BKW peilt 10 000 Mitarbeiter an

Trotz Kritik will der bernische Energiekonzern seine Einkaufstour nicht beenden: Er plant, noch Dutzende Dienstleistungsfirmen zu übernehmen. Konkurrentin Alpiq will diesen Geschäftsbereich hingegen loswerden.

Der Umbau des Konzerns ist in vollem Gange: Hauptsitz der BKW am Berner Viktoriaplatz.

Der Umbau des Konzerns ist in vollem Gange: Hauptsitz der BKW am Berner Viktoriaplatz. Bild: Keystone

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20 Unternehmen hat der Energiekonzern BKW letztes Jahr gekauft. Darunter die Hinni-Gruppe, Schweizer Marktführerin im Unterhalt von Hydranten, die Grunder-Gruppe, Vermessungstechnikfirma des BDP-Nationalrats Hans Grunder, oder das deutschen Ingenieurunternehmen Assmann, das Flughäfen, Fussballstadien und vieles andere plant. Insgesamt hat die BKW dafür 172 Millionen Franken bezahlt.

Seit Chefin Suzanne Thoma im Amt ist, hat die BKW mehr als 50 Unternehmen gekauft. Sie sind in Bereichen tätig, die mit dem Kerngeschäft der BKW – Strom produzieren und verkaufen – kaum noch etwas zu tun haben. Auch wenn Thoma jeweils betont, mit dem Bau von Kraftwerken sei das Ingenieurhandwerk quasi die Wurzel des Energiekonzerns.

Ob nun ein Zusammenhang besteht oder nicht, klar ist: Die neuen Geschäftsfelder bringen Geld. Sie tragen mittlerweile mehr als ein Viertel zum Umsatz bei, und rund ein Achtel des Betriebsgewinns – Tendenz steigend. Pro Umsatzfranken bleiben im Dienstleistungsgeschäft 6 Rappen als Betriebsgewinn (Ebit) übrig. Und ohne Kauf- und Integrationskosten läge die Marge noch um 1,5 bis 2 Rappen höher, sagte Finanzchef Ronald Trächsel gestern vor den Medien in Bern.

Die BKW-Spitze will so lange weiter zukaufen, bis ein Drittel des BKW-Betriebsgewinns aus der Dienstleistungssparte kommt. Wie Thoma gegenüber dem «Bund» sagt, peilt die BKW damit eine nie dagewesene Grösse von rund 10 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an. Von der Kampagne der Berner KMU gegen die vielen Übernahmen unbeeindruckt, hält der Energiekonzern also weiter Ausschau nach Kaufobjekten. Laut Finanzchef Trächsel kommen viele Patrons auf die BKW zu, um ihr Unternehmen zu verkaufen.

Womöglich auch in Skandinavien

Konzernchefin Thoma legt den Fokus weiterhin auf Übernahmen in der Schweiz, Deutschland und Österreich. Sie sei aber auch offen für Übernahmen in anderen Ländern, etwa in Skandinavien, wo die Unternehmenskultur jener des deutschsprachigen Raums ähnlich sei. Die Unternehmen bleiben gemäss der BKW-Strategie unter dem eigenen Namen tätig. Im Netzwerk der BKW-Dienstleistungsfirmen könnten die Töchter aber Synergien nutzen, etwa bei der IT, der Personalentwicklung oder dem Kundendienst. Zudem sollen sich die Firmen gegenseitig Aufträge zuhalten.

Das gewachsene Dienstleistungsgeschäft half der BKW, letztes Jahr Umsatz, Betriebsgewinn und Reingewinn zu steigern. Doch auch im Stromgeschäft ist die BKW profitabel – obwohl die Stromproduktion in Schweizer Kraftwerken noch immer mehr kostet als Elektrizität am europäischen Strommarkt einbringt. Bei den Konkurrenten Alpiq und Axpo argumentiert man gerne, die BKW sei nur deshalb erfolgreich, weil sie einen Teil ihrer Produktion gebundenen Endkunden verkaufen könne.

Privathaushalte und KMU können in der Schweiz nicht wählen, von wem sie ihren Strom beziehen. Wegen der nur teilweise durchgeführten Strommarktliberalisierung müssen sie in grossen Teilen der Kantone Bern, Jura und Solothurn ihren Strom bei der BKW beziehen – und höhere Preise zahlen als am freien Markt. Doch insgesamt verkauft die BKW nur 15 Prozent des Stroms an die gebundenen Endkunden, betont Thoma. Den Rest verkauft die BKW wie Alpiq und Axpo am freien Markt.

In den letzten Jahren erging es der Marktführerin Alpiq deutlich schlechter als der Nummer drei, der BKW. Die Zahlen sprechen für sich: Während sich der Aktienkurs der BKW in den letzten drei Jahren verdoppelte, verloren die Papiere von Alpiq 8 Prozent an Wert.

Seit Anfang Jahr zieht der Alpiq-Kurs zwar wieder an. Doch der mutmassliche Grund der Erholung stimmt allerdings nicht optimistisch: Dass Investoren wieder Alpiq-Papiere kaufen, dürfte vor allem daran liegen, dass sie mit einem baldigen Verkauf von Unternehmensteilen rechnen. Dass Alpiq Geschäftsbereiche verkaufen muss, um Schulden abzubauen und kreditwürdig zu bleiben, ist schon länger klar. Erst wollte Alpiq einen Teil seiner Wasserkraftwerke verkaufen. Doch es fanden sich keine interessierten Investoren.

BKW will Alpiq-Geschäft nicht

Nun müssen, um zu überleben, profitable Wachstumsbereiche verkauft werden, Alpiq Intec beispielsweise, ein Gebäudetechnikkonglomerat, wie es der BKW derzeit zum Erfolg verhilft. Alpiq habe nicht die Mittel, um diese Geschäftsfelder selbst auszubauen, heisst es beim Energiekonzern. Die Zeitung «24 heures» berichtete kürzlich, ein Verkauf der Ingenieurs- und Gebäudetechniksegmente von Alpiq stünde kurz bevor. Überraschungen ausgeschlossen, soll anlässlich der Bilanzmedienkonferenz am kommenden Montag über den Entscheid informiert werden. Ein Manager sagte der Zeitung, der Verkauf der rentablen Geschäftsfelder «breche ihm das Herz». Aber das Unternehmen habe keine Wahl. Bei der Alpiq nahm man zum Bericht keine Stellung. «24 heures» schrieb, Käuferin sei wahrscheinlich eine ausländische Gruppe. Die BKW jedenfalls hat kein Interesse am Gebäudetechnik- und Ingenieurgeschäft von Alpiq, wie Thoma gestern sagte. (Der Bund)

Erstellt: 21.03.2018, 07:15 Uhr

Mehr Geld für die Aktionäre

Wegen des guten Geschäftsjahrs erhöht die BKW ihre Dividende von 1.60 auf 1.80 Franken pro Aktie. Davon profitiert der Mehrheitsaktionär, der Kanton Bern: Er wird 50 Millionen Franken erhalten. Auf den Lohn von BKW-Chefin Suzanne Thoma wirkte sich die Gewinnsteigerung nicht aus: Sie verdiente praktisch unverändert 1,3 Millionen Franken. Verwaltungsratspräsident Urs Gasche erhielt letztes Jahr 340 000 Franken, das sind 7000 Franken mehr als im Vorjahr. (sul)

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