Zum Hauptinhalt springen

an der EZB-Spitze Mario Draghi löst Trichet an der Spitze der EZB ab Letzter Arbeitstag von Jean-Claude Trichet diesen Montag

Bern Mario Draghi gilt als krisenerprobt und ehrgeizig.

Am Dienstag übernimmt er die Führung der Europäischen Zentralbank. Auf den neuen EZB-Präsidenten wartet einer der derzeit härtesten Finanz-Jobs. Mitten in Europas Schuldenkrise übernimmt der Italiener Mario Draghi den Posten des obersten europäischen Währungshüters. Er löst am Dienstag (1. November) den bisherigen EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet ab, der nach acht Jahren turnusgemäss aus dem Amt scheidet. Auf Draghi wartet in Frankfurt eine Herkulesaufgabe. Der ehemalige Präsident der italienischen Notenbank muss den Euro-Raum durch die Schuldenkrise steuern, die auch nach den jüngsten Gipfel-Beschlüssen nicht ausgestanden ist. Beobachter spekulieren bereits darüber, mit welchen Instrumenten die Euro-Hüter unter Draghis Führung künftig die Brände der Krise löschen werden. Der Kauf von Anleihen europäischer Schuldenstaaten unter Trichet gilt als Sündenfall, weil die Notenbank damit für die unsolide Politik der Regierungen geradesteht. Vor allem aus Deutschland hagelte es Kritik, aber auch innerhalb des EZB-Rates sind die milliardenschweren Ankäufe umstritten. Zwar soll demnächst der europäische Rettungsschirm EFSF Anleihen von Euro-Krisenländern erwerben. Nach Einschätzung verschiedener Ökonomen ist die Notenbank als Krisenfeuerwehr aber weiter unverzichtbar. Damit die auf dem Gipfel beschlossenen Massnahmen Wirkung zeigten, müsse die Notenbank weiter Anleihen kaufen, argumentieren die Experten. Wie Draghi mit dem Thema umgeht, muss sich noch zeigen. Einen grundsätzlichen Kurswechsel der EZB unter dem neuen Präsidenten erwarten Beobachter nicht. Oberstes Entscheidungsgremium in Sachen Zinspolitik und Krisenmanagement ist ohnehin der EZB-Rat, dem unter anderem die 17 Vertreter der nationalen Notenbanken angehören. Zudem hat Draghi bereits angedeutet, dass er bei der Geldpolitik den bisherigen Kurs fortsetzen dürfte und nichts von niedrigen Zinsen um den Preis hoher Inflationsraten hält. Niedrigere Zinsen verbilligen Kredite für Unternehmen und Konsumenten und können somit Investitionen und den privaten Konsum anschieben. Zugleich heizen sie damit aber die Inflation an. Auch mit Kritik an Haushaltssündern hält Draghi, der sich als Vizepräsident der Investmentbank Goldman Sachs in London den Spitznamen «Super Mario» erwarb, nicht hinter dem Berg. «Ohne Haushaltsdisziplin kann die Wirtschaft langfristig nicht wachsen», mahnte der passionierte Bergsteiger beim Festakt zur Verabschiedung Trichets.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch