKW belegt in einem Ranking den letzten Platz: Sie ist knausrig, wenn es darum geht, Private für eingespeisten Solarstrom zu entschädigen.

Eine Investition, die sich in Bern langsamer amortisiert als in Basel.
Eine Investition, die sich in Bern langsamer amortisiert als in Basel.
Keystone

Die Empörung war gross, als die BKW letzten Herbst mitteilte, dass sie Solaranlagenbesitzern fast zwei Drittel weniger für deren Strom zahlt: Nur noch 4 statt wie bisher 11,5 Rappen pro Kilowattstunde. Eine Untersuchung des Verbands unabhängiger Energieerzeuger (Vese) zeigt nun: Mit ihren 4 Rappen bildet die BKW schweizweit das Schlusslicht. Von den 30 grössten Elektrizitätswerken zahlt niemand weniger. Letztes Jahr lag die BKW noch auf Platz 16. Sie rutschte also vom Mittelfeld auf den letzten Rang.

Was sagt der Berner Energiekonzern dazu? Er hält fest, dass er 80 Prozent der Solaranlagenbesitzer nicht nur den Strom vergütet, sondern auch die sogenannten Herkunftsnachweise. Diese Zertifikate geben Auskunft, wo der Strom herkommt. Sie sind vom Stromfluss entkoppelt und können losgelöst gehandelt werden. Die BKW kauft freiwillig Herkunftsnachweise, da sie zertifizierten Ökostrom teurer verkaufen kann. Sie zahlt für die Nachweise 4,5 Rappen pro Kilowattstunde. Kauft einem die BKW Strom plus Herkunftsnachweis ab, erhält man also 8,5 Rappen.

Da die BKW aber nicht allen Anlagebesitzern in ihrem Einzugsgebiet die Herkunftsnachweise abkauft – ihr Bedarf ist gedeckt –, zählt der Verband Vese diese 4,5 Rappen nicht mit. Es würden nur Tarife berücksichtigt, die für alle gültig seien, erklärt Diego Fischer vom Vese. «Der Verteilnetzbetreiber ist ein Monopolbetrieb, der verpflichtet ist, alle eingespeiste Energie abzunehmen und zu vergüten. Von dieser Verpflichtung leiten wir auch ab, dass alle Einspeiser gleich behandelt werden sollten», sagt Fischer.

Grünes Mäntelchen

Bei kleineren Elektrizitätswerken, die nicht Teil der Auswertung sind, gibt es einzelne, die noch weniger zahlen als die BKW. Fischer sagt aber, er wisse lediglich von zweien: Das Energiewerk Brusio im Kanton Graubünden zahlt 3,5, das Energiewerk Davos 3,59 Rappen. Allerdings kaufen sie Strom nicht nur billig ein, sondern verkaufen ihn auch zu eher tiefen Preisen. Anders die BKW: Ihr Stromtarif für einen mittleren Haushalt beträgt 9,4 Rappen – der zweithöchste Tarif unter den 30 grössten Netzbetreibern. Strom bei der BKW kaufen, ist also unattraktiv, Solarstrom verkaufen inzwischen ebenso. Zahlreiche Solaranlagenbesitzer sind verärgert, darunter viele Bauern. Sie haben oftmals Solarpanels auf den grossflächigen Dächern ihrer Häuser. Ein Bauer aus Rüschegg, der eine Solaranlage für 60 000 Franken auf sein Wohnhaus montieren liess, ärgerte sich im November im «Kassensturz» von SRF darüber, dass sich die BKW in der Werbung ein grünes Mäntelchen umhänge, ihm aber für seinen eingespeisten Ökostrom nur noch so viel zahle, wie es sie koste «Dreckstrom» zu importieren oder selbst zu produzieren.

Die Netzbetreiber müssen tatsächlich nur noch so viel zahlen, wie es sie kostet, die gleiche Menge Graustrom – Strom unbekannter Herkunft – bei Dritten zu beziehen. Das besagt eine Verfügung der Elektrizitätskommission Elcom vom letzten Jahr. Diese Referenzkosten sind bei allen unterschiedlich. Manche haben feste Lieferanten und Bezugsrechte. Nicht so die BKW. Wenn sie Strom kauft, dann direkt am Markt zum tiefen Marktpreis. Entsprechend tief konnte sie die Vergütungen senken. BKW-Chefin Suzanne Thoma rechtfertigte die Preissenkung gegenüber SRF mit der schwierigen Situation am Strommarkt. Die Solaranlagenbesitzer seien mit derselben Realität konfrontiert wie «wir alle», nämlich dass es schwierig sei, mit Strom Geld zu verdienen. Die BKW sei verpflichtet den Strom der Privaten in ihrem Einzugsgebiet zu kaufen. Wenn sie ihn dann weiterverkaufe, erhalte sie noch weniger als 4 Rappen pro Kilowattstunde. Sie riet zu einem hohen Eigenverbrauch – und bewarb damit implizit BKW-eigene Lösungen, um Strom vom Dach direkt im Haus zu verbrauchen. «Betriebswirtschaftlich geführt» Sollte ein Unternehmen, das zu etwas mehr als der Hälfte dem Kanton Bern gehört und zur anderen Hälfte Privaten, die Energiewende unterstützen? «Die BKW ist ein betriebswirtschaftlich geführtes Unternehmen», sagte BKW-Chefin Thoma gegenüber SRF, «Förderung ist ein politisches Thema». BKW-Sprecherin Sabrina Schellenberg unterstreicht: «Die BKW kann als privatrechtliches, börsenkotiertes Unternehmen keine Subventionen ausrichten.»

Der Verband unabhängiger Energieerzeuger argumentiert anders. Fischer sagt: «Ich glaube nicht, dass die Strategie der BKW politisch akzeptiert wird.» Hinter all den Solaranlagen stünde eine wachsende Kunden- und Stimmbürgerzahl. Diese Personengruppe sei hoch motiviert. Sonst hätten sie nicht die hohen Investitionen getätigt. Entsprechend seien sie imstande, politischen und öffentlichen Druck aufzubauen. Die Verteilnetzbetreiber im öffentlichen Besitz könnten es sich immer weniger leisten, diese Gruppe abzustrafen.

Tatsächlich regte sich politischer Widerstand, und das nicht zu knapp: Ganze drei Vorstösse sind im Berner Kantonsparlament eingereicht worden, zwei mehrheitlich von links, einer mehrheitlich von Bauern. Zwei Motionen fordern den Regierungsrat auf, zu veranlassen, dass die BKW ihren Entscheid rückgängig macht. Beide sind noch hängig. Eine Interpellation hat der Regierungsrat Ende Januar beantwortet: Darin bedauert er die Senkung zwar «aus energiepolitischer Sicht». Es handle sich aber um einen Entscheid der BKW «auf operativer Geschäftsebene». Darauf habe er keinen direkten Einfluss. Er sei auch nicht vorgängig informiert worden. Der Regierungsrat hält zudem fest, dass der Entscheid der BKW insofern nachvollziehbar sei, als diese als Aktiengesellschaft «der Gewinnstrebigkeit verpflichtet» sei.

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