«Beim Briefporto wird es zu Preiserhöhungen kommen»

Postpräsident Urs Schwaller möchte die Tarife bis 2019 anheben.

«Ich kann verstehen, dass es Leute gibt, die unzufrieden sind», sagt Post-Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller. Foto: Adrian Moser

«Ich kann verstehen, dass es Leute gibt, die unzufrieden sind», sagt Post-Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller. Foto: Adrian Moser

Die Post schliesst seit Jahren im grossen Stil Poststellen. Wie sieht der weitere Fahrplan aus?
Bis 2020 reduzieren wir die Zahl der traditionellen Poststellen auf 800 bis 900. Gleichzeitig suchen wir das Gespräch mit den Kantonen, den Gemeinden und der Bevölkerung.

Kritiker sagen, die Post schliesse weitere Filialen, noch bevor die Gespräche stattgefunden hätten.
Den Umwandlungsprozess können wir nicht anhalten. Zudem haben wir bereits mit allen Kantonen – ausser Freiburg – erste Gespräche geführt. Und wir haben auch mit der Bevölkerung erste Anlässe durchgeführt. Mir macht es aber Mühe, wenn an solchen Anlässen die Gewerkschaften eigene Poststellen-Listen präsentieren, die gar nicht stimmen. Da wird beispielsweise behauptet, im Kanton Freiburg gebe es in Zukunft nur noch 9 Poststellen und im Jura noch 3 bis 4. Das ist Angstmacherei.

Der Bundesrat kritisiert im Postgesetzbericht, dass Agenturen für den Zahlungsverkehr kein vollwertiger Ersatz sind. Er fordert, dass die Post dem mehr Beachtung schenkt.
Den Bericht des Bundesrats haben wir zur Kenntnis genommen, und wir werden ihn in den nächsten Tagen im Verwaltungsrat thematisieren. Die Politik muss aufpassen, dass nicht zusätzliche Auflagen unsere Entwicklungsmöglichkeiten zu stark einschränken. Das ist ein Balanceakt. Grundsätzlich finde ich die Agenturlösung sinnvoll. In einer Agentur können Sie alles machen wie auf einer traditionellen Poststelle, ausser eben der Bareinzahlung. Der eingeschlagene Weg mit den Agenturen ist aber unumgänglich.

Könnten Kunden beim Briefträger Bareinzahlungen tätigen?
Der Hausservice ist vor allem für ländliche Gebiete ideal. Es ist angesichts der bereits hohen Verbreitung des Hausservice davon auszugehen, dass es nur noch vereinzelt zu neuen Umsetzungen kommen wird.

Ihr Vorgänger, Peter Hasler, hat klar vorgegeben, dass die Poststellen selbsttragend sein müssen.
So weit gehe ich nicht. Eine gewisse Abdeckung mit Poststellen gehört zum Grundauftrag. In meinen Augen ist es auch nicht realistisch, in dem Bereich eine schwarze Null zu erreichen. Aber das Minus ist im Moment zu gross und muss sinken.

«Für Neueinstellungen müssen marktfähige Löhne geboten werden.»

2015 betrug es 100 Millionen Franken.
Wir sind heute höher – näher an 200 als an 100 Millionen. Ich habe eine Zielgrösse im Kopf, möchte diese im Moment aber noch nicht kommunizieren.

Werden Sie Einsparungen mit den bereits bekannten Massnahmen erreichen?
Ja. Damit wir uns richtig verstehen: Ich denke nicht an ein Defizit von nur noch 5 oder 10 Millionen.

Die Gewerkschaften unterstellen der Post, sie verschiebe defizitäre Bereiche, etwa Paketautomaten, bewusst in die Rechnung der Poststellen, um ein Argument für die Schliessungen zu haben.
Dieser Vorwurf ist falsch. Wir müssen unsere Rechnungslegung den Gewerkschaften einmal eins zu eins erklären. Ich habe mir vorgenommen, dieses Gespräch zu führen.

Die Post gibt sich verschlossen bei Sparprogrammen bei der Postfinance und in den Konzernbereichen Personal, Finanzen und Kommunikation.
Wir haben zuerst gesagt, was wir bei den Poststellen tun. Wenn wir das Netz verändern, müssen wir auch im Hintergrund die Prozesse anpassen. Diese Absicht haben wir den Mitarbeitenden vor zwei Monaten kommuniziert. Derzeit läuft die Überprüfung. Das Ergebnis steht erst später fest. Zum gegebenen Zeitpunkt werden wir informieren.

