Berns grosser Fang wird womöglich bald deutsch

Der Konzern Wabco ist eben nach Bern gezogen – nun ist er bereits ein Übernahmekandidat.

Der Konzen Wabco hat bereits eine Niederlassung in Bern. Nun verlegt er voraussichtlich seinen Hauptsitz in die Bundesstadt.<p class='credit'>(Bild: Franziska Rothenbühler)</p>

Der Konzen Wabco hat bereits eine Niederlassung in Bern. Nun verlegt er voraussichtlich seinen Hauptsitz in die Bundesstadt.

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Adrian Hopf-Sulc@adrianhopf

Vorerst sind es nur 40 neue Stellen, die in Bern entstehen. Doch mit Wabco hat die bernische Wirtschaftsförderung einen dicken Fisch an Land gezogen. Der US-Konzern verlegt seinen Hauptsitz ins Hochhaus der SRG im Ostring – und will hier in einem zweiten Schritt ein Kompetenzzentrum im Bereich der selbstfahrenden Autos aufbauen. Dafür hat Wabco mit grosser Wahrscheinlichkeit den im Kanton Bern maximal möglichen Steuerrabatt erhalten: während zehn Jahren einen totalen Erlass der Gewinnsteuern.

Der Deal könnte aber von einer neuen Entwicklung auf den Kopf gestellt werden: Der deutsche Konzern ZF hat jüngst bestätigt, dass er am Kauf von Wabco interessiert ist und dass bereits Verhandlungen laufen. ZF ist weltweit der drittgrösste Zulieferer der Autoindustrie. Der Konzern mit Sitz in Friedrichshafen am Bodensee möchte mit den von Wabco hergestellten Fahrzeugbremsen sein Portfolio komplettieren, schreibt das «Handelsblatt».

Regierungsrat bleibt gelassen

Grossrat Daniel Arn (FDP) wollte nun von der bernischen Regierung wissen, was eine Übernahme von Wabco durch ZF bedeuten würde. Er gehe davon aus, dass sich nichts am Wabco-­Umzug nach Bern ändern würde, schreibt der Regierungsrat in seiner gestern veröffentlichten Antwort. Erste Mitarbeiter des Konzerns seien bereits im SRG-Hochhaus eingezogen. Doch auch die Regierung kann nur mutmassen, die Übernahme ist schliesslich noch nicht besiegelt.

Ohne zu bestätigen, dass Wabco Steuererleichterungen erhält, weist der Regierungsrat darauf hin, dass vom Kanton geförderte Unternehmen eine Standortgarantie abgeben müssten. Sprich: Der mutmassliche Steuerrabatt würde rückwirkend aufgehoben, sollte Wabco in Bern nicht während der vereinbarten Zeit mindestens die vereinbarte Anzahl an Mitarbeiter beschäftigen.

Abteilung statt Zentrale

Wenn Wabco – oder dereinst der neue Besitzer ZF – den Rabatt also nicht gefährden wollte, müssten die Büros vorerst also in Bern verbleiben. Dies wäre wohl auch möglich, wenn Wabco bereits von ZF am Bodensee aus gesteuert werden würde und in Bern einfach die Konzern-Abteilung Wabco ihren Sitz hätte.

Der Wabco-Konzern gab Mitte Februar bekannt, dass er seine Konzernzentrale nach Bern verlegen will. Wabco erzielt einen Jahresumsatz von 3,8 Milliarden Dollar und einen Reingewinn von knapp 400 Millionen. Laut dem «Handelsblatt» würde die deutsche ZF bis zu 8Milliarden Euro für das Unternehmen bezahlen.

ZF wollte Wabco bereits vor zwei Jahren übernehmen, doch der Aufsichtsrat des deutschen Konzerns hat das Vorhaben schliesslich gestoppt. Nun befindet sich ZF in finanziell besserer Verfassung, weshalb die Übernahme im zweiten Anlauf erfolgreich werden könnte.

Der Bund

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