Armani gewinnt gegen Bieler Uhrenmarke

Der Uhrenhersteller Glycine soll sein neues Logo wieder ändern – weil es dem des Luxuslabels Giorgio Armani zu ähnlich sieht. Der italienische Modekonzern verlangt Schadenersatz.

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Adrian Hopf-Sulc@adrianhopf

Ist es noch eine Krone oder bereits ein Raubvogel? Genau diese Frage musste im Herbst das bernische Handelsgericht klären. Denn der Mailänder Modekonzern Giorgio Armani hatte den kleinen, traditionsreichen Uhrenhersteller Glycine verklagt. Die 1914 in Biel gegründete Marke Glycine verwendete jahrzehntelang eine stilisierte Krone über dem Namenszug. 2015 passte Glycine das Logo an – auf den Zifferblättern prangt seither eine Krone mit Flügeln.

Knapp zwei Jahre später reagierten die Juristen von Armani: Sie befanden das neue Glycine-Logo als zu ähnlich mit dem Armani-Logo, das einen Raubvogel zeigt. Armani hatte sein Logo in der Schweiz bereits 1997 zum Schutz angemeldet. Der Konzern stellt neben Kleidern auch Uhren her – der Armani-Raubvogel ziert deren Zifferblätter.

Armani störte sich besonders an den Glycine-Modellen namens Airman, weil das Wort optisch stark an Armani erinnert. Die Italiener schrieben einen Brief an die Muttergesellschaft von Glycine, die Invicta Watch Company of America mit Sitz im US-Bundesstaat Florida (bis 2016 gehörte Glycine dem Schweizer Handelskonzern DKSH). Doch Glycine wollte das Logo nicht erneut ändern. Und so reichte Armani 2017 Klage ein.

Im September trafen sich die Parteien vor Gericht in Bern, im November legten die Richter das schriftliche Urteil vor. Glycine hat den Prozess auf ganzer Linie verloren. Die Handelsrichter verbieten es der Glycine Watch SA «unter Androhung der Bestrafung ihrer Organe mit Busse im Widerhandlungsfall», das geflügelte Logo weiterhin zu verwenden – sei es auf Uhren, Katalogen, Internetseiten oder bei Servicedienstleistungen.

Bei einer bekannten Marke wie Armani dürfen die Richter einen besonders strengen Massstab anlegen.

Und: Glycine wird für die seit der Logo-Änderung verkauften Uhren einen Schadenersatz an Armani abliefern müssen. Wie hoch dieser ist, wollen die Richter in einem zweiten Schritt festlegen.

Die Bieler müssen ihre Geschäftszahlen offenlegen

Vorerst wurde Glycine dazu verurteilt, alle Stück-, Umsatz- und Gewinnzahlen der Uhren mit dem neuen Logo offenzulegen. Auf dieser Basis soll dann die Höhe der Strafzahlung ermittelt werden. Auch die Prozesskosten werden erst im zweiten Urteil festgelegt.

Laut den Richtern besteht beim neuen Logo von Glycine die Gefahr, dass Uhrenkäufer die beiden Marken verwechseln könnten. Zwar sei beim Armani-Logo der Schnabel des Raubvogels zu erkennen. Doch solche Unterschiede würden sich die Käufer kaum merken. Und auf den kleinen Zifferblättern seien die Unterschiede noch schlechter zu erkennen.

«Die Ähnlichkeit hätte auffallen müssen»

Für ein Verbot des Glycine-Logos spricht laut Urteil auch, dass die konkurrenzierenden Logos für das gleiche Produkt, also Armbanduhren, registriert wurden. Zudem dürfe gemäss Rechts­praxis bei einer breit bekannten Marke wie Armani ein besonders strenger Massstab angelegt werden. Fazit der Berner Richter: «Die Ähnlichkeit zwischen der angepassten Flügelkrone und den Adlermarken der Klägerin hätte der Beklagten auffallen können und müssen.» Darüber hinaus habe Armani die Bieler vor der Klage noch abgemahnt, worauf diese hätten reagieren können.

Glycine hat das Urteil nun weitergezogen. Da das bernische Handelsgericht erste und zweite Instanz zugleich ist, liegt der Fall nun also beim Bundesgericht in Lausanne.

Markus Frick, der Rechtsanwalt der Uhrenmarke, will das Urteil des Handelsgerichts nicht kommentieren, weil die beiden Parteien trotz dem Weiterzug des Urteils Vergleichsgespräche aufgenommen haben. Glycine rechnet wohl nicht damit, dass die Bundesrichter das Berner Urteil kippen werden – und hofft nun, am Verhandlungstisch eine günstigere Lösung zu erzielen.

Der Bund

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