Postchefin Susanne Ruoff hat gesagt, sie würde auch für den halben Lohn arbeiten.
Der Bundesrat hat im November die Eckwerte für die Entlöhnung der Geschäftsleitung festgelegt. Diese Vorgaben sind bindend. Die Löhne können wir nicht beliebig senken. Ich glaube zwar nicht, dass uns mit tieferen Löhnen plötzlich alle davonlaufen würden. Hingegen stelle ich fest, dass für Neueinstellungen marktfähige Löhne geboten werden müssen. Im Moment suchen wir einen neuen Personalchef. Die eine oder andere Kandidatur wurde bereits zurückgezogen – wegen der Lohnfrage. Deshalb fände ich es absolut falsch, alle Löhne der Geschäftsleitung um die Hälfte zu kürzen.

Die Post spart nicht nur, sie erhöht auch die Preise. Ein heikles Thema sind dabei die Briefporti.
Beim Briefporto wird es mittel- bis langfristig zu Preiserhöhungen kommen. Weil die Abmachungen mit dem Preisüberwacher auslaufen, müssen wir diese Diskussion bald führen. Mein Ziel wäre es, dass wir per 2019 die Porti anheben können.

Anlass zu Diskussionen geben auch die Zustellzeiten.
Überall dort, wo die Zeitungen nicht per Frühzustellung zum Leser kommen, müssen wir am Vormittag zustellen.

«Die Schweiz hat eines der weltweit besten Postsysteme mit hoher Zuverlässigkeit und guter Abdeckung.»

Wo die Zeitung per Frühzusteller kommt, könnte die Post ruhig erst am Nachmittag ausgetragen werden?
Ich finde es falsch, wenn man sich grundsätzlichen Überlegungen verschliesst. Ob ich die Zahnarztrechnung am Montagmorgen oder erst am Dienstagnachmittag bekomme, wen stört das?

In der Summe erleben Kunden die Massnahmen der Post als Abbau. Gleichzeitig steigen die Preise. Verstehen Sie den Unmut?
Ich kann verstehen, dass es Leute gibt, die unzufrieden sind. Gleichzeitig sage ich aber, die Schweiz hat eines der weltweit besten Postsysteme mit hoher Zuverlässigkeit und guter Abdeckung. Wenn das so bleiben soll, braucht es gewisse Anpassungen. Es ist aber an uns, dass wir besser erklären, was unsere neuen Angebote sind. Das war wohl lange unsere Schwäche; die Leute wurden zu wenig auf unsere Leistungen aufmerksam gemacht.

Hat die Post auch die Digitalisierung verschlafen?
Heute gehören wir punkto Innovation zur Spitzengruppe. Wenn wir die technologische Spitzenposition nicht besetzen, macht es auf kurz oder lang ein ausländischer Konkurrent. Amazon liefert in Deutschland Pakete direkt an die Haustür. Das ist auch in der Schweiz denkbar. Dabei kostet die Logistik nichts; sie ist im verkauften Produkt eingepreist. Wenn die Post im Geschäft bleibt, bleiben auch die Gewinne und die Arbeitsplätze in der Schweiz. Die ganze Umwandlung der Post dient dazu, Arbeitsplätze in der Schweiz zu halten.

Die Post hat viele Innovationen noch nicht zum Tragen gebracht oder wieder aufgegeben.
Dass nicht alle Pilotprojekte erfolgreich sind, ist normal. Für mich gehört es dazu, dass wir unternehmerische Risiken eingehen und neue Dinge ausprobieren. Ich kenne keinen Unternehmer, der sagt: Mir ist alles gelungen.

Wie bereitet sich die Post auf neue Konkurrenten wie Amazon vor?
Amazon kann die Logistikkosten auf die Produkte abwälzen. Wir können das nicht. Die Antwort darauf müssen wir geben mit noch mehr Effizienz beim Sortieren und Zustellen und mit hoher Qualität. Das bedeutet wohl auch, dass die Samstags- und Sonntagszustellung oder die Zustellung am Bestelltag vermehrt ein Thema werden. Da ist eine gewisse Offenheit gefragt.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt