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Bill Gates’ Mann in der Schweiz

Justin Howell berät seit acht Jahren Microsoft-Gründer Bill Gates. Den Software-Pionier vertritt er neu auch im Verwaltungsrat von Sika.

Justin Howell kennt sich mit Firmenübernahmen aus. Foto: Urs Flüeler (Keystone)
Justin Howell kennt sich mit Firmenübernahmen aus. Foto: Urs Flüeler (Keystone)

«Mister de Chalendar: Non, merci!», rief er an der Sika-Generalversammlung vor drei Jahren ins Mikrofon und erntete mit dem Votum gegen die Pläne des Saint-Gobain-Chefs kräftigen Applaus. Nun sitzt der Jurist und Anlagespezialist Justin Howell im Sitzungszimmer einer Anwaltskanzlei an der Zürcher Bahnhofstrasse. Dunkler Massanzug, kurz geschnittener Bart – der 47-jährige Kanadier lächelt zufrieden.

Der dreieinhalb Jahre dauernde Widerstand gegen die feindliche Übernahme von Sika durch Saint-Gobain hat sich für ihn mehrfach gelohnt. Das Zuger Unternehmen, in das sein Arbeitgeber über 1 Milliarde Franken investiert hat, bleibt eigenständig, der Aktienkurs erreicht immer neue Rekordwerte, und Howell ist an der ausserordentlichen Generalversammlung vom 11. Juni als neuer Sika-Verwaltungsrat gewählt worden.

Es war eine der prominenten Schlagzeilen im Übernahmestreit: Bill Gates zerrt Sika-Erben vor den Friedensrichter. Der Microsoft-Gründer aus Seattle – laut «Forbes»-Liste zweitreichster Mann der Welt – ist mit der Vermögensverwaltung Cascade und seiner Stiftung in zwei Schweizer Börsenfirmen investiert: Sika und Givaudan. Letztere ist als weltweit grösster Hersteller von Aromen und Duftstoffen mit Sitz in Genf ähnlich erfolgreich unterwegs wie der Zuger Bauchemiekonzern. Bei Sika ermöglichte die Unterstützung von Gates und anderen Grossaktionären den Widerstand des Verwaltungsrats gegen die Pläne der Erbenfamilie Burkard, ihre Kon­trollmehrheit an den französischen Saint-Gobain-Konzern zu verkaufen.

«We like Switzerland»

Justin Howell, der in New York Rechtswissenschaften studierte, arbeitet seit acht Jahren für die Investmentgesellschaft Cascade und den «Bill & Melinda Gates Foundation Trust». Mit einem Teil des Vermögens gründete das seit 1994 verheiratete Paar eine wohltätige Stiftung – weitere Milliarden sind in Cascade eingebracht. Beide zusammen halten rund 6,8 Prozent der Sika-Aktien. Howell ist für das Portfoliomanagement zuständig – und darin nimmt die Schweiz eine wichtige Rolle ein. «We like Switzerland», sagt Howell und meint damit nicht Landschaft, Emmentaler Käse und Milchschoggi.

In die Schweiz investiert das Ehepaar Gates hinter den USA, Kanada und Mexiko am meisten. Bis zu 100 Tage im Jahr ist Howell in der Welt unterwegs. Die vergangenen drei Jahre war er vermehrt in der Schweiz und traf sich mit dem Sika-Management, denn Cascade unterstützte den Verwaltungsrat auch im Gerichtsverfahren, das die Familie gegen den Verwaltungsrat führte.

Die Nähe zwischen Howell und der Firma war denn auch ein Grund, weshalb ihn Sika nach Beendigung des Übernahmestreits zur Wahl in den Verwaltungsrat vorschlug. «Die letzten dreieinhalb Jahre mit Sika waren sehr intensiv», sagt Howell. Rückblickend betrachtet, kommt es einem langen Bewerbungs­gespräch gleich. Im Sika-Verwaltungsrat sitzen mit dem Kanadier sieben Personen, nachdem die drei Vertreter der Erbenfamilie Burkard das ursprünglich neunköpfige Gremium verlassen haben.

Neben seinen Kontakten aus Amerika, wo die Bauwirtschaft boomt, bringe er ein breites Wissen zum Thema Firmenübernahmen mit, erklärt Howell. Bevor er zu Cascade wechselte, war er als Spezialist für Fusionen und Firmenaufkäufe tätig – unter anderem bei den Investmentbanken Merrill Lynch und Bank of America.

Sika will Tempo erhöhen

Dieses Wissen ist bei Sika gefragt. Der Markt für Bauzusatzstoffe ist stark fragmentiert. Die Zuger wollen durch Zukäufe von der anstehenden Konsolidierung der Branche profitieren und neue Märkte erschliessen. Verwaltungsratspräsident Paul Hälg sagt, dass das Unternehmen nach Ende des Übernahmestreits jetzt erst richtig durchstarten könne. Zuvor durfte der Konzern jährlich nur rund 200 Millionen Franken für Zukäufe ausgeben. Nun dürfte dieser Betrag auf 300 bis 500 Millionen Franken ansteigen. In Ausnahmefällen könne Sika sogar bis zu 1 Milliarde Franken auf den Tisch legen, sagt Hälg.

Über die Zusammenarbeit mit Bill Gates spricht Justin Howell nicht. Bei Cas­cade legt man grossen Wert auf Diskretion. Das prominente Auftreten bei Sika sei eine Ausnahme gewesen. Weshalb? «Weil der geplante Deal zwischen Saint-Gobain und der Familie nicht richtig war. Es lohnt sich, für eine so grossartig geführte Firma wie Sika zu kämpfen», sagt Howell.

Mit der Einigung, die Saint-Gobain einen Gewinn von knapp 800 Millionen und der Familie einen Aufpreis von rund 500 Millionen Franken einbrachte, zeigt sich Howell zufrieden. Hätte der Streit noch länger gedauert, wäre es teurer geworden, ist er überzeugt. «Jede Partei musste der anderen einen Schritt entgegenkommen.» Das sei der Preis für die Freiheit und den Frieden. Nun würden sich alle Parteien ohne rechtliche Streitereien ganz auf die Zukunft konzentrieren können. «Und wir haben noch viel vor mit Sika», freut sich der neue Verwaltungsrat.

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