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Berner täuschte 30 000 Schweizer Online-Shopper

Ein Koch hat im Internet gefälschte Markenartikel für 1,4 Millionen Franken verkauft – und kassiert dafür nun eine happige Strafe.

Der Berner verkaufte auch Fälschungen solcher Beats-Kopfhörer, wie sie hier ein American-Football-Spieler trägt.
Der Berner verkaufte auch Fälschungen solcher Beats-Kopfhörer, wie sie hier ein American-Football-Spieler trägt.
Keystone

Es ist der Traum vieler Online-Shopper: Markenartikel zu günstigen Preisen. Bei einem Berner wurden die Schnäppchenjäger fündig. Er verkaufte unter anderem Smartphone-Zubehör von Apple und Sony, Kopfhörer von Beats und Uhren der belgischen Marke Ice Watch zu attraktiven Preisen.

Das Ganze hatte aber einen Haken: Die Ware war durchs Band gefälscht. Begonnen hatten die krummen Geschäfte im Jahr 2010. Bis am frühen Morgen des 19. April 2013 die Berner Kantonspolizei an seiner Haustür klingelte, hatte der Mann fast 30 000 Produkte weiterverkauft – grösstenteils über die Auktionsplattform Ricardo.ch, teilweise auch über einen eigenen Internetshop. Insgesamt setzte der gelernte Koch mit den Verkäufen 1,4 Millionen Franken um. Gestern musste er sich vor dem Wirtschaftsstrafgericht des Kantons Bern verantworten.

Das Geschäft des heute 34-jährigen Mannes lief so simpel wie erfolgreich: Er kaufte die gefälschte Ware bei chinesischen Herstellern, meistens über die Handelsplattform Aliexpress. Die Ware passierte den Schweizer Zoll problemlos – und so verkaufte er die Elektronikartikel von seinem Lager in der Region Bern aus weiter. Offenbar gaben sich die allermeisten Kunden mit der gelieferten Ware zufrieden – oder sie scheuten den Aufwand, gegen den Mann vorzugehen.

«moja05» und «mobe01»

Reklamationen führten jedoch dazu, dass Ricardo die Verkäuferkonten des Mannes – «moja05» und «mobe01» – im Sommer 2012 sperrte und einen Beweis für die Echtheit der Ware verlangte. Nun tat der Mann etwas, das seine Tat in den Augen des Gerichts deutlich gravierender machte: Er fälschte Rechnungen seiner angeblichen Lieferanten. Als er einige Monate später erneut des Verkaufs gefälschter Ware verdächtigt wurde, fertigte er auch noch zwei Postfinance-Zahlungsauszüge an. Diese sollten beweisen, dass er die Ware bei den Herstellern der echten Ware bestellt und bezahlt hatte. Damit hatte er sich der Urkundenfälschung schuldig gemacht – was später im Zuge der polizeilichen Ermittlungen aufflog. Der Staatsanwalt Christoph Wyttenbach lobte vor Gericht den zuständigen Regionalfahnder für dessen Arbeit: Dieser hatte über 60 000 E-Mails durchzuarbeiten und zu kategorisieren und in Excel-Listen einzutragen, um das Ausmass des Delikts zu erfassen. Zudem musste die beschlagnahmte Ware, die sich im Lager des Mannes befand, nach gefälschter und echter Ware sortiert werden. Der Angeklagte hatte sich dabei kooperativ gezeigt und dem Polizisten geholfen. Er sagte gestern auf eine entsprechende Frage von Gerichtspräsidentin Barbara Lips, er habe gewusst, dass er mit dem Verkauf der gefälschten Ware etwas Verbotenes tue – es sei ihm aber nicht bewusst gewesen, «wie schlimm der Tatbestand ist». Zudem bereue er seine Taten.

Ein teures Verfahren

Das Gericht verurteilte den Mann schliesslich wegen gewerbsmässiger Warenfälschung, gewerbsmässiger Markenrechtsverletzung, unlauteren Werbe- und Verkaufsmethoden und Urkundenfälschung zu einer Freiheitsstrafe von 32 Monaten, davon 8 Monate unbedingt. Zudem sprach das Gericht eine bedingte Geldstrafe von 14 400 Franken aus. Ausserdem muss der Mann die Verfahrenskosten von knapp 22 000 Franken und die Kosten seines amtlichen Verteidigers von gut 11 000 Franken tragen. Und einem Hersteller von Mini-Lautsprechern aus Singapur muss er 7000 Franken überweisen, weil er entsprechende Fälschungen verkauft hatte. Weiteren geschädigten Unternehmen steht nun theoretisch der Weg für Zivilklagen offen.

Weil der Mann geständig war, wurde das Urteil im abgekürzten Verfahren gefällt. Sein Anwalt handelte zusammen mit dem Staatsanwalt ein Strafmass aus – wobei der Staatsanwalt offenbar aber am längeren Hebel war. Das Gericht sprach sein Urteil zwar entsprechend dem Antrag der Staatsanwaltschaft, Gerichtspräsidentin Lips bezeichnete es aber als «eher streng».

Der Verteidiger des Mannes äusserte vor Gericht die Hoffnung, dass dieser die 8-monatige Freiheitsstrafe in Halbgefangenschaft verbüssen könne – damit er sein Geschäft nicht aufgeben muss. Denn der Mann ist auch heute noch im Internethandel tätig – jedoch verkauft und liefert er Büromobiliar statt Markenartikel.

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