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Alpiq behält Wasserkraftwerke – und fordert Hilfe

Die Suche nach Käufern verlief ergebnislos. Jetzt fordert der Energiekonzern eine komplette Liberalisierung des Strommarkts.

Hoffen auf die Politik: Alpiq-Hauptsitz hinter der Alten Brücke in Olten: Reto Oeschger
Hoffen auf die Politik: Alpiq-Hauptsitz hinter der Alten Brücke in Olten: Reto Oeschger

Für viele ist es eine Entwarnung: Alpiq, der Oltner Energiekonzern, will seine Wasserkraftwerke doch nicht verkaufen. Das geht aus seiner gestern verschickten Mitteilung zu den Halbjahreszahlen hervor. Es habe sich kein Käufer gefunden, der bereit gewesen wäre, «die unwägbaren regulatorischen Risiken» mitzutragen, teilte Alpiq mit. Die Suche nach Investoren verlief erfolglos. Politiker zeigten sich erleichtert. Die Wasserkraft sei «too important to fail», sagte etwa SP-Nationalrätin Jacqueline Badran der Nachrichtenagentur SDA.

Eineinhalb Jahre ist es her, dass Alpiq in der Schweiz für Aufregung sorgte. Im März 2016 kündigte der Konzern an, bis zu 49 Prozent seines Schweizer Wasserkraftportfolios zu verkaufen. Mit dem Schritt wolle man die Abhängigkeit von den Strompreisen reduzieren, schrieb Alpiq und klagte, dass die Wasserkraftproduktion nicht nur wegen der tiefen Strompreise defizitär sei, sondern auch wegen des regulatorischen Umfelds. Der Konzern wies zudem explizit darauf hin, dass inländische oder ausländische Käufer infrage kämen.

Was folgte, war ein politischer Aufschrei. Alpiq verscherble Schweizer Stauseen, hiess es. Politiker von links bis rechts forderten, der notleidenden Wasserkraft sei unter die Arme zu greifen. Christoph Blocher sagte in der «SonntagsZeitung», Wasserkraft und Atomkraft müssten staatlich subventioniert werden. Der Ausverkauf als Drohkulisse brachte Bewegung in die Diskussion.

Ausverkauf als Drohkulisse

Alpiq fordert seit längerem politische Unterstützung wegen der tiefen Strompreise. Am selben Tag, an dem das Unternehmen über seine Verkaufsabsichten informierte, erschien in der «Basler Zeitung» ein Bericht, der für Aufsehen sorgte. Er handelte von einem vertraulichen Strategiepapier, das die PR-Firma Hirzel Neef Schmid Konsulenten für Alpiq verfasst hatte.

Das 15-seitige Dokument führte detailliert auf, wie Politiker, Hochschulen, Verbände und Journalisten für eine Kampagne eingespannt werden sollten. Deren Ziel: «Durch geeignete politische Massnahmen sicherzustellen, dass die Betriebsrechnung in den Bereichen Wasserkraft und Kernkraft schnellstmöglich wieder positiv ist.» Alpiq erklärte damals, das Papier sei eine extern verfasste Diskussionsgrundlage und «liege nicht einmal der Geschäftsleitung vor».

Bilder: Das Alpiq-Portfolio

Zum Handeln gezwungen: Alpiq-Chefin Jasmin Staiblin (links) und Finanzchef Thomas Bucher mussten für 2015 einen Reinverlust von 830 Millionen Franken bekannt geben. (7. März 2016)
Zum Handeln gezwungen: Alpiq-Chefin Jasmin Staiblin (links) und Finanzchef Thomas Bucher mussten für 2015 einen Reinverlust von 830 Millionen Franken bekannt geben. (7. März 2016)
Urs Flueeler, Keystone
Um an Geld zu kommen, wollte Alpiq zunächst knapp die Hälfte seines Wasserkraftportfolios verkaufen, wie der Konzern im März bekannt gab : Zervreilasee, oberhalb von Vals im Bündnerland, dessen Stromproduktion dem Energiekonzern gehört.
Um an Geld zu kommen, wollte Alpiq zunächst knapp die Hälfte seines Wasserkraftportfolios verkaufen, wie der Konzern im März bekannt gab : Zervreilasee, oberhalb von Vals im Bündnerland, dessen Stromproduktion dem Energiekonzern gehört.
Alessandro Della Bella, Keystone
In der Turbinenhalle: Ein Monteur vor den Turbinen des Kraftwerks Cleuson-Dixence.
In der Turbinenhalle: Ein Monteur vor den Turbinen des Kraftwerks Cleuson-Dixence.
Laurent Gillieron, Keystone
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Politische Massnahmen zur Stützung der Wasserkraft wurden unterdessen aber beschlossen. So enthält das im Mai vom Volk angenommene Energiegesetz Unterstützungszahlungen für Grosswasserkraftwerke. Weitere Massnahmen wie tiefere Wasserzinse werden erwogen. Es gebe die Erkenntnis, dass für die Wasserkraft eine «Übergangslösung» notwendig sei, sagte Alpiq-Chefin Jasmin Staiblin gestern. Diese Tatsache nannte sie als weiteren Grund, auf den Verkauf zu verzichten.

Alpiq muss den Strom am freien Markt zu Preisen verkaufen, die heute in vielen Fällen unter den Gestehungskosten liegen.

Neben Sofortmassnahmen fordert der Konzern eine komplette Liberalisierung des Strommarktes. Mit der heutigen Teilliberalisierung dürfen Haushalte und kleine Unternehmen ihren Stromanbieter nicht selbst wählen. Grössere Betriebe mit einem Jahresverbrauch ab 100'000 Kilowattstunden hingegen schon. Alpiq hat dadurch einen Nachteil gegenüber der Konkurrenz. Denn der Konzern hat im Gegensatz zur BKW oder den Stadtwerken keine an ihn gebundenen Kleinkunden, die den Strom zu Monopolpreisen beziehen müssen. Alpiq muss den Strom am freien Markt zu Preisen verkaufen, die heute in vielen Fällen unter den Gestehungskosten liegen.

Das schlägt tatsächlich aufs Ergebnis. Allerdings profitierte das Unternehmen in der Vergangenheit von dieser Konstellation. Als die Strompreise am freien Markt nämlich noch höher waren als die staatlich regulierten Monopolpreise, verdiente Alpiq mehr als die Konkurrenz mit ihren gebundenen Kunden.

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