Daniel Eicher vom ABC-Verlag überraschend verstorben

Daniel Eicher galt als erfolgreicher und sozialer Berner Unternehmer. Jetzt ist er im Alter von 56 Jahren völlig unerwartet verstorben.

Daniel Eicher 2009 vor der Kulisse des ABC-Kartenverlags in Schönbühl.

Daniel Eicher 2009 vor der Kulisse des ABC-Kartenverlags in Schönbühl.

(Bild: Valérie Chételat)

Hans Galli

Der ABC-Kartenverlag in Urtenen-Schönbühl ist einer der grössten Hersteller von Kunst-, Glückwunsch- und Trauerkarten im deutschsprachigen Raum. Im Jahr 2009 erhielt er den ersten Berner Sozialstern. Die Anerkennung bekam das Unternehmen, weil es Behinderte beschäftigt und eingliedert. Die Auszeichnung galt auch Firmenchef Daniel Eicher.

Er leitete das Unternehmen seit 1986. Sein Vater war im Alter von 60 Jahren an Alzheimer erkrankt. Daniel Eicher setzte sich deshalb nicht nur für Behinderte ein, sondern er gründete im ehemaligen Betriebsgebäude auch eine private Klinik für Demenzkranke, die Stiftung Haus Serena in Schönbühl. Dafür verlieh ihm der Handels- und Industrieverein des Kantons Bern 2004 den HIV-Preis. Im vergangenen März war die A. Boss & Co. für den Preis des Swiss Venture Club in Bern nominiert. Am Schluss belegte das Unternehmen mit 200 Mitarbeitenden den dritten Rang.

Am Dienstag ist Daniel Eicher im Alter von 56 Jahren völlig unerwartet verstorben, wie die Biella-Neher Holding in Brügg bei Biel gestern Abend bekannt gab. Eicher war bei der Büroartikelherstellerin Biella, welche einst den Bundesordner erfand, während mehr als zehn Jahren Verwaltungsratspräsident. In dieser Zeit gelang die erfolgreiche Expansion ins Ausland. Das Unternehmen musste den Tod seines Präsidenten aus börsenrechtlichen Gründen bekannt geben. Der Verwaltungsrat werde durch den bisherigen Vizepräsidenten Dominik Sauter geleitet, heisst es in der Mitteilung weiter.

Berater von Hansjörg Wyss

Eicher war eine Persönlichkeit, welche problemlos den Kontakt sowohl zu Behinderten als auch zu den Reichen und Mächtigen fand. Genau vor einem Jahr begleitete er Hansjörg Wyss, den Gründer und langjährigen Präsidenten des Implantatherstellers Synthes, ans Swiss Economic Forum in Interlaken. Eicher war wohl der wichtigste persönliche Berater von Wyss und auch dessen Freund. Er sass selber im Verwaltungsrat von Synthes, bis das Unternehmen im vergangenen Jahr an Johnson & Johnson verkauft wurde. Er war auch entscheidend als Vermittler an den Verhandlungen zwischen Wyss und dem Berner Kunstmuseum beteiligt.

Eicher war in vielen weiteren Gremien tätig. Während mehrerer Jahre gehörte er dem Verwaltungsrat der Espace Media AG an, bevor diese von der Tamedia übernommen wurde. Zu ihr gehört heute auch der «Bund». Seit fünf Jahren war er Stiftungsratspräsident der Winterhilfe. Eicher dürfte eine der wenigen Persönlichkeiten sein, die sowohl für ihre unternehmerische Leistung als auch für ihr soziales Engagement ausgezeichnet worden sind. Kennzahlen seien nicht alles, hatte er bei der HIV-Preisverleihung gesagt. Ein Unternehmer müsse auch soziale Verantwortung übernehmen.

Der Bund

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