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Amazons Bananenschwemme

Der Internetriese verteilt in Seattle gratis Bananen – und wirbelt damit den Früchtemarkt durcheinander.

Bananen: Amazon kann selbst diesen Markt durcheinander bringen.
Bananen: Amazon kann selbst diesen Markt durcheinander bringen.
Daniel Karmann, Keystone

Woran erkennt man einen Amazon-Angestellten? Er läuft mit einer Banane in der Hand durch die Gegend. Das ist keineswegs ein Witz: In Seattle (USA), wo der Internetkonzern seinen Hauptsitz hat, sind die Bananen tatsächlich ein Erkennungszeichen seiner Mitarbeiter. Der Grund: Amazon verteilt die Früchte rund um den Hauptsitz an Mitarbeitende und Quartierbewohner – gratis. Und ob gewollt oder nicht – ganz im Sinne der Internetindustrie wirkt sich das disruptiv auf den Bananenmarkt in der Umgebung aus.

Angefangen hat das im Dezember 2015 mit einem Stand, ein Jahr später kam noch ein weiterer hinzu. Was die Bananenfans freut, bereitet Obstläden und Cafés in der Umgebung hingegen Sorgen. Ein vegetarisches Café etwa beklagt sich im «Wall Street Journal», dass man den Einkauf von Bananen zurückschrauben musste, weil die Nachfrage stark gesunken sei, seit Amazon die Früchte anbietet. Früher hatte das Café Bananenstücke auf Joghurt angeboten, nun konzentriert es sich auf kompliziertere Produkte wie veganen Eierlikör auf Bananenbasis oder Bananen-Schoko-Drinks.

Banistas und Bananager verteilen die Früchte

Der Betreiber einer Saftbar berichtet dem Wirtschaftsmagazin, dass Kunden ihn fragen, warum seine Bananen nicht gratis seien. «Das können wir uns leider nicht leisten», sagt er. Ein weiteres Restaurant beschwert sich über ein ganz anderes Problem: Kunden würden die Bananenschalen der Gratisfrüchte nach ihrem Mittagessen einfach so auf dem Tisch liegen lassen und das Restaurant müsse diese dann entsorgen. 8000 Bananen verteilen die Angestellten, die Amazon «Banistas» und «Bananager» nennt, pro Tag, seit Beginn waren es 1,7 Millionen.

Auch in der Schweiz gab es kürzlich eine ganze Menge Gratisbananen. Anlässlich des 25. Jubiläums von Max Havelaar verteilte Coop eine Million Gratis-Fairtrade-Bananen in der ganzen Schweiz. Aufgrund der breiteren Verteilung und weil es sich um eine einmalige Aktion handelt, dürfte sich der marktverzerrende Charakter aber in Grenzen gehalten haben.

Bald auch Avocados?

Die Obst- und Gemüsehändler aus der Umgebung von Amazon müssen sich indes auf weitere Probleme einstellen. Wie Bananager Eric Mountcastle dem «Wall Street Journal» berichtet, lechzen die Amazon-Mitarbeiter bereits nach mehr. «Wir haben ziemlich viele Anfragen für Avocados erhalten», so der Bananenexperte. (laf)

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