Aufregung im Blumenladen

Der international tätige Blumenversender Fleurop hat in der Schweiz einen eigenen Online-Blumenladen lanciert. Damit verärgert er seine angestammten Partner, die Floristen.

Fleurop ist mächtig: Rund 300'000 Kundenaufträge erhält der Fachhandel in der Schweiz jährlich über den Blumenversender.

Fleurop ist mächtig: Rund 300'000 Kundenaufträge erhält der Fachhandel in der Schweiz jährlich über den Blumenversender.

(Bild: Adrian Moser)

Mischa Stünzi

Sandra Maarsen wählt starke Worte: Verrat an der Grundidee sei es, was Fleurop derzeit mache, sagt die Geschäftsführerin des Berner Blumenladens Blumen Maarsen. Diese Grundidee hatte der Florist Max Hübner zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Der Berliner suchte damals Partner, um Blumensträusse im ganzen Land vertreiben zu können. 1908 gründete er deshalb die Vorgängerorganisation von Fleurop, die Blumenspenden-Vermittlung. Aus dieser ist über die Jahre ein globales Unternehmen geworden, das heute in 150 Ländern agiert und dem mehr als 50000 Partnerfloristen angehören.

Einnahmen generiert Fleurop mit Kommissionen für vermittelte Aufträge. Doch in der Schweiz dringt das Unternehmen nun in ein neues Segment vor und verkauft selber Blumen – sehr zum Ärger der Partnerfloristen.

Späte Information

Im Januar hat Fleurop einen eigenen Online-Blumenladen lanciert mit dem Namen Fleurop Home. Über diesen können Kunden – gleich wie beim etablierten Portal Fleurop.ch – Blumen und kleine Geschenke wie Weine, Teddybären und Schokolade bestellen.

Der Unterschied zu Fleurop.ch: Der Auftrag landet nicht bei einem der rund 400 Schweizer Partnergeschäfte, sondern wird durch Fleurop selber abgewickelt. «Es ist nicht das erste Mal, dass Fleurop die Partnerfloristen vor den Kopf stösst», sagt Maarsen. 2011 habe der Blumenversender in Uster einen eigenen Blumenladen eröffnet. Und schon damals seien die Partner mit dem Vorgehen nicht einverstanden gewesen.

Fleurop habe aber beteuert, der Laden sei eher ein Testlabor als ein Geschäft und es bleibe bei diesem einen. Und nun komme diese Offensive im Internet.

Für den Eigengebrauch

Maarsen ist nicht die Einzige, die sich über die unerwartete Konkurrenz ärgert. Das neue Angebot habe die Gemüter zweifelsohne erregt, sagt Paul Fleischli, Blumenhändler aus Zürich und Präsident des Schweizerischen Floristenverbands. Er führt das allerdings primär darauf zurück, dass Fleurop die Branche anfangs nicht über die neue Plattform informiert habe.

Letzte Woche dann – zwei Wochen nach dem Start – hat Fleurop die Partner doch noch informiert und ihnen versichert, Fleurop Home sei keine Konkurrenz zum bestehenden System, sondern eine Ergänzung.

So sei die Plattform nicht als Geschenkshop aufgebaut, sondern für Kunden gedacht, die für den Eigengebrauch bestellten. Wenn sich das so umsetzen lasse, könne der Verband nichts dagegen haben und unterstütze die Idee, sagt Fleischli.

Zudem hat Fleurop versprochen, über die neue Plattform keine gebundenen Sträusse und floristischen Arrangements zu verkaufen. Verkauft würden dort vor allem Produkte aus den Bereichen Lifestyle, Deko und Genuss, teilt Fleurop-Chef Jörg Beer mit. «Blumen werden dabei nur eine untergeordnete Rolle spielen.»

Tulpen sind halb so teuer

Trotzdem spricht einiges dafür, dass Fleurop Home der altgedienten Plattform Aufträge streitig machen wird. Fleurop bietet nämlich im neuen Webshop teils massiv tiefere Preise. So kostet etwa ein Strauss mit 15 weissen Tulpen auf Fleurop.ch inklusive Gebühren 64.80 Franken. Auf Fleurop Home dagegen kostet ein Strauss mit ebenfalls 15 weissen Tulpen inklusive Versandkosten nur 28.80 Franken.

Bis zur Medienanfrage des «Bund» wurden auch die Geschenke auf Fleurop Home mit einem Preisabschlag verkauft: Die Flasche Ripasso zum Beispiel kostete Anfang Woche bei Fleurop 29.90, bei Fleurop Home nur 24.90 Franken.

In der Zwischenzeit hat Fleurop die Preise für den Rotwein und die anderen Geschenke angeglichen – weil die unterschiedlichen Preise bei den Partnergeschäften auf Unverständnis gestossen seien, sagt Beer.

Webshop erst im Aufbau

Der Fleurop-Chef will die Wogen weiter glätten und sagt: Das neue Portal sei als Marktplatz konzipiert, der auch den Partner-Floristen offenstehe. In Zukunft hätten die Blumenläden die Möglichkeit, ausgesuchte Produkte auf Fleurop Home zu stellen und sich so neue Verkaufskanäle zu erschliessen.

Ob das die Gemüter besänftigen wird, bleibt abzuwarten. Die erste Aufregung habe sich wieder etwas gelegt, sagt zwar Floristen-Präsident Fleischli. Aber der eigentliche Start von Fleurop Home steht erst bevor, denn in den kommenden Wochen und Monaten wird der neue Webshop, der aktuell auf Sparflamme läuft, Schritt für Schritt ausgebaut.

Sollte die Entwicklung dabei in eine andere Richtung gehen als die nun versprochene, werde der Verband sofort bei Fleurop vorstellig werden, so Fleischli.

In der Branche ist man sich aber bewusst, wie gross die Marktmacht von Fleurop ist. Die Branche sei «sehr dankbar», mit Fleurop einen starken Partner im Rücken zu haben, sagt Fleischli.

Jährlich erhalte der Fachhandel so rund 300'000 Kundenaufträge. Auch Floristin Maarsen verweist auf die Wichtigkeit der Partnerschaft. Ein Ausstieg bei Fleurop sei deshalb kein Thema – zumindest im Moment nicht.

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