BKW macht Stimmung für die Liberalisierung des Strommarktes

Der Berner Energiekonzern will, dass auch Private ihren Stromanbieter selbst wählen können.

BKW-Chefin Suzanne Thoma hofft im offenen Markt auf neue Kunden.

BKW-Chefin Suzanne Thoma hofft im offenen Markt auf neue Kunden.

(Bild: Adrian Moser)

Adrian Hopf-Sulc@adrianhopf

Noch mehr Auswahl: Neben Versicherungen, Telecom-Paketen und Vorsorgeprodukten können Herr und Frau Schweizer künftig womöglich auch ihren Stromanbieter individuell auswählen. Der Bundesrat hat letztes Jahr eine entsprechende Gesetzes­revision in die Vernehmlassung geschickt.

Gestern haben Vertreter der BKW vor den Medien dargelegt, wie sie zur Vorlage stehen. Zusammengefasst: Der Berner Energiekonzern wünscht sich eine noch liberalere Liberalisierung als vorgeschlagen. In vielen Punkten ist der BKW der Spielraum der Elektrizitätswerke noch zu klein, wie aus der Vernehmlassungsantwort des Unternehmens hervorgeht.

Damit befürwortet die BKW auch die Abschaffung der regionalen Monopole der Elektrizitätswerke im Kleinkundenmarkt. Das Risiko, dass Konkurrenten damit auch im Marktgebiet der BKW aktiv werden könnten, nimmt der Konzern in Kauf. Bereits heute verkauft die BKW die Mehrheit ihres produzierten Stroms nicht an Kleinkunden, sondern auf dem Grosskundenmarkt, der auch in der Schweiz bereits liberalisiert ist.

BKW bleibt Grundversorgerin

Die BKW-Verantwortlichen gehen nicht davon aus, dass die kleinen Privatkunden im freien Markt massenweise den Anbieter wechseln würden. Denn die Vorlage des Bundesrats sieht vor, dass die Kunden in der Grundversorgung bleiben und auch jederzeit in diese zurückkehren können. Indem die Kunden in der Grundversorgung blieben, wären sie nicht direkt den Schwankungen des Strompreises auf dem Markt ausgesetzt.

Mit dieser Lösung ist selbstredend auch die BKW einverstanden, die in weiten Teilen der Kantone Bern und Jura weiterhin der Grundversorger wäre und entsprechend weiterhin eine grosse Kundenbasis hätte.

Als künftige Kunden auf dem freien Markt attraktiv wären für die BKW KMU, Hausgemeinschaften oder ganze Siedlungen, die heute noch unter die jeweiligen Monopole der lokalen Elektrizitätswerke fallen.

Verschiedene Strom-Abos

Urs Meister, in der BKW-Konzernleitung für den Strommarkt zuständig, kann sich verschiedenste Stromprodukte vorstellen, etwa solche, die direkt den Marktpreis wiedergeben, oder solche, die einen auf Monate fixierten Tarif haben – vergleichbar mit einer Libor- oder Festhypothek.

Meister wies aber darauf hin, dass die Liberalisierung nur 30 bis 40 Prozent des Strompreises betreffe. Die Netzgebühren sowie die Einspeisevergütung (KEV) machten heute den grösseren Teil des Strompreises aus. Diese Gebühren würden auch mit der Marktöffnung unangetastet bleiben, da die Besitzer der Stromnetze ja über ein natürliches Monopol verfügten. Gerade für kleine Verbraucher wie Privathaushalte wird sich das Einsparpotenzial damit in Grenzen halten.

Laut BKW-Chefin Suzanne Thoma sind in der Schweiz vor allem die produzierenden Elektrizitätswerke für die Marktöffnung. Die mehreren Hundert regionalen Schweizer Grundversorger, die ihren Strom heute auf dem Markt einkaufen und ihn zum Monopolpreis an die Kunden liefern, sind laut Thoma eher gegen die Marktöffnung – weil es ihr Geschäftsmodell gefährden würde.

Thomas Sorgen mit der EU

Suzanne Thoma betonte gestern, die hiesige Strommarktöffnung sei Voraussetzung für ein Strommarktabkommen mit der EU, das für die Stromkonzerne wichtig sei. Die BKW-Chefin macht sich jedoch Sorgen um die Beziehungen zur Europäischen Union: «Ich werde langsam sehr nervös wegen unseres Verhältnisses zur EU. Ich hoffe, dass wir das mit dem Rahmenabkommen doch noch in den Griff bekommen.» In Brüssel sei die Geduld mit der Schweiz langsam zu Ende, was laut Thoma zum Problem werden könnte. Denn: «Die Schweiz braucht die EU mehr als die EU die Schweiz.»

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