Junge verschulden sich am häufigsten beim Staat

Unbezahlte Steuerrechnungen sind der Hauptgrund für Verschuldung bei Schweizer Jugendlichen. Aber nicht alle jungen Leute sind gleich gefährdet, in die Schuldenfalle zu tappen.

Das elterliche Vorbild ist sehr wichtig: Ein junger Erwachsener sitzt vor der Steuererklärung.

Das elterliche Vorbild ist sehr wichtig: Ein junger Erwachsener sitzt vor der Steuererklärung. Bild: Keystone

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Damit Jugendliche und junge Erwachsene nicht in eine Verschuldung abrutschen, ist das gute Vorbild der Eltern äusserst wichtig. Zu Hause muss auch über Geld gesprochen werden. Dies geht aus einer Studie zum Thema Schuldenprävention hervor, deren Ergebnisse am Montag in Zürich präsentiert wurden.

Schon von Kind auf sollten junge Leute einen sinnvollen Umgang mit Geld lernen. Als Leitlinie benötigen sie Normen und Werte ihrer Eltern. Wichtig ist, dass die Eltern ausdrücklich über Geld sprechen und ihren Kindern ihre Wertvorstellungen sowie den Umgang mit Geld vorleben und erklären, wie es in einer Mitteilung zur Studie heisst.

Das elterliche Vorbild und Erklärungen der Eltern sind noch wichtiger als eine gewisse Allgemeinbildung über den Umgang mit Geld, die aber ebenfalls präventiv wirken kann. In der Schweiz ist allerdings noch nicht systematisch erforscht worden, wie weit es her ist mit diesen Kenntnissen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Die leichte Verfügbarkeit von Krediten und Kreditkarten sowie eine Kultur des «Alles-sofort-haben-Könnens» fördern das Risiko einer Verschuldung. Allerdings sei es nicht so, dass sich junge Erwachsene in erster Linie durch Konsumkredite verschuldeten: Auf Platz eins stehen laut Mitteilung unbezahlte Rechnungen – am häufigsten Steuerrechnungen.

Zahlreiche Risikofaktoren

Nicht alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind gleich gefährdet. Ein höheres Risiko haben junge Erwachsene – Männer wie Frauen – mit kleinem schulischem Rucksack, abgebrochener Ausbildung, fehlendem Berufsabschluss und geringem Einkommen. Auch etwa ein tiefes Selbstwertgefühl und eine enge Bindung an materialistisch orientierte Gleichaltrige erhöhen das Risiko.

Sind die jungen Leute zudem in einer Familie mit tiefem gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Status aufgewachsen und/oder sind sie arbeitslos, so erhöht sich das Risiko. Und wenn schon die Eltern verschuldet waren, ist es noch wahrscheinlicher, dass es bei den Jungen so weitergeht.

Wie die Forschenden feststellten, sind Jugendliche unter 18 Jahren weniger häufig verschuldet als junge Erwachsene. Ausnahmen seien Jugendliche, die (zu) früh das Elternhaus verliessen oder im Teenageralter Eltern würden.

Selbstvertrauen wirkt präventiv

Präventiv wirken umgekehrt vor allem Eigenschaften wie Selbstvertrauen, die Fähigkeit, (eigene) Belohnungen aufzuschieben, und Selbstkontrolle. Wer zudem Geld allein nicht als Weg zu Glück und Erfolg ansieht, läuft weniger Gefahr, sich zu verschulden.

Präventive Massnahmen sollten die Normen in Gruppen von Gleichaltrigen ansprechen und zusammen mit den Jugendlichen angeschaut werden. Wichtig ist auch eine bessere Information der Eltern. Generell sollten in der Präventionsarbeit «Multiplikatoren» angesprochen werden – also Eltern, Jugendarbeiter, Berufsschulen und dergleichen.

Hintergrund zur Studie ist die Tatsache, dass zurzeit in mehreren Kantonen Fachstellen für Schuldenprävention auf- oder ausgebaut werden, wie es in der Mitteilung heisst.

Den Auftrag zur Studie zur Wirksamkeit von Schuldenprävention erteilten die Schuldenberatung Aargau/Solothurn, die Plusminus Budget- und Schuldenberatung Basel, die eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen sowie die Müller-Möhl-Foundation. Durchgeführt wurde sie an der Hochschule Luzern (wid/sda)

Erstellt: 09.12.2013, 11:05 Uhr

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